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Widerstand gegen Aufsichtsratssitz von Geely Geschlossene Gesellschaft bei Daimler?

von Notker Blechner

Stand: 27.02.2018, 16:47 Uhr

Darf Geely-Chef Li Shufu als neuer Großaktionär auch in den Aufsichtsrat von Daimler einziehen? Diese Frage erregt derzeit die Gemüter in Stuttgart und Berlin. Geely besitzt Volvo und ist Konkurrent von Daimler.

Mit Bader M. Al Saad ist Kuwait als lange Zeit größter Einzelaktionär von Daimler seit einem Jahr im Kontrollgremium von Daimler vertreten. Die Scheichs halten über die Kuwait Investment Authority 6,8 Prozent Anteile am schwäbischen Autobauer.

Was den Kuwaitis zusteht, könnten bald auch die Chinesen als größter Aktionär von Daimler einfordern: einen Sitz im Aufsichtsrat. Geely-Chef Li Shufu besitzt inzwischen 9,7 Prozent Anteile an Daimler.

Wirtschaftsministerin: "Aufmerksam betrachten!"

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Doch gegen einen Vertreter von Geely im Kontrollgremium von Daimler formiert sich Widerstand. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigt sich alarmiert. "Wir müssen das besonders aufmerksam betrachten", sagte sie "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" am Montag. Ihrer Ansicht nach wäre es problematisch, wenn Daimler mit einem Vertreter von Geely einen Konkurrenten in den Aufsichtsrat ließe.

Denn hinter Geely steckt Volvo. Die Chinesen besitzen nicht nur den schwedischen Pkw-Hersteller, sondern sind künftig auch noch Großaktionär bei Volvo Trucks. Daimler und Volvo sind direkte Konkurrenten bei Lastern und Bussen.

Volvo-Boss künftig nicht mehr im AR von Volvo Trucks

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Volvo hat bereits reagiert. Wegen des Einstiegs von Geely bei Daimler wird Volvo-Chef Håkan Samuelsson im April den Aufsichtsrat von Volvo Trucks verlassen, teilte die Volvo Group am Montag mit. Es sei nicht wünschenswert, dass jemand Einsicht in beide Unternehmen habe, hieß es.

Wie das "Handelsblatt" am Dienstag ohne Angaben von Quellen berichtete, hat das Daimler-Management ebenfalls Bedenken über zu viel Einblick von Herrn Li in die wichtigsten Planungen des Stuttgarter Autobauers. Angeblich soll Daimler durchblicken haben lassen, von einem Aufsichtsratsposten von Li oder einem anderen Geely-Repräsentaten überhaupt nicht begeistert zu sein.

Geschäftsordnung schließt Wettbewerber aus

Tatsächlich schließt laut dem "Handelsblatt" die Geschäftsordnung des Stuttgarter Dax-Konzerns einen Sitz von Geely im Kontrollgremium aus. "Dem Aufsichtsrat dürfen keine Mitglieder angehören, die Organfunktionen bei wesentlichen Wettbewerbern des Unternehmens ausüben", heißt es darin.

Herr Li hat bei seinen Treffen mit der Daimler-Spitze versichert, die Corporate Governance bei Daimler zu respektieren. Ob er folgerichtig auf einen Sitz im Aufsichtsrat verzichtet, ist fraglich.

Bei der nächsten Hauptversammlung könnte das Thema auf den Tisch kommen. Dann laufen drei Aufsichtsratsmandate aus. Andrea Jung, Sari Baldauf und Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht müssen sich der Wiederwahl stellen. Auf Jung und Baldauf müssen zwei Frauen folgen, ansonsten würde die vorgeschriebene Frauenquote verfehlt. Bleibt also nur der Posten von Hambrecht, auf den Geely-Chef Li Shufu spekulieren könnte.

Experten sind gespalten

Branchenexperten, Analysten und Investoren sehen den wachsenden Einfluss von Herrn Li mit gemischten Gefühlen. "Aus Wettbewerbsgründen dürfte es klar sein, dass Daimler keinen Vertreter eines Konkurrenten am Tisch sitzen haben will, wenn höchst geheime Angelegenheiten debattiert werden", sagte Arndt Ellinghorst von der Beratungsfirma Evercore ISI im "Handelsblatt". Diese Sicht teilen auch andere Investoren.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hält indes die Governance-Diskussion für "akademisch". Das Modell von Geely sei Kooperation - so wie bei Volvo. "Was spricht dagegen, dass sich ein Unternehmen, das mit einem anderen kooperiert, nicht auch im Aufsichtsrat wiederfinden darf", sagte er gegenüber boerse.ARD.de.

"Li wird Anteile an Daimler aufstocken"

Ohnehin werde Geely die Anteile an Daimler ausbauen, "Li wird die Anteile weiter aufstocken", glaubt Dudenhöffer. Mehr als 50 Prozent strebe er aber vermutlich nicht an. Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler kann sich aber durchaus "vorstellen, dass Li Shufu in zehn Jahren Mehrheitsaktionär bei Daimler wird".