Bergsteigergruppe in Gipfelnähe

Konjunkturdaten und Brexit verunsichern Geht der Dax-Rally die Luft aus?

Stand: 24.03.2019, 11:55 Uhr

Was für ein Start ins neue Jahr! Seit Anfang Januar haben Dax & Co rund acht Prozent zugelegt. Nun aber droht das Ende des Höhenflugs. Die wieder aufgeflackerten Rezessionsängste und die politischen Hängepartien könnten in der letzten März-Woche die Börsen bremsen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.105,61
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-0,46%

So schnell kann sich die Stimmung drehen: Am Dienstag herrschten noch Frühlingsgefühle an den Börsen, der Dax kletterte auf ein Sechsmonats-Hoch von 11.823 Punkten. Doch dann kam die kalte Dusche aus Amerika und wenig später aus Deutschland. Der trübe Konjunkturausblick der Fed und ein ernüchternder deutscher Einkaufsmanagerindex schickten die Aktienmärkte auf Talfahrt. Auf Wochensicht büßte der Dax 2,8 Prozent ein. Falls in der kommenden Woche nicht eine Gegenbewegung einsetzt, droht der März mit Kursverlusten zu enden. Auch der US-Leitindex Dow sackte im Wochenvergleich um 1,3 Prozent ab.

Inverse Zinskurve signalisiert nahende Rezession

Das R-Wort ist zurück. Als Alarmsignal sehen Experten die inverse Zinskurve. Am Freitag rutschte die Rendite von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit unter das Renditeniveau von Kurzläufern. Das sehen Ökonomen als Vorbote für eine nahende Rezession.

Vermögensverwalter und Anlagestrategen sind beunruhigt. "Wir stehen am Rande einer Rezession", warnt Gerhard Rosenbauer vom Vermögensverwalter Avana Invest. Die Unternehmensgewinne werden sich abschwächen, "das ist keine gute Zeit für Aktien", glaubt er. Rosenbauer wird deshalb die Aktienquote auf null Prozent senken.

R-Ängste übertrieben?

Andere Experten halten die Rezessionsängste für übertrieben. Gottfried Heller vom Vermögensverwalter Fiduka, ein Jünger des verstorbenen Börsen-Guru Kostolany, sieht keine Anzeichen für eine Rezession. Die Wirtschaft wachse weiter stark, ist er überzeugt. 2019 werde ein gutes Börsenjahr, prophezeit er. Dafür spreche auch die Geschichte. Das dritte Jahr eines US-Präsidenten sei historisch gesehen immer das beste Börsenjahr gewesen.

Warten auf neue Konjunkturdaten

Tatsächlich dürften in naher Zukunft Konjunkturdaten die Anleger wieder stärker beschäftigen. Angesichts der fragilen Lage der Weltwirtschaft werden Börsianer die Daten in der neuen Woche auf eventuelle Rezessionssignale hin abklopfen. Den Anfang macht am Montag das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer, der Ifo-Index. Nach den schwachen März-Einkaufsmanagerindizes ist mit einem erneuten Rückgang zu rechnen. Hinweise auf die Kauflaune der deutschen Verbraucher liefert der GfK-Index am Dienstag. Zwei Tage später folgen Daten zum europäischen Verbrauchervertrauen.

Ifo-Geschäftsklimaindex Februar 2019

Ifo-Geschäftsklimaindex Februar 2019. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

In den USA stehen unter anderem das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Dienstag) sowie die Konsumausgaben (Freitag) auf dem Terminplan. Von den Daten erhoffen sich Börsianer weitere Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik.

Einigung im Handelsstreit zwischen USA und China?

Positive Impulse erhoffen sich Börsianer von den Handelsgesprächen zwischen den USA und China, nachdem US-Präsident Donald Trump gesagt hatte, die Verhandlungen liefen sehr gut. In der neuen Woche sollen Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer erneut nach Peking reisen. Zu einem Knackpunkt im Handelsstreit könnten Chinas Beschränkungen für ausländische Techfirmen werden. Die Führung in Peking weigert sich laut Medienberichten, Forderungen nach einem Abbau der Einschränkungen unter anderem für Cloud-Computing-Anbieter nachzugeben.

Börsianern droht allmählich der Geduldsfaden. "Trump muss jetzt endlich mal liefern", fordert Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Es reiche nicht zu sagen, man sei nahe am Deal, nun müsse auch der Deal gemacht werden. "Ich kann nicht ständig sagen, ich heirate bald, irgendwann muss ich dann auch mal heiraten."

Etwas diplomatischer drückt sich Commerzbank-Analystin Esther Reichelt aus."Wie beim Brexit gilt auch für die Handelsgespräche: Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist", warnt sie.

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Das Chaos um den Brexit wird Experten zufolge noch eine ganze Weile an den Nerven der Anleger zerren. Das Angebot der EU für einen Aufschub des Brexit reduziere zwar die Gefahr eines ungeordneten Austritts Großbritanniens zum bislang geplanten Termin am 29. März, sagt Anlagestratege Jordan Rochester von der Investmentbank Nomura. "Aber es kann immer noch zu einem 'No Deal'-Brexit kommen, wenn Premierministerin Theresa May dies wünscht - entweder nächste Woche oder am 12. April." Sollte das britische Parlament dem ausgehandelten Vertrag zustimmen, gibt es Zeit bis zum 22. Mai, um einen geordneten Austritt aus der EU zu organisieren. Lehnt das Parlament den Brexit-Deal ab, wird es wohl nur einen kurzen Aufschub bis zum 12. April geben.

Wenn May am 12. April "May-Day" ruft, werde das Parlament ihr gehörig Dampf machen, glaubt Robert Halver von der Baader Bank. Er rechnet mit baldigen Neuwahlen und einem zweiten Referendum auf der Insel. Laut Medienberichten vom Wochenende droht ein Putsch gegen Premierministerin May innerhalb der eigenen Partei.

Fed macht wieder auf locker

Andererseits könnte die Aussicht auf billiges Geld der Notenbanken mittelfristig die Börsenkurse wieder antreiben. "Die EZB, die Fed, die chinesische, die japanische und die britische Notenbank machen alle wieder auf locker", sagt Robert Halver. Das im letzten Jahr ausgerufene Zinswende war ein "Phantom der (Finanz-)Oper".  Die Zeit für Zinserhöhungen sei nun endgültig vorbei. Mit Blick auf die EZB meint Halver: "Wer die Zinsen in guten Zeiten nicht erhöht, erhöht sie auch nicht in schlechten Zeiten." Und selbst in den USA seien Zinsanhebungen nun vom Tisch. Für Anfang 2020 rechne bereits eine Mehrheit von über 509 Prozent mit einer Zinssenkung.

Auf Unternehmensseite legen in der neuen Woche einige Nachzügler aus der zweiten Reihe ihre Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören die Deutsche Wohnen, Nordex (Dienstag), Ströer und HHLA am Mittwoch sowie der Internet-Anbieter United Internet und Cewe am Donnerstag. Am selben Tag läutet die Deutsche Telekom auch die heiße Phase der Hauptversammlungs-Saison ein.

nb