Screenshot, GAM Investments Hompage

Nach Kurssturz GAM-Chef unter Druck

Stand: 05.09.2018, 16:44 Uhr

Wie tief fällt die GAM-Aktie noch? Wegen der Schließung mehrerer Fonds ist der Schweizer Finanztitel seit Ende Juli um gut ein Viertel gefallen und ist so billig wie noch nie. Nun gerät der Chef des Fondsanbieters unter Beschuss.

Seit 2014 steuert der Amerikaner Alex Friedman den GAM-Konzern. Laut Finanzinsidern gilt er inzwischen als "Alex, der Zerstörer". Friedman zerlegte die angesehene Schweizer Fondsgesellschaft. Er verlegte das Kommando nach London und entmachtete zahlreiche Manager der alten Swiss & Global in Zürich, heißt es auf dem meist gut informierten Finanznews-Portal "Inside Paradeplatz".

Warum wurde Fondsmanager Haywood gefeuert?

Vor wenigen Wochen feuerte er seinen Fondsmanager Tim Haywood. Dieser hätte Richtlinien missachtet und seinen persönlichen Mail-Account für die Arbeit benutzt. Andererseits zweifle man nicht an der Ehrlichkeit von Haywood, betonte der Vermögensverwalter.

In der britischen Presse meinten mehrere Analysten, GAM habe überreagiert. "Inside Paradeplatz" sprach gar von einer "medialen Hinrichtung von Haywood". Eine interne Abstrafung und eine Bonus-Kürzung hätten gereicht.

Schließung von neun Fonds

Der Schaden, den "Alex, der Zerstörer" mit seiner Aufräumaktion anrichtete, war immens: die Anleger  flohen aus den von Haywood verwalteten Fonds. Neun Anleihefonds mussten daraufhin wegen der hohen Mittelabflüsse geschlossen werden. Zuvor hatte GAM bereits mit einer Wertberichtigung von 59 Millionen Franken bei der übernommenen Tochter Cantab negativ überrascht.

Die Folge: der Aktienkurs von GAM stürzte ab. Binnen eines Jahres verlor er die Hälfte seines Werts. Ende August erreichte er mit 6,48 Euro ein Rekordtief. GAM ist nun sogar zum Spekulationsobjekt geworden, eine feindliche Übernahme droht.

"Dead Man Walking"

Der Kurssturz und die merkwürdige Informationspolitik haben nun GAM-Chef Friedman in Bedrängnis gebracht. Laut dem Magazin "Bilanz" gilt er als angeschossen, ja sogar als "Dead Man Walking". Die große Frage sei nun, wie lange die Investoren Friedman die Stange halten. Ein Viertel der GAM-Aktien befindet sich im Besitz von großen institutionellen Investoren. Friedman selbst schweigt…

nb