Rote Ampel vor der Deutschen Bank

Aktie kommt unter die Räder Geldwäsche-Berichte setzen Deutsche Bank zu

Stand: 21.09.2020, 18:01 Uhr

Das war heute ein schwarzer Tag für das Deutsche-Bank-Papier. Nach Geldwäschevorwürfen lag die Aktie am Dax-Ende und musste dabei kräftig Federn lassen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien waren mit einem Minus von 8,76 Prozent Schlusslicht im Dax. Den von mehreren Medien ausgewerteten Daten des US-Finanzministeriums zufolge sollen Banken in den vergangenen Jahren trotz Anzeichen für Geldwäsche große Summen verdächtigen Geldes bewegt haben.

Auch die Aktien anderer großer Geldhäuser gerieten unter Abgabedruck. Anleger fürchten sich vor weiteren Geldbußen und einem Imageverlust für die ohnehin durch die Corona-Krise gebeutelten Banken. Die Deutsche Bank wies den Vorwurf zurück, Vorstandschef Christian Sewing habe eine Verantwortung für die Vorgänge, die ein paar Jahre zurückliegen.

"Wir nehmen den Kampf gegen Geldwäsche und natürlich auch gegen Kapitalflucht sehr, sehr ernst", sagte Banksprecher Jörg Eigendorf gegenüber "Reuters". Die Bank habe viel Geld in den Ausbau interner Kontrollen zur Vermeidung von Geldwäsche investiert und die Zahl der Mitarbeiter seit 2013 um 1.000 auf 1.500 erhöht.

Die in der britischen Finanzmetropole London ansässigen Banken HSBC und Standard Chartered sowie die US-Institute JP Morgan und Bank of New York Mellon erklärten, die Vorgänge seien bereits bekannt und man habe den Kampf gegen Geldwäsche intensiviert. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin und die Europäische Zentralbank (EZB) wollten sich nicht äußern.

Auch Commerzbank im Fokus

Neben der Deutschen Bank rückte am Montag mit der Commerzbank ein weiteres Institut aus der Bundesrepublik im Zusammenhang mit den geleakten Unterlagen in den Blick. Wie das Portal "Buzzfeed News" berichtete, arbeitete die Commerzbank jahrelang mit Menschen und Firmen zusammen, die auf Sanktionslisten stehen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Geldhaus habe hunderte Millionen Euro an Unternehmen und Verdächtige weitergeleitet, die der Terrorfinanzierung oder Geldwäsche beschuldigt worden seien. Die Commerzbank schrieb demnach auf Anfrage, die Vorwürfe seien bekannt "und beruhen vollumfänglich auf von der Commerzbank überwiegend im Zeitraum 2010 bis 2016 getätigten Meldungen an die zuständigen Behörden". Seit 2015 habe die Commerzbank die Geldwäsche-Bekämpfung "gezielt verstärkt". Die Aktie gab im MDax 5,42 Prozent nach auf 4,24 Euro.

Was kommt nach?

"Der Gestank von Korruption und Geldwäsche wird noch lange Zeit über den größten Banken schweben", sagte Chefanalyst Neil Wilson vom Brokerhaus markets.com. Noch sei unklar, inwieweit die Vorwürfe neu seien und ob sie durch bereits erfolgte Strafen der Aufsichtsbehörden abgedeckt seien.

Diese Berichte könnten zu einer Flut von Rechtsansprüchen gegen Banken führen, sagte der für Wirtschaftskriminalität zuständige Anwalt Sam Tate von der Kanzlei RPC. Die US-Kanzlei Labaton Sucharow kündigte bereits an, sich die Dokumente mit Bezug zur Deutschen Bank genau anzuschauen und gegebenfalls zu klagen.

Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums sind alle nun veröffentlichten Fälle bei den deutschen Banken aufgearbeitet und die erforderlichen Konsequenzen bereits gezogen worden.

rtr/afp/rm