Elon Musk

Früherer Beschäftigter klagt an Gewerkschaften bei Tesla unerwünscht?

Stand: 12.06.2018, 08:36 Uhr

Der Tesla-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe, Gewerkschaften seien in seinem Unternehmen nicht zugelassen. Ein ehemaliger Mitarbeiter sieht das anders.

Als Michael Sanchez an seinem Arbeitsplatz bei Tesla Flugblätter für die Gewerkschaft der Automobilarbeiter UAW verteilen will, wird er vom Sicherheitspersonal des Betriebsgeländes verwiesen. Das war im Februar 2017. Nun klagen Sanchez und die Gewerkschaft gegen die Entscheidung vor einem Schiedsgericht. Und es melden sich andere Tesla-Mitarbeiter, die über ein Klima der Angst und der Einschüchterung berichten.

Danach hätten die Tesla-Mitarbeiter eine Erklärung unterschreiben müssen, dass sie über die Arbeitsbedingungen in dem kalifornischen Autowerk Stillschweigen bewahren, in der Öffentlichkeit nicht darüber sprechen. "Wir haben es hier mit einer schwerwiegenden gewerkschaftsfeindlichen Kampagne zu tun, die alle Mitarbeiter von Tesla betrifft", sagte Margo Feinberg, Rechtsanwältin der Gewerkschaft UAW.

Musk weist Anschuldigungen zurück

Der Prozess vor dem National Labors Relations Board (NLRB), einer Art staatlichem Schiedsgericht, kommt für Tesla zu einem heiklen Zeitpunkt, ist das Unternehmen doch gerade dabei die Produktion für sein massentaugliches Model 3 hoch zu fahren.

Tesla-Chef Elon Musk sieht das natürlich ganz anders. "Sie können eine Gewerkschaft bilden, wann immer sie wollen und es gibt nichts, was ich tun könnte, um sie zu stoppen“, schrieb er auf Twitter. "Kalifornien ist ein sehr gewerkschaftsfreundlicher Bundesstaat."

Zwei Prozent der Mitarbeiter gefeuert

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Zudem weist er die Anschuldigungen der UAW zurück. Als Reaktion auf einen Twitter-Nutzer, der nach der Beschwerde der UAW gefragt hatte, erklärte Musk, dass ein kleiner Prozentsatz der Tesla-Mitarbeiter im vergangenen Jahr nach der Leistungsüberprüfung gefeuert worden sei.

"Etwa zwei Prozent von Tesla, einschließlich Angestellte und Arbeiter, Gewerkschafter und Nicht-Gewerkschafter, wurden in der jährlichen Überprüfung entlassen“, schrieb Musk. "Der einzige gefeuerte Gewerkschafter war ein Typ, der wiederholt Nicht-Gewerkschafter verbal und in sozialen Medien bedrohte und darüber gelogen hat."

Sicherheitsanweisungen nicht angebracht

Trotzdem reißen die Vorwürfe gegen Tesla wegen schlechter Arbeitsbedingungen nicht ab. Bereits im April veröffentlichte das Center for Investigative Reporting einen Untersuchungsbericht, in dem es hieß, Tesla habe Arbeitsunfälle falsch gemeldet und einige Sicherheitsmaßnahmen im Fremont-Werk nicht getroffen.

Besucher der Model-3-Präsentation fotografieren den neuen Tesla

Tesla Model 3. | Bildquelle: picture alliance / Justin Pritchard/AP/dpa

In dem Bericht heißt es außerdem, dass Tesla es versäumt habe, bei der Arbeit entstandene Verletzungen von Mitarbeitern zu melden oder sie falsch gekennzeichnet hätte. Zudem habe Tesla einige Sicherheitsanweisungen aus ästhetischen Gründen nicht angebracht und einige Mitarbeiter unzureichend für gefährliche Arbeiten ausgebildet.

Erste Funktionen zum autonomen Fahren im August

Unterdessen verspricht Musk, seine Fahrzeuge ab August mit ersten Funktionen zum autonomen Fahren auszustatten. Allerdings nannte er keine weiteren Details dazu, so dass unklar blieb, in welchem Umfang und unter welchen Umständen der Computer die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen soll. Bei der Autopilot-Software betont Tesla stets, dass es lediglich ein Assistenzsystem sei, das die Wagen nicht zu selbstfahrenden Autos mache. Deshalb sollen die Fahrer stets den Überblick über die Verkehrslage und die Kontrolle über das Fahrzeug behalten. Zugleich baut Tesla bereits seit 2016 Kameras und andere Hardware ein, die die Wagen fit für komplett autonomes Fahren machen sollen.

Derzeit werden in den USA mehrere Unfälle untersucht, bei denen Teslas mit eingeschaltetem Autopilot-System auf Hindernisse wie stehende Fahrzeuge sowie einen Betonpoller auf der Autobahn auffuhren. Erst vor wenigen Tagen erklärten Unfallermittler der US-Behörde NTSB im vorläufigen Bericht zu einem tödlichen Crash im März in Kalifornien, der Autopilot habe einen Tesla Model X in Richtung des Betonpollers auf der Autobahn beschleunigt.

lg