Covestro-Zentrale in Leverkusen

Gewinneinbruch wegen Preisverfalls Covestro schrumpft weiter

Stand: 19.02.2020, 10:27 Uhr

Die träge Autokonjunktur und der harte Wettbewerb machen dem Kunststoffhersteller Covestro schwer zu schaffen. Im vergangenen Jahr halbierte sich der Gewinn. Nun soll noch mehr gespart werden. Das beruhigt die Aktionäre.

Die Aktien von Covestro ziehen am Mittwochmorgen um rund drei Prozent an. Damit erholen sie sich etwas vom jüngsten Kursverfall. Auf Einjahres-Sicht haben die Dax-Titel gut 20 Prozent eingebüßt. Vor zwei Jahren waren die Covestro-Aktien noch gut doppelt so viel wert wie heute.

Umsatz- und Gewinnschwund

Tatsächlich ist der Gewinn- und Umsatzschwund beim Kunststoffkonzern aus Leverkusen, der einst zu Bayer gehörte, beängstigend. 2019 schrumpften die Erlöse um rund 15 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sackte um die Hälfte auf 1,6 Milliarden Euro ab. Unter dem Strich verdiente Covestro nur noch 552 Millionen Euro - fast 70 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Covestro: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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31,29
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Während die Geschäfte mit der Elektro-, der Bau- und der Möbelindustrie gut liefen, bekamen die Leverkusener die Flaute der Autobranche, die rund ein Fünftel des Konzernumsatzes ausmacht, voll zu spüren. Noch deutlicher wirkten sich deutlich gestiegene Produktionskapazitäten der Konkurrenz aus. 2019 standen die Preise etwa für Schaumstoffvorprodukte MDI und TDI deutlich unter Druck - ganz anders als in den Vorjahren, als sie wegen eines begrenzten Angebots recht hoch waren.

Das bekam die Polyurethan-Sparte voll zu spüren: Ihr operatives Ergebnis brach um mehr als 60 Prozent ein. Im Geschäft mit harten Kunststoffen der Sparte Polycarbonate sah es nicht viel besser aus. Einzig das Segment CAS rund um Vorprodukte für Lacke, Klebstoffrohstoffe und Spezialanwendungen hielt sich trotz einer schwächeren Nachfrage der Autobranche nach Lackvorprodukten in etwa stabil.

Keine Wende 2020 in Sicht

Auch für dieses Jahr stellt sich der Kunststoffhersteller 2020 auf eine Durststrecke ein. Das Betriebsergebnis (Ebitda) dürfte auf 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro weiter sinken, warnte das Unternehmen. Covestro geht von einem Mengenwachstum im Kerngeschäft im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus. 2019 war es um knapp 50 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro gefallen. "Auch 2020 wird für uns herausfordernd bleiben", sagte Vorstandschef Markus Steilemann. Die finanziellen Auswirkungen der Coronavirus-Krise in China seien noch nicht vollumfänglich abzusehen.

Der Vorstand will deshalb gegensteuern – und noch kräftiger an der Sparschraube drehen. Zusätzlich zu dem im Oktober 2018 gestarteten Programm sollen im laufenden Jahr die Kosten um rund 200 Millionen Euro gedrückt werden. "Im aktuellen Marktumfeld werden wir nur dann erfolgreich sein, wenn wir uns noch effizienter aufstellen, Projekte priorisieren und Investitionen hinterfragen, um uns die notwendige finanzielle Flexibilität zu bewahren", sagte Finanzchef Thomas Toepfer.

Bleibt die Dividende stabil?

Weitere Stellenstreichungen seien aber nicht geplant, erklärte ein Sprecher. Im Rahmen seines Sparprogramms hatte der Konzern bereits im Herbst 2018 angekündigt, dass bis Ende 2020 rund 900 Stellen weltweit wegfallen sollen, 400 davon in Deutschland.

Bei dem für die Dividende wichtigen freien operativen Mittelzufluss (Free operating Cashflow) könnte 2020 im schlimmsten Fall eine Null herauskommen, im besten Fall sollen es 400 Millionen Euro werden. Das wäre weniger als die 2019 erzielten 473 Millionen Euro. Ob Covestro die Dividende weiter stabil halten kann, ist also fraglich. Immerhin: Für das abgelaufene Jahr wird Covestro ihnen 2,40 Euro je Aktie ausschütten. Das ist genau so viel wie im Vorjahr.

nb