Apps von Instagram, Facebook, WhatsApp auf einem Smartphone
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Starke Zahlen vorgelegt Facebook: Milliardenstrafe, na und?

Stand: 25.07.2019, 07:30 Uhr

Facebook hat auch im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen und starke Zahlen vorgelegt - trotz einer fünf Milliarden hohen Strafe und neuer Rückstellungen. Doch die Zahl der Nutzer steigt weiter.

Auch die Anleger reagierten erleichtert. Im nachbörslichen New Yorker Handel stieg die Facebook-Aktie um 3,2 Prozent. Goldman Sachs hat das Kursziel für Facebook nach den Zahlen von 228 auf 231 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Instagram habe dazu beigetragen, das Wachstum im zweiten Quartal zu beschleunigen, schrieb Analystin Heather Bellini. Tatsächlich hat der Konzern die wegen Verletzung der Datenschutzregeln verhängte Strafe von fünf Milliarden Dollar mit Leichtigkeit verdaut.

Im zweiten Quartal machte das Online-Netzwerk immer noch einen Gewinn von gut 2,6 Milliarden Dollar. Das ist zwar nur halb so viel wie ein Jahr zuvor, doch verkündete Facebook gleichzeitig die Rückstellung von weiteren zwei Milliarden Dollar für möglicherweise höhere Steuerzahlungen als Folge eines anderen Rechtsstreits. Ohne diese Rückstellung wäre das operative Ergebnis gestiegen.

Umsatz legt zweistellig zu

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Wie gut es dem Unternehmen weiterhin geht, zeigt auch ein Blick auf die Umsatzentwicklung. So stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar. Zugleich gab Facebook mit den Quartalszahlen bekannt, dass die FTC das Online-Netzwerk auch in einer Wettbewerbsuntersuchung unter die Lupe nimmt. Das US-Justizministerium hatte am Vortag ebenfalls eine Kartelluntersuchung großer Online-Plattformen öffentlich gemacht, dabei allerdings Facebook nicht ausdrücklich erwähnt.

Trotzdem wuchs die Zahl der täglich mindestens einmal aktiven Nutzer im zweiten Quartal weiter an, von 2,38 auf 2,41 Milliarden. Täglich griffen davon 1,59 Milliarden auf Facebook zu - nach 1,56 Milliarden im ersten Quartal. Dieses Wachstum kam vor allem aus Ländern wie Indien, Indonesien und den Philippinen, wie Facebook-Finanzchef David Wehner sagte. Die Töchter WhatsApp, Instagram und Messenger werden täglich von 2,1 Milliarden Menschen genutzt.

Weitere Auflagen im Datenschutz

Zugleich gab es auch in den für Facebook bereits starken Märkten Nordamerika und Europa deutliche Umsatzzuwächse. Die FTC hatte neben der Milliardenstrafe noch weitere Auflagen wie Datenschutz-Kontrollen bei Facebook über die nächsten 20 Jahre durchgesetzt. Als eine der Maßnahmen soll im Verwaltungsrat des Online-Netzwerks ein zusätzliches Gremium zur Datenschutz-Aufsicht eingerichtet werden. Dies solle Gründer und Chef Mark Zuckerberg die bisherige "uneingeschränkte" Machtfülle bei Datenschutz-Entscheidungen nehmen, erklärte die FTC am Mittwoch.

Das Gremium werde vierteljährlich zusammenkommen, teilte Facebook mit. Außerdem soll Facebook den Datenschutz bei Apps anderer Anbieter auf der Plattform stärker überwachen und bei Verstößen konsequenter gegen sie vorgehen. Dem Online-Netzwerk wurde darüber hinaus auch untersagt, für Sicherheitsfunktionen gesammelte Telefonnummern zur Personalisierung von Werbung zu verwenden.

Facebook hält an Bezahlfunktion fest

Zuckerberg sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, die Einigung mit der FTC gebe dem Unternehmen Klarheit für die Zukunft. Auf die Frage nach einem Termin für die schon seit längerem erwartete Einführung von Werbeanzeigen im sogenannten "Status"-Bericht der Chat-App WhatsApp gab es weiterhin keine konkrete Antwort. Zugleich sagte Zuckerberg, dass Facebook an einer Bezahlfunktion für den Dienst arbeite, der nach Tests in Indien noch von fehlenden regulatorischen Freigaben gebremst werde.

Generell seien Zahlfunktionen mit klassischen Währungen für Facebook ein interessantes Feld - auch für den Fall, dass die Einführung der vom Online-Netzwerk erfundenen Digitalwährung Libra sich hinziehen sollte. Facebook will Libra im kommenden Jahr für Verbraucher verfügbar machen, die Idee stößt aber auf bei Politikern und Zentralbanken auf Widerstand.

lg/dpa