Dunkle Wolken und Aktionäre auf dem Weg zur Siemens-HV
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Gewinneinbruch im letzten Quartal Umbau kommt Siemens teuer zu stehen

Stand: 08.11.2018, 14:10 Uhr

Die schwache Kraftwerks-Sparte hat dem Münchner Industriekonzern das Schlussquartal im Geschäftsjahr 2017/18 vermiest. Wegen hoher Restrukturierungskosten halbierte sich nahezu der Gewinn. Dennoch will Siemens die Dividende anheben.

Aktionäre sollen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr zehn Cent mehr erhalten. Ihnen winkt eine Dividende von 3,80 Euro je Aktie. Ein kleiner Trost für die Kursverluste, die Siemens-Aktionäre verkraften mussten. Auf Ein-Jahres-Sicht büßten die Aktien rund 18 Prozent ein.

Kraftwerkssparte drückt Siemens-Gewinn

2017/18 verdiente Siemens operativ sechs Prozent weniger, nämlich 8,8 Milliarden Euro. Schuld daran war vor allem die Kraftwerkssparte Power & Gas, deren Gewinn um drei Viertel einbrach. In der Sparte werden 6.000 Stellen abgebaut. Das kostete alleine im vierten Quartal 386 Millionen Euro. Unterm Strich stagnierte der Gewinn des Industriekonzerns bei 6,12 Milliarden Euro.

Im vierten Quartal schrumpfte der Gewinn um fast die Hälfte auf 681 Millionen Euro. Neben hohen Ausgaben für den Personalabbau belasteten höhere Steueraufwendungen im Zusammenhang mit der Ausgliederung des Zuggeschäfts. Siemens wird 2019 mit dem französischen Rivalen Alstom fusionieren.

Negative Währungseffekte bremsten den Umsatz. Die Erlöse stiegen im vierten Quartal lediglich um zwei Prozent auf 22,6 Milliarden Euro. Das Auftrags-Neugeschäft stagnierte bei 23,7 Milliarden Euro. Aushängeschild bleibt die "Digital Factory", die vor allem Software für die Industrie-Automation verkauft und auf eine Umsatzrendite von 20 Prozent kommt. "In der industriellen Digitalisierung sind wir heute die eindeutige Nummer eins", sage Siemens-Chef Joe Kaeser

Wird das neue Geschäftsjahr besser?

Für das neue Geschäftsjahr 2018/19 gibt sich Siemens verhalten optimistisch. "Wir erwarten ein weiterhin günstiges Marktumfeld mit begrenzten Risiken aus geopolitischen Unsicherheiten, insbesondere für unsere kurzzyklischen Geschäfte", kündigte der Konzern an. Der Umsatz soll moderat um drei bis fünf Prozent zulegen. Das operative Ergebnis soll auf vergleichbarer Basis ebenfalls wachsen, die Rendite aus dem Industriegeschäft soll elf bis zwölf Prozent erreichen. "Das ist in diesem Umfeld eine mutige Prognose", sagte Vorstandschef Kaeser zu Reuters TV. "Wenn sich jeder Sorgen macht, muss es einen geben, der Hoffnung macht und den Leuten den Weg zeigt."

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Mittagsmagazin: Siemens im Wandel

Ohne die Kosten des Personalabbaus erreichte die Rendite 11,3 Prozent im Geschäftsjahr 2017/18, unter dem Strich lag sie bei 10,4 Prozent. "Wir haben wieder geliefert, was wir versprochen haben, und unsere zum Halbjahr angehobene Jahresprognose voll erreicht", sagte Kaeser.

Die Aktien von Siemens legen bis zum frühen Nachmittag um über 1,3 Prozent zu und zählen zu den Favoriten im Dax. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat die Einstufung für Siemens auf "Buy" mit einem Kursziel von 135 Euro belassen. Die Commerzbank lobte starke Auftragseingänge und sprach von einem insgesamt soliden vierten Geschäftsquartal.

Drei Milliarden für weitere Aktienrückkäufe

Siemens beginnt im November ein weiteres, erneut drei Milliarden Euro schweres Aktienrückkaufprogramm, das bis 2021 läuft. Seit 2012 hat der Industriekonzern auf diesem Weg zehn Milliarden Euro an die Aktionäre zurückgegeben.

Siemens befindet sich in einem großangelegten Konzernumbau. Mit dem Windanlagenbau (Siemens Gamesa) und der Medizintechnik (Siemens Healthineers) hat der Münchner Konzern zwei große Sparten in die Unabhängigkeit entlassen, das Zuggeschäft soll nach der Fusion mit dem französischen Konkurrenten Alstom im kommenden Jahr folgen. An allen drei Firmen will Siemens mehrheitlich beteiligt bleiben.

Der nächste Umbau

Unternehmenschef Joe Kaeser will innerhalb des Konzerns weitere Geschäfte zusammenlegen und sich künftig auf drei operative Bereiche mit Schwerpunkt auf die Digitalisierung konzentrieren. So soll mittelfristig das Wachstum angekurbelt und die Profitabilität weiter gesteigert werden. In den drei neuen Sparten Gas & Power, Smart Infrastructure sowie Digital Industries sollen die bisherigen Bereiche Gebäudetechnik, Energiemanagement, das Kraftwerksgeschäft, große Teile des Bereichs Prozessindustrie und Antriebe sowie die Digitale Fabrik aufgehen. Zwei der drei Sparten werden dabei ihren Sitz im Ausland haben. Nur das Geschäft mit der Digitalisierung bleibt in Deutschland und wird in Nürnberg seinen Sitz haben.

nb

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Die Siemens-Abspaltungen Von Epcos bis Osram

Fertigung bei Epcos

Epcos
Schon vor fast 20 Jahren ließ Siemens eine Tochter los und machte sie selbständig. 1999 stieß der Industriekonzern den Bauelemente- Bereich ab und brachte ihn unter dem Namen Epcos an die Börse. Zeitweise notierte Epcos im Dax, ab 2002 dann im Neuen Markt. 2006 zog Siemens die Reißleine und verkaufte seine restlichen Epcos-Anteile. Die elektronische Bauelemente-Firma gehört heute zur japanischen TDK.