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Im Bann des Handelsstreits Launischer Börsensommer

Stand: 08.07.2018, 11:53 Uhr

An den Börsen hat die zweite Halbzeit recht gut begonnen. Neuen Schwung dürfte die Berichtssaison bringen. Der Handelsstreit zwischen USA und China könnte aber die nächste Dax-Offensive bremsen.

Nicht nur das erste Halbjahr verlief recht holprig. Auch der Börsensommer war bisher ziemlich launisch. Es gab heftige Auf und Abs. Der Dax hat seit Mitte Juni gut 600 Punkte nachgegeben und sich vom 13.000er Gipfel entfernt. Inzwischen hat er sich wieder etwas gefangen und in der ersten Juli-Woche gut 1,5 Prozent zugelegt.

Entspannung im Zollstreit

Denn zuletzt keimte wieder Hoffnung auf, dass der befürchtete Handelskrieg zwischen USA und dem Rest der Welt ausbleibt. Nach einem Vorstoß aus Washington setzten Anleger darauf, dass die Autobauer in Europa doch noch um höhere US-Einfuhrzölle herumkommen. Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, brachte bei einem Treffen mit den Chefs der deutschen Autokonzerne einen Komplettverzicht auf Autozölle ins Gespräch.

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"Sollte US-Präsident Donald Trump auch mit China überraschend Verhandlungsbereitschaft zeigen, könnte das aufgekeimte zarte Pflänzchen der Dax-Erholung weiter wachsen", prognostiziert LBBW-Analyst Frank Klumpp. "Dann käme auch die Marke von 13.000 Punkten rasch wieder in Reichweite."

Eskaliert der Konflikt zwischen China und den USA?

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Was nächste Woche wichtig wird... [6.7.18]

An den Märkten hofft man, dass es nicht zu einem wirklichen Showdown zwischen Washington und Peking kommt. Doch die Hoffnung könnte trügen. "Im Moment sieht es nach einem weltweiten Handelskrieg aus", sagte Peter Beyer (CDU), der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Wochenende. Er rechne fest damit, dass US-Präsident Trump noch vor den US-Parlamentswahlen im November auch Sonderzölle auf Auto-Importe verhängen werde. "Das würde vor allem die deutsche Auto-Industrie treffen, die 50 Prozent der europäischen Exporte in die USA ausmacht."

Das Handelsministerium in Peking warnte, dass die jüngste Zollspirale die Erholung der Konjunktur behindern, Märkte beunruhigen und Firmen wie Verbrauchern schaden wird. In chinesischen Staatsmedien wurden andere Länder aufgerufen, sich gemeinsam dem Protektionismus der USA zu widersetzen. Am Freitag traten US-Zölle auf chinesische Waren im Volumen von 34 Milliarden Dollar in Kraft. Postwendend verhängte China Vergeltungszölle im selben Umfang. Trump hat damit gedroht, schlussendlich Zölle auf chinesische Güter im Wert von über 500 Milliarden Dollar erheben zu können.

US-Berichtssaison geht los

Das Dauerthema Handelsstreit dürfte denn auch in der neuen Woche erneut über Wohl und Wehe an den Börsen entscheiden. Selbst die in der kommenden Woche beginnende US-Berichtssaison könnte davon überschattet werden. In den kommenden Wochen dürften viele Unternehmen aufzeigen, wie sie die Auswirkungen auf die künftige Geschäftentwicklung sehen, wenn der Zollstreit weiter eskaliert. Die Ausblicke dürften also für Aufmerksamkeit sorgen.

Am Dienstag läutet PepsiCo die amerikanische Berichtssaison ein. Am Freitag folgen die ersten Banken JP Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo mit ihren Zahlen. "Nach überstandenem Stresstest dürfte der Blick auf den Handelsergebnissen liegen", meint LBBW-Analyst Klumpp.

US-Inflation nähert sich den drei Prozent

Konjunkturseitig stehen in den USA in der neuen Woche vor allem die Verbraucherpreise am Donnerstag im Vordergrund. Die Postbank-Analysten rechnen mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent, dem höchsten Niveau seit sechs Jahren. Das dürfte die Fed in ihrem Zinserhöhungskurs bestätigen.

Wie es um die Erwartungen der Börsenprofis für die deutsche Konjunktur bestellt ist, wird der ZEW-Index am Dienstag zeigen. Die Experten der Commerzbank gehen davon aus, dass die Stimmung unter Analysten und Anlegern weiter in den Keller gerutscht ist. Im Juni war der Index bereits auf den tiefsten Stand seit knapp sechs Jahren gefallen.

ZEW-Konjunkturindex Juni 2018: -8,2

ZEW-Konjunkturindex Juni 2018. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

nb

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Hingucker der Woche Berichtssaison beginnt

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