Frau mit Fernglas

Trotz positivem Votum der SPD-Mitglieder Geht es noch weiter bergab?

Stand: 04.03.2018, 11:11 Uhr

Die Aussicht auf weitere vier Jahre große Koalition wird die Stimmung an den Aktienmärkten kaum heben - zumal Donald Trump den Skeptikern an der Börse neue Nahrung geliefert hat.

Tatsächlich hat Donald Trump am Wochenende der Europäischen Union mit Importzöllen auf Autos gedroht. Dies werde seine Antwort sein, falls die EU Vergeltung üben werde für seine geplanten Strafzölle auf Stahl und Aluminium. "Falls die EU ihre bereits massiven Zölle und Barrieren gegen US-Unternehmen, die dort Geschäfte machen, weiter erhöhen, werden wir einfach eine Steuer auf ihre Autos erheben, die ungehindert in die USA strömen“, schrieb Trump auf Twitter."

Solche Aussagen dürften besonders deutsche Anleger gar nicht gern hören, lebt die deutsche Autoindustrie doch vorwiegend vom Verkauf im Ausland. Allerdings verfügen die Konzerne längst über eigene Werke in den Vereinigten Staaten, was zumnindest die dort hergestellten Modelle vor Importzöllen schützen dürfte.

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Weitgehend eingepreist

Dennoch sorgen die Aussagen Trumps gerade in der Exportnation Deutschland für Verunsicherung. Da hilft es wahrscheinlich wenig, dass sich eine große Mehrheit (66 Prozent) der SPD-Mitglieder für eine Fortsetzung der Großen Koalition unter Angela Merkel ausgesprochen hat. Für die Unternehmen hierzulande ändert sich dadurch wenig, Aufbruchstimmung verbreitet die Aussicht auf ein "weiter so" sicher nicht.

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Was nächste Woche wichtig wird... [2.3.18]

Keine Kopfschmerzen bereiten den Anlegern bisher die Wahlen in Italien. Selbst ein unvorteilhafter Ausgang sei in den Kursen der Mailänder Aktienbörse weitgehend eingepreist, glaubt Dave Fishwick, der beim Vermögensverwalter M&G die Anlage-Entscheidungen mitverantwortet. "Auf einen weiteren Kursrückgang, ohne dass sich fundamental etwas ändert, würden wir daher mit Käufen reagieren."

Zinsängste bleiben bestehen

Für weitaus größere Bewegungen sorgt dagegen die Furcht vor steigenden Zinsen. Zwar steht eine ZInswende in der Eurozone in diesem Jahr nicht auf der Agenda. erden Anleger am Donnerstag ganz genau auf Signale der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Geldpolitik achten. Sie könnte laut Analyst Michael Schubert von der Commerzbank eventuell auf die Aussage verzichten, notfalls die Anleihenkäufe zu erhöhen. Dies könnte als Zeichen einer etwas strafferen Geldpolitik erachtet werden. Leitzinserhöhungen wie in den USA stehen diesseits des Atlantiks vorerst noch nicht zur Debatte.

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / Wiktor Dabkowski

"Die Stimmung ist nun wirklich mau, Risiken sind aber weitgehend eingepreist", beruhigt Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Wirtschaft der Eurozone laufe weiter auf vollen Touren, betonte er. Mit Blick auch auf diesen fundamentalen Hintergrund wäre eine Erholung im Dax durchaus gerechtfertigt. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass das Börsenbarometer charttechnisch zumindest vorerst angeschlagen bleibe.

Bilanzsaison geht weiter

Und noch ein Highlight steht diese Woche auf dem Programm: die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Ihr Hauptaugenmerk richten Anleger aber weniger auf die Zahl der neu geschaffenen Stellen, sondern auf die Entwicklung der Löhne. Denn sie liefern Rückschlüsse auf die Inflation. Zuletzt hatten Spekulationen auf eine anziehende Teuerung und vier statt drei US-Zinserhöhungen 2018 Anleger nervös gemacht.

Daneben halten Firmenbilanzen Investoren erneut auf Trab. Ein knappes halbes Dutzend Dax-Konzerne öffnet in der neuen Woche die Bücher. Dazu zählen die Deutsche Post (Mittwoch), das Pharmaunternehmen Merck KGaA und der Autozulieferer Continental (Donnerstag). Aus der zweiten Reihe legen unter anderem die TV-Senderkette RTL (Mittwoch), das Verlagshaus Axel Springer und die Modefirma Hugo Boss (jeweils Donnerstag) Zahlen vor.

lg