GE General Electric Gebäude

JPMorgan-Studie GE: Noch mal 50 Prozent runter?

Stand: 08.04.2019, 17:03 Uhr

Für die Aktionäre von General Electric kommt es knüppeldick. Nachdem die Aktie des Traditionsunternehmens bereits zwei Drittel ihres Wertes verloren hat, bekommt sie nun von der Bank JPMorgan einen weiteren Schlag versetzt.

Viele Investoren würden Risiken und Herausforderungen für den Industriekonzern unterschätzen und die kleinen positiven Punkte zu hoch hängen, schrieb Analyst Stephen Tusa in einer am Montag vorgelegten Studie. Das Erholungspotenzial des freien Mittelzuflusses (Free Cash Flow) werden gemeinhin stark überschätzt. Tusa senkte sein Kursziel von 6,00 auf 5,00 Dollar und stufte die Papiere von "Neutral" auf "Underweight" ab.

Am Freitag hatten sie mit rund 10,00 Dollar geschlossen. Im vorbörslichen New Yorker Handel geben sie heute um knapp sechs Prozent nach und fallen auf 9,42 Dollar. Vor zwei Jahren waren die Papiere noch gut 30 Dollar wert. Im Sommer 2018 ist das Unternehmen wegen der anhaltenden Probleme und des geschrumpften Börsenwertes aus dem Leitindex Dow Jones Industrial geflogen. Übertragen auf deutsche Verhältnisse wäre das in etwa so, als würde Siemens nicht mehr im Dax sein.

Erst im Dezember hochgestuft

Bemerkenswert ist, dass der JPMorgan-Analyst die Aktien erst im Dezember nach einem starken Kursverfall von "Underweight" auf "Neutral" hochgestuft hatte, nachdem er sie seit Mai 2016 durchgängig negativ bewertet gehabt hatte. Das US-Traditionsunternehmen steckt schon länger tief in der Krise und ist hoch verschuldet. Auch deshalb drückt der erst seit Oktober 2018 amtierende Vorstandschef Lawrence Culp beim Konzernumbau weiter auf die Tube.

Konzernteile werden veräußert, das spült Geld in die Kasse und senkt die Schulden. So soll etwa noch 2019 der Verkauf des Biopharma-Geschäfts an den US-Konzern Danaher für mehr als 21 Milliarden Dollar über die Bühne gehen. Auch aus dem Ölgeschäft verabschiedet sich GE peu à peu. Und die Zugantriebssparte wurde bereits mit dem Ausrüster Wabtec zusammengelegt.

Kraftwerkssparte bleibt Sorgenkind

John Flannery, General-Electric

John Flannery. | Bildquelle: Unternehmen

Für das Schlussquartal 2018 konnte Culp, der auf dem Chefsessel John Flannery nach nur 14 Monaten im Amt verdrängt hatte und der erste GE-Chef ist, der nicht aus den eigenen Reihen kommt, immerhin wieder schwarze Zahlen präsentieren. Nach wie vor Kopfschmerzen bereitet ihm aber die unter einer sinkenden Nachfrage leidende Kraftwerkssparte. Eine hohe Abschreibung in diesem Bereich hatte GE im dritten Quartal stark belastet. Auch im Schlussquartal war das Kraftwerksgeschäft das Sorgenkind. Auf einer Investorenkonferenz hatte sich Culp unlängst erneut recht pessimistisch zu deren Aussichten geäußert. Man habe zu lange gebraucht, um hier die Kosten und Strukturen anzupassen. Das zu tun, werde noch lange dauern.

Unter den bei Bloomberg erfassten Analysten, die die GE-Aktie seit Mitte März nach dem Ausblick auf 2019 unter die Lupe genommen haben, ist der JPMorgan-Experte am pessimistischsten. Acht Fachleute bewerten GE sogar positiv, mit Kurszielen von in der Spitze bis zu 18 Dollar. Sie setzen offenbar auf bessere Zeiten und halten den Aktienkurs für unterbewertet.

Ist die Aktie doch 18 Dollar wert?

Analyst Deane Dray von der kanadischen Bank RBC nannte die Prognose für 2019 besser als befürchtet und die in Aussicht gestellten Verbesserungen 2020 und 2021 für eine große Überraschung. Investoren sollten Culp vertrauen. Drays Votum für die GE-Aktie lautet "Outperform", sein Ziel 13 Dollar.

lg