Geely-Chef Li Shufu
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Was die Chinesen bei Daimler wollen Geely: Der Wolf im Schafspelz?

Stand: 26.02.2018, 10:05 Uhr

Während andere chinesische Investoren wie Wanda, HNA oder Anbang ihre Zukäufe im Ausland wieder verringern müssen, steigt der Billigautobauer Geely bei Daimler ein. Kann der sich das überhaupt leisten und was hat die Firma mit ihrer Beteiligung vor?

Glaubt man den Analysten des US-Analysehauses Bernstein, waren viele Daimler-Mitarbeiter "geschockt" von der Nachricht des Einstiegs von Geely bei den Stuttgartern. Das gelte auch für die meisten Investoren, mit denen sie hierüber gesprochen hätten, schreiben die Analysten Robin Zhu und Max Warburton nach einem Gespräch mit einem Manager von Daimler in China. Denn es stelle sich die Frage, was Geely den Stuttgartern bieten könne bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen - dem zentralen Aspekt aus Sicht der Chinesen bei diesem Investment.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%

Auch das Analysehaus Jefferies ist alles andere als begeistert vom Einstieg der Chinesen. Experte Philippe Houchois hat die Einstufung für Daimler deshalb auf "Underperform" mit einem Kursziel von 60 Euro belassen. Der Stuttgarter Autobauer bekomme zwar einen erfolgreichen und langfristig denkenden Aktionär, doch sei nicht absehbar, welchen Vorteil das Unternehmen aus dieser Beteiligung ziehen könne. Das scheinen auch die Anleger in Frankfurt so zu sehen: Die Daimler-Aktie ist am Morgen einer der wenigen Verlierer im Dax.

Kalt erwischt

Offenbar sind die Schwaben vom Zukauf der Chinesen kalt erwischt worden, ging man bisher doch davon aus, dass der Anteil maximal bei wenigen Prozent liegt. "Das ist weitaus mehr, als wir erwartet hatten”, zitiert das "Handelsblatt" einen Daimler-Vertreter. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Geely bei dem Konzern einsteigen wollen. Damals soll Daimler aber abgelehnt haben, den Chinesen über eine Wandelanleihe Aktien mit Rabatt angedeihen zu lassen.

Die Chinesen beteuern zwar, dass ihr Engagement langfristig angelegt sei, doch Daimler sieht den Konzern nicht als Partner, sondern Konkurrenten. Da Geely einen Platz im Aufsichtsrat anstrebt, wären die Asiaten stets bestens unter anderem über die Modellpolitik des schwäbischen Autobauers informiert.

Geely SUV stellt sich Daimler in den Weg

Geely und Daimler. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Gegen "Eindringlinge von außen"

Kein Wunder also, dass die Anleger von Geely begeistert von der Investition sind. An der Hongkonger Börse reagierte die Geely-Aktie am Morgen mit kräftigen Kursaufschlägen von bis zu 8,8 Prozent auf den Einstieg bei Daimler. Die Geely-Aktie wurde zeitweise mit 26 Hongkong-Dollar gehandelt.

Doch was hat Geely mit Daimler vor - und kann sich das Unternehmen die Transaktion überhaupt leisten? Geely-Chef Li Shufu ist sich der Skepsis durchaus bewusst. Er wolle Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität begleiten, erklärte er in einer am Wochenende verbreiteten Mitteilung.

Und weiter: "Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie", betonte Li. Man brauche Freunde und Partner, um diesen "Eindringlingen von außen" mit vereinten Kräften zu begegnen. "Es ist Zeit für ein neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision."

7,5 Milliarden Euro

Nach Berechnungen von Fachleuten der Agentur Bloomberg dürfte Geely für seine Beteiligung von 9,8 Prozent knapp 7,5 Milliarden Euro bezahlt haben. Daimlers Marktwert liegt derzeit - mit dem Xetra-Schlusskurs der Aktie vom Freitag - bei gut 75 Milliarden Euro. Der Aktienkurs war im Zuge der schlechten Stimmung an der Börse in den vergangenen Wochen von einem Hoch aus dem Januar bei über 76 Euro auf gut 70 Euro gefallen.

Geely X7 Sport

Geely X7 Sport. | Bildquelle: Unternehmen

Geely-Chef Li - 1963 geborener Sohn eines Reisbauern - steht mit einem Vermögen von 5,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 30 der Forbes-Liste der reichsten Männer Chinas. Operativ scheint das Geschäft des Autobauers zu brummen.

Geschäft brummt

Die Fundamentaldaten von Geely erscheinen auf den ersten Blick solide. Bei einem geschätzten Umsatz von umgerechnet 7,3 Milliarden Euro (94 Milliarden Renminbi) im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Überschuss von 770 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Verschuldung wurde zuletzt auf ungerechnet 15 Milliarden Euro geschätzt. Sie dürfte sich aber durch den Daimler-Zukauf kräftig erhöhen.

Volvo V60 Plug-in-Hybrid R-Design

Volvo V60 Plug-in-Hybrid R-Design. | Bildquelle: Unternehmen

Operativ brummt das Geschäft. Im Januar 2018 wurden laut Unternehmensangaben exakt 155.089 Fahrzeuge verkauft. Das war ein neuer Rekordwert und ein Anstieg von rund 51 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert. Geely Auto teilte zudem mit, dass diese Verkaufszahl bereits fast ein Zehntel des Zielwertes für das Gesamtjahr 2018 ausmacht. Dieses Ziel sieht Verkäufe von insgesamt 1,58 Millionen Fahrzeugen vor.

Der Einstieg bei Daimler soll Geely nun weiter dabei helfen, die Internationalisierung des Konzerns voranzutreiben. Das strebte Geely bereits mit dem Volvo-Kauf an, das es 2010 vom US-Autobauer Ford übernahm. Der Schweden-Marke Volvo, die Geely 2010 übernommen hat, hat der Einstieg bislang genützt, weil Volvo nach dem Deal seinen Absatz auf dem chinesischen Markt deutlich ankurbeln konnte.

lg