Porsche Boxter

Ansprüche auf Schadenersatz verjähren Für VW- und Porsche-Aktionäre läuft die Zeit ab

Stand: 30.10.2018, 10:52 Uhr

Für Aktionäre von Volkswagen und Porsche wird die Zeit immer knapper, wenn sie die im Zuge des Dieselskandals erlittenen Kursverluste noch einklagen wollen, warnen Aktionärsschützer.

Wer seine Klage nicht spätestens bis zum 31. Dezember 2018 bei Gericht einreiche, sei raus, warnt Marc Tüngler, Düsseldorfer Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Ein Anschluss an das bereits laufende Kapitalanlegermusterverfahren oder die Einleitung einer neuen Musterfeststellungsklage, wie dies für Autokäufer für den 1. November 2018 angekündigt wurde, stehe Aktionären nicht offen, so Tüngler.

Onlineplattform gegründet

Oft ist es die Angst vor den mit einem Prozess verbundenen hohen Kostenrisiken, die Anleger daran hindert, aktiv zu werden. Um hier gegenzusteuern, hat die DSW gemeinsam mit dem Verbraucherschutzportal myRight eine Onlineplattform ins Leben gerufen, über die sich Anleger ohne jedes Prozesskostenrisiko einer Klage vor Ablauf der Verjährungsfrist anschließen können.

"Damit öffnen wir allen betroffenen Aktionären die Tür zur gerichtlichen Durchsetzung ihrer Ansprüche. Nie war es einfacher, sich zu wehren", sagt Klaus Nieding, DSW-Vizepräsident und Vorstand der Anwaltskanzlei Nieding+Barth. Um eine fristgerechte Bearbeitung garantieren zu können, sei die Registrierung allerdings nur noch bis zum 15. November 2018 möglich.

Es geht um viel Geld

Auf der Website registrieren können sich Anleger, die zwischen dem ersten Januar 2009 und dem 21. September 2015 Aktien von VW oder Porsche gekauft haben. Finanziert wird die Plattform myRight vom Fonds Fortress Investment, der nur bei erfolgreicher Klage rund 30 Prozent der Schadensersatzsumme erhält.

Geht die Klage wider Erwarten verloren, trägt Fortress die kompletten Kosten. Für die betroffenen Aktionäre geht es dabei um viel Geld: "Mindestens der sogenannte Kursdifferenzschaden von 59,50 Euro je VW-Aktie sowie 19,95 Euro je Porsche-Aktie kommt als Schadenersatz in Betracht. Das ist der Betrag, den die Investoren zu viel gezahlt haben, weil die Information zu der Manipulationssoftware dem Kapitalmarkt nicht bekannt war", erklärt Tüngler.

Möglich sei sogar, dass zur Berechnung des Schadensersatzes der komplette Kaufpreis der Aktien herangezogen werde. Für die Teilnahme an der Klage müssen die Anleger nach der Registrierung auf der Onlineplattform nur die Wertpapierabrechnungen hochladen und eine Abtretungserklärung unterzeichnen, um sicher dabei sein zu können.

Erstes Verfahren läuft bereits

Ein erstes Kapitalanlegermusterverfahren läuft bereits seit Anfang September vor dem Oberlandesgericht Braunschweig. Es basiert auf einer Vielzahl einzelner Klagen, die anhand einer Musterklage der Deka-Fondsgesellschaft beispielhaft verhandelt werden. Dabei klärt das Gericht Rechtsfragen, die alle rund 1.650 Schadensersatzprozesse inhaltlich gemeinsam haben - und das sind ganz überwiegend Varianten der Frage, ob und wenn ja, wann VW seine Informationspflicht zum Ausmaß des Dieselskandals gegenüber den Aktionären verletzt hat: War es bereits 2007? Oder 2012? Oder vielleicht gar nicht?

Der immense Streitwert von vier Milliarden Euro lockt natürlich die Begehrlichkeiten von Anwaltskanzleien aus dem ganzen Land. Allerdings kann sich das Verfahren sehr lange hinziehen.

lg