25 Jahre Deutsche Börse
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25. Jahrestag Getrübte Party-Stimmung bei der Börse

Stand: 11.12.2017, 13:49 Uhr

Am Montag hat die Deutsche Börse ihren 25. Geburtstag gefeiert. All zu ausgelassen war die Stimmung nicht. Denn die geplatzte Fusion mit London und die Ermittlungen gegen den Vorstandschef haben das Image des Börsenbetreibers ramponiert. Die Aktie ist dagegen eine Erfolgsstory.

Für die "alten Hasen" wie Bankier Friedrich von Metzler oder Rüdiger von Rosen ist der 11. Dezember 1992 noch heute ein denkwürdiges Datum. "Es war das Ende eines Irrwegs, dem die deutschen Börsen lange gefolgt sind", erinnert sich Metzler. Vor genau 25 Jahren beschlossen die Eigentümer der damaligen Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), der Deutschen Terminbörse und des Deutschen Kassenvereins, die drei Unternehmen zu fusionieren – zur Deutsche Börse AG.

Großer Schritt für den Finanzplatz Frankfurt

Deutschland fehlte bis dato das, was in Großbritannien (London), Frankreich (Paris) und Italien (Mailand) längst Usus war: ein zentraler Börsenplatz. Die deutsche Börsenlandschaft war zerklüftet. Zum Nebeneinander von FWB und Deutscher Terminbörse gesellten sich sieben weitere regionale Wertpapierhandelsplätze. Lange sträubten sich die Regionalbörsen gegen eine Stärkung Frankfurts – aus Angst, weiter an Bedeutung zu verlieren.

"Damals haben viele versucht, Sand ins Getriebe zu streuen", weiß Rüdiger von Rosen, der 1992 den Dialog mit den Regionalbörsen suchte. Nach der Gründung der Deutschen Börse war von Rosen deren erster Vorstandssprecher.

Wegen des internationalen Marktdrucks sei die Notwendigkeit zur Bündelung der Kräfte groß gewesen, erinnert sich von Rosen. "Das Geschäftsfeld war völlig im Umbruch." Zudem wollte die Börse auch ausländische Investoren an Bord holen. "Die hätte man wohl kaum bekommen, wenn sich die Börsenstruktur nicht geändert hätte."

Durchbruch mit Xetra

Den eigentlichen Durchbruch schaffte die Deutsche Börse fünf Jahre später mit der Einführung des Xetra-Handels. Seither hat sich das Aktiengeschäft per Computer durchgesetzt. Weit über 90 Prozent des Handels laufen in Frankfurt elektronisch, der Parketthandel verlor an Bedeutung.

2001 ging die Deutsche Börse selbst an die Börse - mitten zur Zeit des Neuer-Markt-Crashs. Nach einem recht trägen Start kam die Aktie des Börsenbetreibers ab 2005 kräftig in Fahrt. Der Dax-Titel schoss Ende 2007 bis auf 135,75 Euro nach oben. Dieses Rekordhoch wurde seither nie wieder erreicht. 2008 stürzte die Aktie bis auf 34,40 Euro wieder ab.

Aktienkurs hat sich seit 2001 verfünffacht

Seither hat sie sich aber nach und nach wieder aufgerappelt - besonders in den letzten drei Jahren. Seit Dezember 2014 hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Auch langfristig kann sich die Aktie sehen lassen. Seit dem IPO 2001 ist der Wert der Deutschen Börse um mehr als das Fünffache gestiegen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verdoppelte sich der Dax lediglich.

Selbst in diesem Jahr hat die Deutsche Börse den Dax abgehängt. Während der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn gut 13 Prozent zugelegt hat, kommt die Börsen-Aktie auf ein sattes Kursplus von 23 Prozent. Nicht einmal die gescheiterte Fusion der Frankfurter mit der Londoner Börse und die Querelen um Vorstandschef Carsten Kengeter konnten  den Höhenflug der Aktie bremsen.

Chronik von mehreren geplatzten Fusionen

Für einige Marktbeobachter und Analysten wäre der Zusammenschluss mit der London Stock Exchange die Krönung der erfolgreichen Geschichte der Deutsche Börse gewesen – von der Regionalbörse zur europäischen Super-Börse. Andererseits wäre die Gefahr auch groß gewesen, dass die Frankfurter Börse irgendwann ihre Heimat ganz verlässt und nach London oder Amsterdam umsiedelt. Schließlich hat die Deutsche Börse schon aus Kostengründen ihren Konzernsitz von Frankfurt nach Eschborn verlagert – zum Ärger einiger Frankfurter Kommunalpolitiker.

Der nächste Fusionsanlauf kommt aber bestimmt – dann wohl unter dem neuen Chef Theodor Weimer, der ab 2018 den umstrittenen Carsten Kengeter ablöst. Seit der Gründung vor 25 Jahren hat nahezu jeder Vorstandschef den Flirt mit einem anderen Börsenbetreiber gewagt. 2000 verhandelte Vorstandschef Werner Seifert mit der Londoner Börse über eine Fusion unter Gleichen – und scheiterte am Widerstand der LSE-Aktionäre. Fünf Jahre später machte er einen zweiten Annäherungsversuch – und wurde von den eigenen Aktionären ausgebremst.

Sein Nachfolger, Reto Francioni, ging einen anderen Weg und bandelte mit der europäischen Vierländerbörse Euronext an. Doch die Franzosen befürchteten eine verdeckte Übernahme durch die Deutschen – und bevorzugten eine Fusion mit der New Yorker Börse. Zwei Jahre später flirtete Francioni mit der NYSE Euronext – und ging wieder leer aus. 2011 scheiterte der zweite Versuch am Veto von Europas Wettbewerbshütern. 25 Jahre Deutsche Börse - das ist auch die Chronik von sechs gescheiterten Megafusionen.

nb

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Gescheiterte Übernahmeversuche der Deutschen Börse Was alles schon versucht wurde

London Stock Exchange

Juli 2000: Pläne für die "iX international exchange"
Bereits im Jahr 2000 beginnt die Annäherung zwischen den beiden Börsenbetreibern in London und Frankfurt. Pläne für eine gemeinsame Plattform namens "iX" scheiterten aber am mangelnden Interesse anderer Börsenbetreiber, sich zu beteiligen.