Gerry Weber Handtasche

Trotz schrumpfender Erlöse Gerry Weber will raus aus dem Schlamassel

Stand: 14.06.2017, 09:11 Uhr

Während Inditex oder H&M Milliardengewinne scheffeln, freuen sich Nischenanbieter wie Gerry Weber aus dem westfälischen Halle schon über kleine Erfolge.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016/17 musste Gerry Weber sogar einen heftigen Gewinneinbruch verzeichnen. Grund sind die Kosten für den Unternehmensumbau. Unter dem Strich brach der Überschuss von 3,0 Millionen auf 1,7 Millionen Euro ein.

Konzernchef Ralf Weber sprach dennoch von ersten Erfolgen auf der Kostenseite, so dass das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) vergleichsweise leicht um rund drei Prozent auf 28,9 Millionen Euro zurückging.

115 Geschäfte geschlossen

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,28
Differenz relativ
+5,97%

Wegen der Schließung von Filialen verringerte sich der Umsatz von November bis Ende April um 3,6 Prozent auf 427,8 Millionen Euro. Besonders die Kernmarke Gerry Weber hat weniger Umsatz erwirtschaftet, nachdem 115 Geschäfte wegen deutlich sinkender Einnahmen geschlossen werden mussten. Inzwischen hätten sich die Umsätze auf vergleichbarer Fläche in den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres auf Marktniveau stabilisiert, berichtet das Unternehmen.

Für das Gesamtjahr, das nach Einschätzung von Analysten ein Übergangsjahr werden dürfte, sieht sich Gerry Weber voll im Plan. Der Konzern sei zuversichtlich, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, sagte Weber. "Wir sind in den letzten Monaten nicht nur moderner und mutiger bei der Entwicklung unserer Kollektionen geworden, sondern hinsichtlich unserer Prozesse und Abläufe auch deutlich innovativer und schneller." Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent und einem Ebitda zwischen 60 und 70 Millionen Euro, nach 77,3 Millionen ein Jahr zuvor.

Skeptische Analysten

Analysten wie Christian Salis von der Bank Hauck & Aufhäuser betrachten die Zukunftsaussichten des Unternehmens eher skeptisch. Angesichts unzureichender Umstrukturierungsmaßnahmen, schwindender Produktqualität und zu hoher Markterwartungen dürfte die ambitionierte Bewertung des Modeunternehmens nicht nachhaltig sein, schrieb er in einer Studie vom Mai. Vor allem im Vergleich mit erfolgreicheren Wettbewerbern sei die Aktie von Gerry Weber zu teuer. Er hat die Papiere deshalb von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel auf 10,50 Euro belassen.

Die Commerzbank hat Gerry Weber nach Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal auf "Reduce" mit einem Kursziel von 9 Euro belassen. Der Umsatz des Modekonzerns habe die Erwartungen erfüllt, wogegen das operative Ergebnis (Ebit) enttäuscht habe, schrieb Analyst Andreas Riemann. Die Marktschätzungen für das Gesamtjahr lägen immer noch am oberen Ende der Zielspanne des Unternehmens und erschienen ambitioniert.

lg