Nervöse Anleger versammeln sich in der Wall Street am

Wenn es um die Wurst geht Bank Run: Erprobt seit 1857

Stand: 28.03.2013, 13:22 Uhr

Wie viel Geld auch immer die Zyprioten innerhalb kurzer Zeit von ihren Konten abheben werden – sie stehen damit in der Tradition all derer, die in den vergangenen 150 Jahren versucht haben, in Krisenzeiten an ihr Geld zu kommen.

Wenn die EZB in der vergangenen Nacht containerweise Bargeld nach Zypern geschafft hat, um den dortigen Banken Liquidität zu sichern, so ist das keine Idee aus dem Jahr 2013. Bereits 1857 hatten amerikanische Banken in New York ähnliches vor. In Ermangelung einer kontrollierenden und koordinierenden Zentralbank orderten sie ein Schiff voll Gold aus Kalifornien, um die Zahlungsfähigkeit beim befürchteten Bank Run sicher zu stellen.

Blöd nur, dass ein Hurrikan einen Strich durch den an sich guten Plan machte und das Gold versank und die Krise nach Bekanntwerden dieser Nachricht erst Recht eskalierte. Hamburger Banken, denen 1857 die kollektive Pleite drohte, setzten auf die Eisenbahn als Transportmittel. Das von Österreich geborgte Geld kam sicher in Hamburg an und die Krise fiel weniger dramatisch aus.

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Kleine Geschichte der Bank Runs

1857 – Der erste Run: Ähnlich wie die EZB im Fall Zypern wollten die Regierungen der USA und in Europa 1857 die Folgen drohender Bank Runs lindern, indem sie versuchten, Bargeld, Gold und Silber in großen Mengen an die jeweiligen Krisenherde zu transportieren. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg. In den USA stach in Kalifornien ein Schiff beladen mit Gold in See, um den krisengeschüttelten Banken an der Ostküste die notwendige Liquidität zur Verfügung zu stellen. Gute Idee, aber – so simpel es klingt – das Wetter hat nicht mitgespielt. Das Schiff geriet in einen Hurrikan und sank mitsamt der Fracht. Die Nachricht vom Untergang löste in der Finanzwelt Panik aus und führte im Oktober 1857 zu erneuten Crashs an der Wall Street. Zur Rettung der von der amerikanischen Krise besonders betroffenen Hamburger Banken wurde die Eisenbahn als Transportmittel gewählt. Eine kluge Entscheidung. Im Dezember 1857 drohte fast allen Hamburger Banken der Konkurs. Quasi in letzter Minute kam die Rettung. Ein Zug aus Wien, beladen mit Silber, fuhr in Hamburg ein. Österreich hatte sich bereit erklärt, ein Darlehen in Höhe von 15 Millionen Mark zu übernehmen.

Dass auch die Zypern-Krise nur ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Weltwirtschaftskrisen und der Bank Runs ist, mag einen traurig stimmen, zumal die Gründe für die jeweilige Krise und den jeweiligen Run häufig auf den gleichen Prinzipien beruhen.

Der historische Zusammenhang hat aber gleichzeitig auch etwas Tröstliches: Bisher zumindest wurde noch jede Krise überwunden und in der Regel folgte ihr eine Phase des Aufschwungs. Bedenklich hingegen könnte stimmen, das die zeitlichen Abstände zwischen den Krisen immer geringer werden.