Zentrale der Gea Group in Düsseldorf
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Senkung der Ziele sorgt für Kurssturz Gea-Aktien auf Talfahrt

Stand: 07.02.2019, 10:12 Uhr

Wegen erhöhten Preisdrucks und steigender Kosten hat Gea seine auf ein halbes Jahrzehnt angelegten Mittelfristziele eingestampft. Am Donnerstag stehen die Aktien des Anlagenbauers gehörig unter Druck und sind nur noch so viel wert wie vor sechseinhalb Jahren.

Belastend wirkten sich die "zunehmend eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen" aus, teilte Gea mit. Erhöhter Preisdruck und steigende Personal- und IT-Infrastrukturkosten schmälerten die Zahlen im laufenden Jahr. Vor diesem Hintergrund halte Gea nicht mehr an den im März 2018 kommunizierten Mittelfristzielen fest, hieß es vom Düsseldorfer MDax-Konzern.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz um fast acht Prozent von 4,6 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Das Ebitda fiel 2018 auf 515 Millionen bis 520 Millionen Euro von 564 Millionen Euro im Vorjahr.

Nun erwartet der Vorstand, dass der Umsatz 2019 moderat unter dem Vorjahresniveau liegen wird. Beim Ebitda rechnet er mit einem Rückgang auf 440 Millionen bis 480 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen für das Jahr 2018 und den finalen Ausblick veröffentlicht das Unternehmen am 14. März 2019.

Eigentlich hatte Gea sich vorgenommen, von 2018 bis 2022 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum um 3,5 bis 4,5 Prozent zu erreichen und die Ebitda-Marge bis dahin auf 13,5 bis 15,5 Prozent zu steigern.

Aktie rutscht ab

Am Markt sorgte das am Donnerstag für einen rasanten Kurssturz. Der Ausblick sei desaströs, schrieb Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank. Die Prognose für den operativen Gewinn liege weit unter seiner Annahme und der Konsensschätzung. Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens leide zunehmend.

Gea

Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,91
Differenz relativ
+0,70%

Die Papiere des Anlagenbauers stürzten am Donnerstag zeitweise um mehr als 14 Prozent ab und fanden sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Sommer 2012 wieder. Mit dem Minus lagen sie zudem weit abgeschlagen am MDax-Ende.

Gea sei nach einer Gewinnwarnung und den gestrichenen Zielen eine "nicht investierbare Aktie", urteilte Analyst Lars Brorson von der Barclays Bank. Und das, obwohl sich der Kurs seit Oktober 2016 bereits halbiert habe. Es komme nun darauf an, ob das Management das Vertrauen der Investoren überhaupt wieder zurückgewinnen könne. Ein erster Schritt in diese Richtung seien die jüngsten Aktienkäufe des neuen Chefs Stefan Klebert.

Wechsel an der Spitze steht bevor

Einige Marktteilnehmer könnten die Streichung der mittelfristigen Ziele außerdem als Hinweis darauf werten, dass der neue Chef des Unternehmens die Markterwartungen komplett neu justieren wolle, sagte Analyst Jack O'Brien. In diesen Tagen steht an der Spitze des Unternehmens ein Wechsel an.

Gea-Group-Chef Jürg Oleas

Gea-Group-Chef Jürg Oleas. | Bildquelle: Unternehmen

Der langjährige Vorstandschef Jürg Oleas gibt Mitte Februar nach über 14 Jahren sein Amt an den früheren Schuler-Boss Klebert weiter, der bereits im Vorstand sitzt. Oleas hatte dem Druck durch aktivistische Investoren nachgegeben und im Frühjahr 2018 seinen Rückzug angekündigt. Auch Finanzvorstand Helmut Schmale steht vor dem vorzeitigen Abgang.

Erholung vorerst gestoppt

Erst im November hatte Gea die Prognose für 2018 gekappt, auf trübe Aussichten für 2019 hingewiesen und damit die Finanzmärkte geschockt. Neben schwachen Geschäften mit Kunden aus der Milchverarbeitung seien wachsende Belastungen durch konjunkturelle Unwägbarkeiten und zunehmende Handelshemmnisse absehbar.

Binnen Jahresfrist hat der MDax-Titel mehr als 45 Prozent an Wert eingebüßt. Seit Beginn des Jahres erholte sich die Aktie leicht, entwickelte sich aber trotzdem schlechter als der Sektor.

tb