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Umstieg aufs E-Auto belastet Gewinneinbruch bei Bertrandt

Stand: 30.08.2017, 09:15 Uhr

Ein schwieriges Umfeld: Bertrandt kämpft mit den Veränderungen in der Autobranche. Wichtige Kunden wie Audi sparen. Das lässt die Gewinne des Ingenieurdienstleisters einbrechen. Der SDax-Titel legt am Morgen dennoch zu.

Der Rückgang ist beachtlich. In den ersten neun Monaten 2016/17 sank das Betriebsergebnis um 36 Prozent auf 39,8 Millionen Euro. Der Umsatz legte noch ein wenig zu, er stieg um ein knappes Prozent auf 734,8 Millionen Euro zu. Der für die Autoindustrie tätige Ingenieurdienstleister Bertrandt beklagt wegen des Umstiegs auf die Elektromobilität Verzögerungen bei der Projektvergabe. Zudem sei der steigende Preisdruck deutlich zu spüren.

Verlagerung in Niedriglohnländer?

Die Bertrandt-Aktie steigt im frühen Handel dennoch deutlich. Der SDax-Titel war schon im Vorfeld der Geschäftszahlen durch skeptische Analystenstimmen belastet worden. Die Autoentwicklung werde immer mehr zu einem Standardprodukt, was auf die Preise drücke, so etwa Christian Glowa, Analyst der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Er riet daher jüngst, sich von der Aktie zu trennen, und senkte das Kursziel drastisch von 90 auf 58 Euro. Die Jahresprognose des Entwicklungsdienstleister sei zu optimistisch. Wann sich die Lage bessere, sei noch nicht absehbar. Um profitabel zu bleiben, müsse die Bertrandt AG bestimmte Arbeiten langfristig in Niedriglohnländer verlagern.

Sorgen kamen bei Anlegern auch auf, als Audi - einer der wichtigsten Kunden - ankündigte, im Forschungs- und Entwicklungsbereich künftig effizienter arbeiten zu wollen. Durch die so hausintern frei werdende Arbeitskraft von Ingenieuren soll dann mehr Entwicklungsarbeit intern statt extern erledigt werden.

Bertrandt-Aktie im Fall

Derartige Einsparungen würden auch Bertrandt belasten, so die Befürchtung. Die Aktie hat seit Mitte August bereits ein Fünftel an Wert verloren, sie fiel auf ein Mehrjahrestief bei 68 Euro.

Dabei hatte der Halbjahresbericht noch so zuversichtlich geklungen. Bertrandt sprach davon, neue Jobs zu schaffen. Man brauche Fachkräfte für die Umwälzung der Autobranche und der Industrie. Bertrandt ist an der Entwicklung von Elektroautos und selbst fahrenden Fahrzeugen beteiligt. Zudem sieht das Unternehmen große Potenziale bei Industrie 4.0. Allerdings hatte Bertrandt im Mai sein Jahresumsatzziel nach dem ersten Geschäftshalbjahr 2016/17 deutlich gekappt und damit auch dem Wandel in der Automobilindustrie allgemein Rechnung tragen müssen.

Es gab in den letzten Tagen aber durchaus auch positive Analysteneinschätzungen. Das Bankhaus Lampe erwartete zwar ein schwaches drittes Quartal, hielt das Risiko einer weiteren Gewinnwarnung aber für sehr niedrig. Seine Empehlung für die Aktie lautete daher "Halten", wenngleich er sein Kursziel wegen niedrigerer Umsatz- und Gewinnmargenerwartungen um drei auf 71 Euro senkte.

bs

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