Airbus A220 Paris Air Show
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Gute Halbjahreszahlen Airbus: Bald die Nummer eins?

Stand: 31.07.2019, 09:10 Uhr

Airbus ist auf gutem Weg in diesem Jahr Boeing als weltgrößten Flugzeugbauer abzulösen. Im ersten Halbjahr konnte der Flugzeugbauer seinen Gewinn verdoppeln. Auch die Jahresziele will das Management erreichen - vorausgesetzt es kommt nicht zu einem Handelsstreit mit den USA.

Sollten die USA wie angedroht tatsächlich Zölle auf Flugzeuge und Hubschrauber aus der EU erheben, dürfte dies den Export in die USA behindern "und die Finanz- und Ertragslage von Airbus negativ beeinflussen", warnte der Konzern. Airbus unterstützt deshalb ein durch Verhandlungen erzieltes Ergebnis.

Im ersten Halbjahr hat sich das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Halbjahr auf 2,53 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Der Nettogewinn verdoppelte sich von Januar bis Juni ebenfalls, auf 1,2 (0,5) Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 24 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro.

Ergebnisziel bekräftigt

Damit übertraf Airbus die Erwartungen der Analysten. Grund dafür sei der Produktions-Hochlauf der A320-Familie von Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeugen mit neuen und effizienteren Triebwerken, die Airbus lange Zeit Kopfzerbrechen bereitet hatten.

Zudem habe der größere A350 beste Chancen, in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Der neue Vorstandschef Guillaume Faury bekräftigte das Ziel, das bereinigte Ebit um rund 15 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro zu steigern.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Schleppende Neubestellungen

Leise Zweifel äußerte Faury an dem Plan, in diesem Jahr 880 bis 890 zivile Verkehrsflugzeuge auszuliefern. Was dieses Ziel betreffe, sei das zweite Halbjahr eine "Herausforderung". Ein Engpass ist das erweiterte Hamburger Werk, das Probleme mit den verbesserten Kabinen für den gefragten A321neo hat.

Nachdem sich eine neue A321-Version für längere Strecken (XLR) zuletzt gut verkaufte, prüfe Airbus Möglichkeiten, mehr A321 zu Lasten des A320 zu produzieren, hieß es in der Mitteilung. Schafft Airbus sein Ziel, würde der Konzern aus Toulouse in diesem Jahr voraussichtlich Boeing als größten Flugzeugbauer ablösen. Die Amerikaner kämpfen mit der vorübergehenden Stillegung der Boeing 737 MAX nach zwei Abstürzen mit hunderten Todesopfern.

In den ersten sechs Monaten lieferte Airbus 389 Maschinen aus, 86 mehr als vor einem Jahr. Die Neubestellungen laufen aber in der ganzen Branche schleppend. Aufgrund zahlreicher Stornierungen wuchs der Auftragsbestand von Airbus im ersten Halbjahr nur um 88 (2018: 206) Flugzeuge.

Analysten sind beeindruckt

Die Anleger reagierten erfreut auf die Zahlen. Die hierzulande im MDax notierten Airbus-Aktien stiegen am Morgen gegen den Trend um 0,8 Prozent an. Im vorbörslichen Handel stiegen sie sogar kurzzeitig um 2,7 Prozent. Damit notieren sie nahe ihres erst im Juli erreichten Rekordhochs von 133,82 Euro. Marktteilnehmer wollen allerdings nicht ausschließen, dass es nach der starken Entwicklung des Wertes seit Jahresbeginn im Handelsverlauf zu Gewinnmitnahmen kommen könnte.

Analysten zeigten sich von dem Zahlenwerk beeindruckt. David Perry von JPMorgan bezeichnete das zweite Quartal des Flugzeugbauers als sehr stark. Allerdings sei der Gesamtjahresausblick unverändert geblieben, merkte Chris Hallam von Goldman Sachs an. Darin spiegele sich eine gewisse Vorsicht angesichts der Zielerreichung bei den Auslieferungen wider. Sollte es jedoch gelingen, die Ziele zu erfüllen, könnte der Ausblick für den operativen Gewinn (Ebit) übertroffen werden.

lg/rtr/dpa