GE General Electric Gebäude

Prognose verfehlt, Chef ausgetauscht Großreinemachen bei GE

Stand: 01.10.2018, 13:42 Uhr

Bei dem kriselnden Siemens-Rivalen GE bleibt kein Stein auf dem anderen. So muss die Kraftwerkssparte den gesamten Firmenwert abschreiben, was den erst seit einem Jahr amtierenden Chef den Job kostet. Doch es gibt auch Gewinner.

So ist die Aktie der einstigen Industrie-Ikone an der Wall Street um gut zwölf Prozent ins Plus gedreht, nachdem sie im vorbörslichen Handel zunächst im Minus notierte. In Frankfurt schnellt das Papier sogar um 15 Prozent in die Höhe - nachdem es seit Anfang 2017 fast Dreiviertel seines Wertes verloren hat.

Grund für den Freudensprung ist ein weiteres gigantisches Umbauprojekt des kriselnden Konzerns. Dabei geht es um die komplette Abschreibung der Kraftwerkssparte, im Gesamtwert von 23 Milliarden Dollar. In der Folge muss GE seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kappen.

Flannery muss gehen

Sowohl der freie Mittelzufluss (Cash Flow) als auch der Gewinn je Aktie würden unter der bisherigen Prognose für 2018 liegen, teilte das Unternehmen mit. Als Konsequenz aus dem Desaster muss der erst seit August letzten Jahres amtierende Vorstandschef John Flannery gehen.

Sein Nachfolger wird H. Lawrence Culp, der bereits seit April dem Vorstand (Board) angehört. Der 55-Jährige war 14 Jahre lang, von 2000 bis 2014 Chef des Mischkonzerns Danaher, das er in dieser Zeit von einem klassischen Industriekonzern zu einem Technologieunternehmen umgebaut hat.

Verkauf eingeleitet

Flannery hat den Verkauf ganzer Sparten in die Wege geleitet und unter anderem das Geschäft mit Gasmotoren und Stromaggregaten um die österreichische Tochter Jenbacher an den Finanzinvestor Advent veräußert. Um wieder auf die Beine zu kommen, sollte sich GE nach Flannerys Vorstellungen auf das Geschäft mit Flugzeugantrieben, Kraftwerken und erneuerbaren Energien konzentrieren.

John Flannery, General-Electric

John Flannery. | Bildquelle: Unternehmen

Im zweiten Quartal musste GE allerdings wegen der anhaltenden Probleme in der Kraftwerkssparte einen Gewinneinbruch im Jahresvergleich von 28 Prozent auf 736 Millionen Dollar hinnehmen. Gleichzeitig lief es in den Sparten für Luftfahrt und Medizintechnik deutlich besser.

Weitere Abschreibungen wahrscheinlich

Auch im Gesamtjahr drohen wegen der Abschreibungen rote Zahlen in der Kraftwerkssparte. Ob Culp an den Plänen seines Vorgängers festhält, blieb zunächst offen. "Wir halten daran fest, die Bilanz zu stärken, auch indem wir Schulden abbauen", sagte Culp.

Finanzexperte Thomas Horton, ehemals Chef der Fluggesellschaft American Airlines, soll ihm dabei als "Lead Director" zur Seite stehen. Auch Horton war im Frühjahr zu GE gekommen. "Wir haben viel Arbeit vor uns, um den Wert von GE aufzuschließen, erklärte Culp. "Wir werden das mit Dringlichkeit angehen." Im vergangenen Jahr hatte GE sechs Milliarden Dollar Verlust geschrieben,

lg