Geely Binrui auf der Auto Shanghai 2019

Heftiger Gewinneinbruch Geely: Willkommen in der Autokrise

Stand: 21.08.2019, 10:18 Uhr

Wie die ausländischen Konkurrenten bekommt auch der chinesische Autobauer Geely die tiefgreifende Absatzschwäche auf dem heimischen Markt zu spüren. Die Folge ist ein massiver Gewinneinbruch im ersten Halbjahr.

Die Chinesen, die unter anderem an Daimler beteiligt sind, vermelden für das erste Halbjahr einen Einbruch des Nettogewinns von 40 Prozent auf 4,01 Milliarden Yuan (512,4 Millionen Euro) nach 6,67 Milliarden Yuan im Vorjahr.

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance/Mo Mo/Imaginechina/dpa

Gründe dafür seien Preisnachlässe und die schwache Nachfrage in China, dem weltgrößten Automarkt, teilte der Konzern mit. Der Autobauer verkaufte von Januar bis Juni insgesamt 651.680 Fahrzeuge, 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Auf dem Heimatmarkt China brachen die Geely-Verkäufe im ersten Halbjahr sogar um 33 Prozent ein. Nach Jahren des Wachstums ist der weltgrößte Automarkt in den vergangenen Monaten erstmals wieder geschrumpft.

Jahresziele kassiert

Geely hat deshalb sein weltweites Verkaufsziel für das laufende Jahr um zehn Prozent auf 1,36 Millionen von 1,51 Millionen Einheiten heruntergeschraubt. Wirklich überraschend sind die schlechten Zahlen nicht: Geely hatte bereits Anfang Juli eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Um die hohe Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu verringern, setzen die Chinesen verstärkt auf die ausländischen Märkte. Mit der Marke Lynk & Co, die in Kooperation mit der Schwestermarke Volvo entwickelt wurde, will Geely ab dem nächsten Jahr auch in Europa starten. Kurzfristig dürfte das den Einbruch auf dem Heimatmarkt aber nicht ausgleichen.

Aktienkurs halbiert

Geely-Gründer Li Shufu hält mit seiner Investmentfirma "Tenaciou3 Prospect Investment Limited" rund 9,7 Prozent Anteile an Daimler – und ist damit der größte Einzelaktionär der Stuttgarter.

Mit einer chinesischen Fahne bedecktes Auto
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Chinesische Autohersteller auf dem Vormarsch

Darüber hinaus ist Geely ein wichtiger Partner auf dem chinesischen Markt. Ein Joint Venture der beiden Unternehmen soll künftig den Kleinwagen Smart komplett in China fertigen. Gemeinsam planen sie auch einen Luxus-Fahrdienst.

Dass auch für chinesische Autobauer die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigt ein Blick auf den Aktienkurs von Geely. Der hat sich seit seinem Hoch im November 2017 mehr als halbiert.

lg