TeamViewer-Zentrale in Göppingen
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Aktie klettert über den Ausgabekurs Wird Teamviewer doch noch zum Börsenstar?

Stand: 11.11.2019, 10:22 Uhr

Nach dem größten deutschen Tech-Börsengang seit 2000 tat sich Teamviewer zunächst recht schwer. Nun aber hat die Software-Firma aus Göppingen mit ihren Quartalszahlen den Befreiungsschlag geschafft.

Hat Teamviewer doch mehr Potenzial, als es der aktuelle Aktienkurs erscheinen lässt? Der Software-Anbieter hat im abgelaufenen Quartal das Wachstum überraschend stark beschleunigt. Die Schwaben steigerten den Umsatz um satte 63 Prozent auf 83 Millionen Euro.

Ergebnis fast verdoppelt

Das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sprang im dritten Quartal um 95 Prozent auf 46 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Teamviewer im dritten Quartal 14 Millionen Euro und damit 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft.

"Unsere ersten Ergebnisse als börsennotiertes Unternehmen unterstreichen TeamViewers starkes Finanzprofil, das hohes Wachstum mit hoher Profitabilität vereint", sagte Firmenchef Oliver Steil.

Jahresprognose bestätigt

Die Software-Schmiede bekräftigte ihre Prognose für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll weiterhin um 35 bis 39 Prozent auf 310 bis 320 Millionen Euro steigen. Beim Cash-Ebitda peilt das Management den mittleren Bereich der Prognose von 177 bis 183 Millionen Euro an.

Die Zahlen kommen gut an der Börse an. Die Teamviewer-Aktien springen um über sechs Prozent nach oben auf bis 26,71 Euro. Damit notieren sie wieder über ihrem Ausgabekurs von 26,25 Euro, unter den sie in den letzten Monaten gerutscht sind. Zeitweise waren die Papiere nur noch 21,38 Euro wert.

Analysten sehen noch Potenzial bis 36 Euro

Mehrere Analysten halten Teamviewer für unterbewertet. Sie trauen der Software-Schmiede noch deutliche Kurssteigerungen an der Börse zu. Die Experten von Goldman Sachs zum Beispiel haben jüngst als Kursziel 33 Euro ausgegeben und die Aktien auf "Buy" gestellt. Die Analysten der Commerzbank haben gar das Kursziel auf 36 Euro gestellt. Die Kollegen von Morgan Stanley sehen das Kursziel bei 32 Euro, RBC hat 29 Euro errechnet.

Das Unternehmen aus Göppingen war mit einem Emissionserlös von 2,21 Milliarden Euro und einem Unternehmenswert von 5,25 Milliarden Euro Ende September der bislang größte Börsengang in Europa in diesem Jahr. Und das größte Tech-IPO seit der Dotcom-Blase 2000. Profiteur war der Finanzinvestor Permira, der das Unternehmen 2014 für 870 Millionen Euro gekauft hatte. Er hält auch nach dem Börsengang noch rund 60 Prozent an dem zuletzt mit rund fünf Milliarden Euro bewerteten Unternehmen.

Software zur Fernwartung von Computern

Mit Teamviewer lassen sich Computer verbinden, etwa zur Fernwartung, zur Fernsteuerung von Maschinen oder für Online-Konferenzen. Davon profitieren Computernutzer, deren Rechner abgestürzt ist. Die Software von Teamviewer hilft den Service-Hotline-Mitarbeitern, das Problem per Fernschalte zu beheben.

Das Unternehmen gilt wegen seiner Bewertung als Kandidat für den MDax, dürfte aber bei der nächsten Index-Entscheidung im Dezember wegen des zu geringen Börsenumsatzes noch nicht in den Nebenwerte-Index einziehen. Stattdessen dürften die Aktien in den SDax aufgenommen werden.

Hohe Bewertung

Allerdings ist schon vieles im aktuellen Aktienkurs eingepreist. Das "schwäbische Einhorn" wird mit dem Zwölffachen des Umsatzes und dem 23-fachen des Ebitda bewertet. Zudem ist Teamviewer mit mehr als 754 Millionen Euro hochverschuldet.

nb

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