Thyssenkrupp-Aufzugstestturm in Rottweil

Fusioniert ThyssenKrupp mit Salzgitter? Deutsche Stahl AG wieder auf der Agenda

Stand: 10.01.2020, 19:44 Uhr

Immer mal wieder kommt das Thema einer Fusion der beiden größten deutschen Stahlkocher auf. MDax-Mitglied ThyssenKrupp und SDax-Mitglied Salzgitter sprechen nach Presseberichten angeblich wieder miteinander. Kommt sie doch noch, die Deutsche Stahl AG?

Die angespannte Lage der Stahlindustrie hat einmal mehr Spekulationen über ein mögliches Bündnis der beiden deutschen Branchenführer Thyssenkrupp und Salzgitter angeheizt. "Thyssenkrupp lotet Fusion mit Salzgitter aus", berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag vorab.

Demnächst solle es ein Treffen zwischen Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz und Salzgitter-Chef Hans Jörg Fuhrmann geben. Bei dem Gespräch könnten entsprechende Möglichkeiten ausgelotet werden. Die Idee einer "Deutschen Stahl AG" ist bereits häufig in den Schlagzeilen gewesen - allerdings ist sie nie richtig vorangetrieben worden.

Nur ein ganz normales Treffen?

Salzgitter und Thyssenkrupp regierten prompt. "Frau Merz und Herr Prof. Fuhrmann kannten sich persönlich, bevor Frau Merz Vorstandsvorsitzende der Thyssenkrupp AG wurde", erklärten die Niedersachsen. "Beide haben sich bereits im letzten Jahr getroffen, was selbstverständlich und daher wenig spektakulär ist." Ein weiteres Gespräch sei derzeit nicht verabredet.

Ansonsten sei die Aussage Fuhrmanns aus einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom August 2019 weiter gültig: "Bis heute habe ich noch kein Konzept zur Fusion mit einem Wettbewerber im Stahl gesehen, das eine für uns erkennbar vorteilhafte Perspektive beinhaltet hätte. Aber ich kann und will natürlich nicht ausschließen, dass es das eines Tages doch geben könnte."

Branche unter Druck

Martina Merz

Martina Merz. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Ein Hintertürchen lässt sich der Manager also offen. Kein Wunder, dass die Gerüchte ins Kraut schießen. Der Schwerindustrie machen Billig-Importe aus Fernost, Preisdruck und gestiegene Rohstoffkosten zu schaffen.

Fuhrmann hat noch einen Vertrag bis zum Sommer. Der 63-Jährige führt den Konzern seit 2011. Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hatte im Oktober vergangenen Jahres die Nachfolge des glücklosen Guido Kerkhoff angetreten. Sie will den Konzern, zu dem neben dem Stahl auch noch das zum Verkauf gestellte Aufzugsgeschäft, Anlagen, Autoteile und U-Boote gehören, auf Rendite trimmen. Die Stahlsparte feilt derzeit an einer neuen Strategie.

Apropos Aufzugssparte: Thyssenkrupp will Insidern zufolge im milliardenschweren Bieterrennen um die Aufzugssparte eine Vorauswahl treffen. Anfang kommender Woche würden bindende Angebot erwartet, sagten am Freitag mehrere mit dem Verfahren vertraute Personen der Nachrichtenagentur "Reuters".

Vorbehalte bleiben

Aber so einfach ist das alles nicht. In Arbeitnehmerkreisen von Thyssenkrupp wird deutlich, dass abgesehen vom Für und Wider, eine Konsolidierung der deutschen Stahlindustrie allenfalls in einigen Jahren möglich wäre. "Thyssenkrupp muss erstmal in die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlsparte investieren", sagte ein Arbeitnehmervertreter. "Vorher ist das überhaupt kein Thema."

Im vergangenen Jahr war die geplante Fusion zwischen Thyssenkrupp Steel Europe und dem Konkurrenten Tata Steel zudem am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Eine Fusion von Thyssenkrupp und Salzgitter dürfte in Brüssel kaum mehr Nachsicht finden.

Verhaltene Reaktion an der Börse

Im Späthandel der Frankfurter Börse verändert sich das Thyssenkrupp-Papier bisher kaum. Während des regulären Xetra-Handels hatte die Aktie bei 11,87 Euro 2,3 Prozent leichter geschlossen. Das Salzgitter-Papier, das heute mit minus 3,79 Prozent auf 18,03 Euro schwächster Wert im SDax war, legt hingegen zu auf 18,42 Euro zu.

rtr/rm