Donald Trump
Video

Trumps Steuerreform unter der Lupe Warum Anleger die wahren Gewinner sein werden

Stand: 13.11.2017, 10:25 Uhr

Donald Trump will mit seiner vollmundigen Steuerreform die US-Wirtschaft beflügeln. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Es geht nicht um Kleingeld. Geschätzt 2,5 Billionen Dollar haben vor allem große US-Unternehmen im Ausland verdient. Trump will mit seiner Steuerreform den Unternehmen nun einen Anreiz geben, dieses Geld zu "repatriieren" - also nach Hause zurück zu holen. In der Trumpschen Fantasiewelt nutzen die Unternmehmen die heimgeholten Dollars für Investitionen und stärken so die amerikanische Wirtschaft. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Der wahre Nutznießer dürfte nicht die US-Konjunktur sein, sondern der Aktionär.

Trump Steuerreform

Würden US-Unternehmen heute das im Ausland verdiente Geld zurück holen, schlägt nach (noch) geltendem Recht der Fiskus gnadenlos zu. Fällig wäre eine Gewinnsteuer in Höhe von immerhin 35 Prozent. Kernstück der Überlegungen der Trump-Administration ist es nun, den Steuersatz auf Unternehmensgewinne von 35 auf 20 Prozent zu senken.

Aktienrückkäufe und Dividendensegen

Denn bereits Ex-Präsident George W. Bush hat im Jahr 2004 ein ähnliches Steuerreformwerk auf den Weg gebracht, wie es sein Parteifreund Donald Trump nun auch plant. Die Reform 2004 hat vor allem dazu geführt, dass Unternehmen die eingesparten Steuermilliarden in großem Maße an ihre Aktionäre zurückgegeben haben - und zwar in Form von Dividenden oder dem Rückkauf eigener Aktien. Bei dieser von großen Konzernen häufig durchgeführten Kapitalmaßnahme erwirbt das Unternehmen seine eigenen Wertpapiere. Dadurch erhöht es die Nachfrage und stärkt so den Kurs der eigenen Aktie.

Aktienrückkäufe besonders beliebt nach der Reform 2004

Aktienrückkäufe besonders beliebt nach der Reform 2004. | Bildquelle: Bank of America Merrill Lynch, Grafik: boerse.ARD.de

Kritiker der aktuellen Steuerpläne aus dem Hause Trump befürchten, dass es auch jetzt wieder zu diesem Effekt kommen könnte. Was das Problem daran wäre? Das eigentliche Ziel die "Geld-Zurückhol-Aktion" könnte verfehlt werden.

Glückliche Aktionäre statt sinnvolle Investitionen

Denn Gelder, die auf diese Weise von den Unternehmen gespart und z.B. an die Aktionäre per Dividende ausgezahlt werden, können nicht , wie politisch und volkswirtschaftlich gewünscht, in unternehmerische Investitionen fließen - was dann meist auch mit neuen Arbeitsplätzen verbunden wäre.

Die Regierung hat es da schwerer, denn die vom Staat gewünschten positiven Effekte können kaum beziffert werden. Alles hängt nämlich davon ab, wie viel der im Ausland gebunkerten Gewinne die Unternehmen zurückholen werden.

Eine Prognose über den Erfolg der geplanten "Rückholaktion": Schwierig. Denn genau die Unternehmen, die das meiste Geld im Ausland verdient und geparkt haben, haben sich in der Vergangenheit nicht gerade durch Transparenz in Steuerfragen ausgezeichnet.

Aber bei wem liegt das ganze Geld eigentlich?

Bevorzugt im Technologie- und Gesundheitssektor sind überdurchschnittlich viele Gewinnmilliarden im Ausland geparkt. Absolut betrachtet sind es vor allem Mega-Schwergewichte wie Microsoft (108 Milliarden Gewinndollar im Ausland), General Electric (104 Milliarden), Apple (92 Milliarden), Pfizer (80 Milliarden) oder IBM (68 Milliarden), die dem US-Fiskus hohe Summen vorenthalten, errechnen die Experten von Bank of America Merrill Lynch.

Anteil der Übersee-Gelder an der Marktkapitalisierung

Anteil der Übersee-Gelder an der Marktkapitalisierung. | Bildquelle: Bank of America Merrill Lynch, Grafik: boerse.ARD.de

Ein tödlicher Etat-Sprengsatz

Und es es bleibt auch weiterhin unklar, ob überhaupt etwas passiert, es Trumps Steuerpläne also durch das Parlament schaffen. Denn es regt sich, wie auch bei der gescheiterten Gesundheitsreform, politischer Widerstand auf dem Capitol Hill angesichts der enormen Höhe der möglichen Steuerausfälle. Diese werden vom Gesetzgeber auf 1,5 Billionen Dollar beziffert, verteilt auf zehn Jahre. Das unabhängige "Committee for a Reponsible Budget" bezeichnet sie denn auch als "tödlichen Etat-Sprengsatz". Kein Wunder, denn mit einem Schuldenberg von rund 20 Billionen Dollar steht die USA schon jetzt tief in den roten Zahlen.

Der Spardruck wächst

Zur Einordnung dieser großen Zahl: Diese 20 Billionen Dollar entsprechen 127 Prozent der US-Wirtschaftsleistung - so hoch wie noch nie! Durch die geplante Steuerreform würde dieses Defizit noch weiter wachsen - und der Spardruck wachsen. Zum Vergleich: Deutschland plant bis 2020 eine Quote von im Vergleich zu den USA lächerlichen 60 Prozent des Bruttoinlandproduktes an.

Aktionäre als Profiteure

Die Aktionäre aber können sich trotzdem zurücklehnen und die Diskussion aus der Ferne verfolgen. Denn egal wie das Milliardenspiel ausgeht, nur die Ankündigung der Trump-Regierung, das Steuerregime zu ändern, hat seit dem Wahlkampf und der Wahl schon für gewaltige Kursgewinne an den Aktienmärkten gesorgt. Die positiven Effekte für die Aktionäre sind also schon jetzt erheblich, auch wenn fiskalisch noch gar nichts passiert ist. Da wird sich der Steuerzahler wohl in der Reihe hinten anstellen müssen.

rm

1/10

Die Profiteure von Trumps Steuerreform Goldman-Sachs-Studie

Western Digital  : Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 6 Monate

Western Digital