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Trauben hängen nicht mehr so hoch Gewinneinbruch bei Google-Mutter Alphabet

Stand: 30.04.2019, 08:32 Uhr

Ein empfindlicher Gewinnrückgang bei der Google-Mutter Alphabet hat nach Börsenschluss in den USA die Märkte geschockt. Der Techriese wächst zwar weiter, aber eben nicht mehr so schnell wie gewohnt - und wird irgendwie ein bisschen irdischer.

Denn es waren durchaus ungewohnte Töne, die da am Abend aus Kalifornien in den Rest der (Börsen)-Welt drangen. Die Google-Mutter Alphabet musste nämlich im ersten Quartal einen empfindlichen Gewinnrückgang um 29 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar hinnehmen - woran nicht nur die Strafe der EU von 1,7 Milliarden Dollar gegen das Unternehmen wegen Missbrauchs der Machtstellung auf dem Online-Werbemarkt schuld war.

Die Reaktion der Börse ließ nicht lange auf sich warten. Alphabet A- und C-Aktien sacken nach Börsenschluss an der US-Technologiebörse Nasdaq über sieben Prozent ab. In Erwartung besserer Zahlen hatten die Papiere vorher noch zugelegt und neue Rekordstände markiert.

Mehr Probleme als gedacht

So profane Dinge wie zu hohe Kosten oder eben eine verstärkte Konkurrenz auf dem Online-Werbemarkt haben im Quartal ihren Tribut gefordert. Ungewohnte Töne für den IT-Giganten aus Mountain View, dessen bestes Pferd im Stall weiter die Suchmaschine Google bleibt.

Auf Konzernebene stiegen die Erlöse um 17 Prozent auf 36,34 Milliarden Dollar, was zeigt, dass der Online-Werbemarkt weiter hohe Wachstumsraten generiert. Aber bei Alphabet war es eben nicht so viel wie erwartet. Experten hatten im Vorfeld rund eine Milliarde Dollar mehr vorausgesagt. Es war zudem das niedrigste Umsatzwachstum seit drei Jahren.

Bekanntlich reagiert die Börse allergisch darauf, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, zudem wies die IT-Konkurrenz wie Facebook, Amazon und Twitter zuletzt höhere Wachstumsraten auf.

Da hilft es auch nicht, wenn sich Finanzchefin Ruth Porat mit dem Ergebnis zufrieden zeigte: "Wir haben ein robustes Quartal geliefert, angeführt von mobiler Suche, Youtube und Cloud-Diensten", sagte die Top-Managerin.

Hoher Kostendruck

Auch die gestiegenen Kosten, im Quartal immerhin ein Plus von 16,5 Prozent auf 30 Milliarden Dollar, kamen am Markt nicht gut an.

Bereits seit längerem kämpft Alphabet mit steigenden Kosten. So gibt der Konzern mehr Geld für seine Rechenzentren, Immobilien oder den Aufbau von Forschungsprojekten für künstliche Intelligenz aus. Offenbar ist die Börse noch nicht bereit, die Zukunftsinvestitionen (etwa in das Autonome Fahren mit der Tochter Waymo) zu antizipieren.

Aktienkurs gut, aber es muss immer besser werden

B5-Moderator Christian Sachsinger
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B5 Börse 16.15 Uhr: Alphabet-Aktie knickt ein

Um seinen Aktienkurs vom jetzigen Rekordniveau weiter zu steigern, muss Alphabet weiter nicht nur gut, sondern sehr gut sein. Immerhin über 870 Milliarden Dollar bringt das Unternehmen auf die Börsenwaage, womit es zu den ganz Großen gehört.

A- und C-Aktie stehen auf Rekordhoch, aber auch hier gilt: Die anderen waren besser. So legte Facebook seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zu, Netflix knapp 40 Prozent und Apple rund 30 Prozent. Die Alphabet-Papiere stiegen "nur" rund 23 Prozent (vor dem nachbörslichen Kurseinbruch gestern).

rm