Gerresheimer Labor

Nachrichtenflut beim Verpackungshersteller Gerresheimer fliegen auf Rekordhoch

Stand: 12.07.2018, 15:09 Uhr

Die Übernahme des Schweizer Medizintechnikherstellers Sensile und ein optimistischer Ausblick werden von den Investoren trotz enttäuschender Geschäftszahlen begeistert aufgenommen: Aktien des Verpackungsherstellers Gerresheimer springen auf ein Rekordhoch.

Gerresheimer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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72,70
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In der Spitze rückt der MDax-Titel um mehr als zwölf Prozent auf 78,75 Euro vor und belegt damit die Spitzenposition bei den mittelschweren Werten. Die alte Bestmarke aus dem Juni 2017 ist damit Geschichte. Der Vorstand hatte zuvor ein starkes zweites Halbjahr prognostiziert. Das Management rechnet im Gesamtjahr 2017/18 mit Erlösen am oberen Ende der Bandbreite von 1,38 bis 1,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 1,35 Milliarden gewesen.

Wachstum soll sich beschleunigen

Aber das ist noch nicht alles. Den Anlegern gefiel auch, dass Gerresheimer die  Schweizer Medizintechnikfirma Sensile Medical für bis zu 350 Millionen Euro übernehmen wird. Der Betrag sei abhängig vom Erreichen vertraglich festgelegter Ziele, teilte Gerresheimer mit. Die Anfangszahlung betrage 175 Millionen Euro.

„Mit Sensile wird sich unser Wachstum mittel- und langfristig beschleunigen“, sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean. „Der Kauf sollte schnell zu Ergebnissteigerungen führen.“ Sensile Medical entwickelt Geräte und digitale Plattformen zur Verabreichung von Medikamenten. Die Analysten von Kepler Cheuvreux meinen, der Zukauf könne mittelfristig "einen attraktiven neuen Geschäftszweig eröffnen." Bei der oben genannten Prognosen sind die Auswirkungen des Sensile-Kaufs nicht berücksichtigt.

Gerresheimer stellt vor allem pharmazeutische Verpackungen wie vorfüllbare Spritzen und Ampullen, aber auch Tiegel und Fläschchen für die Kosmetikindustrie her.

Gerresheimer Produktion Kanülen Spritzen. | Quelle: Unternehmen

Das zweite Quartal enttäuschte

Weniger überzeugend fielen Experten zufolge die vorläufigen Geschäftszahlen zum zweiten Quartal aus. Das bereinigte operative Ergebnis sank um etwas mehr als sechs Prozent auf 71,1 Millionen Euro. Selbst unter Ausklammerung des schwachen US-Dollar blieb ein Minus von etwas mehr als einem Prozent. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 26 Millionen Euro und damit 14,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Ergebnisseitig sei der Verpackungsspezialist hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben, schrieb Analyst Bernhard Weininger von Independent Research. Das zweite Quartal des Verpackungsspezialisten habe enttäuscht, den neuen mittelfristigen Ausblick und die Übernahme von Sensile Medical werte sie aber positiv, schrieb Goldman-Sachs-Analystin Veronika Dubajova. Die Kursreaktion zeigt, dass die Anleger die Nachrichten ähnlich bewerten wie Dubajova.