Logo des russischen Energieversorgers Gazprom an der Firmenzentrale in Moskau
Video

Gewinneinbruch Gazprom: Wenn der Rubel ins Abseits rollt

Stand: 30.08.2017, 09:30 Uhr

Während sich die Ölpreise stabilisiert haben, sind die Gas-Preise weiter unter Druck. Das bekommt der russische Gazprom-Konzern zu spüren. Noch viel heftiger hat ihn aber eine andere Entwicklung getroffen.

Der russische Energiekonzern Gazprom hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Vor allem währungsbedingte Effekte hätten zu einem Rückgang von rund 80 Prozent auf 48 Milliarden Rubel (686 Millionen Euro) geführt, teilte das Unternehmen am Morgen mit.

Der Rubel leidet unter den westlichen Sanktionen gegen Russland und hat seit April allein gegenüber dem Euro gut 15 Prozent an Wert eingebüßt.

Steigende Nachfrage

Ohne diesen Währungseffekt stünde Gazprom also glänzend da, denn die Nachfrage nach russischem Gas ist unverändert hoch. So ist der Umsatz im zweiten Quartal um rund vier Prozent gestiegen. Der Gas-Absatz außerhalb der ehemaligen Sowjet-Staaten kletterte um rund neun Prozent auf 119,1 Milliarden Kubikmeter. Allerdings sank der durchschnittlich in Europa erlöste Preis pro 1.000 Kubikmeter in der ersten Jahreshälfte um rund 13 Prozent auf rund 11.100 Rubel. Gazprom liefert rund ein Drittel des in Europa benötigten Gases.

Schröder bald AR-Chef von Rosneft?

Gestern wurde bekannt, dass Altkanzler Gerhard Schröder (von Kritikern inzwischen "Gas-Gerd" genannt) zum Aufsichtsratschef des ebenfalls kremlnahen Ölkonzerns Rosneft berufen werden könnte. Die Nachricht sorgt im derzeitigen Bundestagswahlkampf für Diskussionen.

Rosneft gilt als modernes Ölministerium. Der Konzern hat traditionell enge Verbindungen zum Kreml - das zeigt sich in der Chefetage. Chef Igor Setschin ist Putins ehemaliger Büroleiter. Aktien an dem etwa an der Londoner Börse notierten Konzern haben zwar der britische Energieriese BP, der Schweizer Rohstoffhändler Glencore und das Emirat Katar, die Kontrollmehrheit von etwas über 50 Prozent hält aber noch immer der russische Staat. Rosneft betreibt auch hierzulande Raffinerien, will kräftig investieren.

Russischen Medienberichten zufolge soll die Wahl zum Aufsichtsratschef am 29. September stattfinden. Zudem soll der Rat demnach von neun auf elf Mitglieder vergrößert werden. Schröder ist seit 2005 Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Gas-Pipeline Nord Stream, die durch die Ostsee von Russland nach Deutschland führt. An dem Pipeline-Konsortium hält wiederum Gazprom die Mehrheit.

lg/dpa/rtr