Hand mit Beutel und

Neuer Dividendenregen: Geht das nicht an die Substanz? Die heilige Kuh der Anleger

Stand: 29.11.2018, 10:33 Uhr

2019 dürfen Anleger wieder auf einen Dividendenregen setzen, auch wenn bei vielen Konzernen die Gewinne schwinden. Muss man sich sorgen? Gehen die Ausschüttungen nicht an die Substanz?

Gerade die stark vom Export abhängigen Dax-Konzerne haben es momenten recht schwer mit dem Geld verdienen. Die Weltkonjunktur schaltet einen Gang runter, durch die diversen Handelsstreitigkeiten zwischen US-Präsident Trump und dem Rest der Welt herrscht Unsicherheit. Die jüngste Saison an Zwischenbilanzen hat es gezeigt: Die Gewinne der Konzerne schwinden. Sei es nun bei den stark gebeutelten Autokonzernen und Zulieferern wie BMW, Daimler, Conti, oder den Opfern des Rhein-Niedrigwassers BASF, Covestro, ThyssenKrupp. Es war selbst ablesbar an der deutschen Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt sank im dritten Quartal um 0,2 Prozent. 

Trotzdem werden sich Anleger im nächsten Jahr vermutlich nicht auf Dividendenkürzungen einstellen müssen. Erwartet wird gar wieder ein neuer Rekord an Ausschüttungen. Nach der Einschätzung von Analysten dürften alle 30 Dax-Konzerne ihren Aktionären im nächsten Jahr wieder eine Dividende zahlen. Nach einer Auswertung von Finanzen.net dürften 24 Konzerne sogar sogar mehr Gewinn als im Vorjahr ausschütten, darunter Fresenius, Lufthansa und Infineon. RWE und Eon dürften nach der Einschätzung von Analysten besonders tief in die Tasche greifen. Bei RWE erwarten Analysten eine Anhebung von 0,50 Euro auf 0,70 Euro. Eon dürfte von 0,30 auf 0,43 Euro, was auf dem aktuellen Kursniveau einer Dividendenrendite von fast fünf Prozent entspricht.

Geht das nicht an die Substanz?

Können sich die Konzerne diesen Geldregen leisten? Müssen Anleger nicht befürchten, dass dies zu viel des Guten ist und die Konzerne mehr ausschütten als ihnen gut tut? Beispielsweise hat Problemkind VW sein Diesel-Desaster finanziell noch längst nicht aufgearbeitet, 30 Milliarden kostete es den Konzern bereits. Die ganze Autobranche muss kämpfen mit Absatzeinbußen und zugleich die Investitionen hochfahren für die neue E-Auto-Zukunft. Bayer muss sich finanziell wappnen gegen die mit Monsanto zugekaufte Klagewelle. BASF denkt nach Millionenverlusten durchs Niedrigwasser über Investitionen in Flachbodenschiffen und andere Infrastruktur nach. Und Thyssenkrupp hat sich noch nicht aus der Krise befreit.

Jeder Euro vom Gewinn, der in die Taschen der Aktionäre fließt, fehlt in der Unternehmenskasse für Investitionen, künftiges Wachstum oder als Notgroschen schwierige Zeiten. Wäre es also angesichts der heiklen Lage die weisere Entscheidung, die Dividende zu streichen oder zu kürzen?

Vorsicht, heilige Kuh!

Eher nicht. Denn erstens ist die Dividende so etwas wie die heilige Kuh der Anleger. Wenn ein Konzern sie angreift, hat das Signalwirkung und führt zu Unruhe. Daher bemühen sich Konzerne um Dividendenkontinuität.

Und zweitens können es sich die deutschen Konzerne tatsächlich leisten. Denn sie haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet. Bis auf Thyssen-Krupp zahlt kein Dax-Konzern die Dividende aus der Substanz. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Konzerne sogargeradezu sparsam. Sie schütten zwischen 30 bis 40 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie an die Aktionäre aus. In der nächsten Dividendensaison wird eine Ausschüttungsquote von 42 Prozent erwartet.

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bs