Konsum

Historisches Bild von Firmengründer Rudlof Sprüngli

Gedenken an den Firmengründer Geburtstagsfeier bei Lindt & Sprüngli

Stand: 13.06.2016, 15:55 Uhr

Wer kennt sie nicht, die süßen Produkte des traditionsreichen Schweizer Schokoladenherstellers. Firmengründer Rudolf Sprüngli wäre heute 200 Jahre alt geworden. boerse.ARD.de blickt zurück und wirft einen Blick auf die heutige Firma.

Sprüngli dürfte jedenfalls zufrieden sein mit dem, was aus seinem Unternehmen geworden ist. So erwirtschaftete die Firma mit Sitz in Kilchberg im Kanton Zürich 2015 mit 13.000 Mitarbeitern einen Rekordumsatz von 3,65 Milliarden und einen Nettogewinn von 381 Millionen Franken. An der Börse wird Lindt & Sprüngli mit knapp 6,9 Milliarden Franken bewertet.

Die Anfänge

Ab dem Jahr 1845 begann Rudolf Sprüngli (1816 bis 1897), der Sohn des Konditors David Sprüngli aus Zürich, mit der Herstellung von Schokolade. Mit umwerfendem Erfolg, schon zwei Jahre später baute er in Horgen bei Zürich seine erste Schokoladenmanufaktur. Sein Sohn, Rudolf Sprüngli Junior, übernahm 1891 die Fabrik.

Das 19. Jahrhundert war die Zeit der Tüftler und Erfinder und des Aufbruchs in das Industriezeitalter. 1899 baute Sprüngli junior nicht nur die Fabrik in Kilchberg, er kaufte auch von einem gewissen Rodolphe Lindt das Geheimnis des "Conchierens". Eine Methode, die Schokoladenmasse bei der Herstellung so zu verfeinern, dass sie wie gewünscht cremig wurde, auf der Zunge zergeht und keine bitteren Aromastoffe mehr enthält. Hierfür konstruierte Lindt mit der Conchiermaschine ein spezielles Rührwerk. Die Aktiengesellschaft Lindt & Sprüngli war geboren.

Börsengang 1986

Im Laufe der Jahre wuchs Lindt & Sprüngli und kam auch nach Deutschland, wo es heute in Aachen produziert. 1986 dann der Börsengang, der Auslöser für die weitere internationale Expansion, unter anderem in die USA, aber auch weiter in Europa. 1998 wurde mit der Ghirardelli Chocolate Company einer der ältesten Hersteller in Amerika übernommen.

Die Ära Ernst Tanner

Ernst Tanner

Ernst Tanner. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Untrennbar ist der Aufstieg der Firma mit dem Manager Ernst Tanner verbunden, der seit 1994 dem Verwaltungsrat des Unternehmens vorstand. Tanner, Jahrgang 1946, hat sich erst Anfang Juni vom Vorsitz des Gremiums zurückgezogen und dem langjährigen Finanzvorstand Dieter Weisskopf den Weg frei gemacht. Trotzdem wird an Tanner wohl in seiner Rolle als exekutiver Verwaltungsratspräsident auch weiterhin kein Weg vorbeiführen, wenn es um die Ausrichtung des Unternehmens gilt.

Tanner ist mit 2,28 Prozent der Stimmrechte der Namensaktien hinter den "Vorsorgewerken" von Lindt & Sprüngli mit 20,3 Prozent der zweitmächtigste Aktionär. Es versteht sich, dass Tanner selbst als Stiftungspräsident fungiert.

Lindt & Sprüngli ist eine Festung

Dieter Weisskopf

Dieter Weisskopf. | Bildquelle: Imago

Die Konstruktion der vinkulierten Namensaktie (WKN 859 568) mit einer Deckelung der Stimmkraft bei sechs Prozent macht das Unternehmen de facto unangreifbar für potenzielle Aufkäufer. Eine Dreiviertelmehrheit in der Generalversammlung (vergleichbar mit der Hauptversammlung) ist weit und breit nicht in Sicht. Zudem gehört die Namensaktie mit einem derzeitigen Preis von gut 70.000 Franken pro Stück (rund 65.000 Euro) zu den ganz schweren Aktien überhaupt. Die Dividende liegt übrigens bei 800 Franken je Aktie nach 725 Franken im Vorjahr. Im Jahr 2000 lag die Ausschüttung noch bei 72 Franken, seitdem ist sie jedes Jahr gesteigert worden.

Bleiben noch die ebenfalls an der Börse gehandelten Partizipationsscheine (WKN 870 503), dem Charakter nach Genussscheine, die aber kein Stimmrecht verbriefen. Mit rund 5.300 Euro absolut betrachtet übrigens auch kein Schnäppchen. Umstritten ist dabei Tanners "Mitarbeiterbeteiligungsprogramm", das er Ende der 90er-Jahre initiiert hat.

Dabei geht es um Optionsrechte, die nach mehreren Jahren in Partizipationsscheine getauscht werden können, deren Zuteilungskriterien für das Management aber schwammig sind. Tanner und die erweiterte Geschäftsleitung haben seit 2014 Partizipationsscheine im Wert von 140 Millionen Franken verkauft und damit einen guten Schnitt gemacht.

Langfristig ein beeindruckender Aufwärtstrend

Blickt man auf den Langfristchart der Namensaktie, boten einzig die Krisenjahre 2008/2009 nennenswert Gelegenheit, billiger einzusteigen. Ansonsten war ein Engagement ein mehr als gutes Geschäft, denn es ging meist bergauf mit der Aktie. Eine Entwicklung, die Rudolf Sprüngli sicherlich entzückt hätte. Neue Zahlen gibt es von Lindt & Sprüngli übrigens am 22. Juli, wenn über das erste Halbjahr 2016 berichtet wird. Quartalsberichte, wie sonst üblich, gibt es nicht.

rm