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Verluste ausgeweitet Für Nokia wird es immer enger

Stand: 26.10.2017, 11:28 Uhr

Nach einem guten zweiten Quartal hat der inzwischen auf Netzwerkausrüstung fokussierte finnische Konzern Nokia nun wieder die geballte Konkurrenz zu spüren bekommen. Und die Aussichten sind noch trüber. Die Anleger nehmen Reißaus.

Die Aktien von Nokia brechen zuletzt um über 15 Prozent ein und erleiden den stärksten Tagesverlust seit fünf Jahren. Dabei sind die Papiere wieder unter ihr Niveau von Anfang des Jahres gerutscht. Es seien vor allem die schwache Geschäftsentwicklung der Netzwerksparte sowie die Warnungen vor einem herausfordernden vierten Quartal und sich weiter verschlechternder Marktbedingungen im Jahr 2018, die die Anleger in die Flucht schlagen, sagte François Meunier, Analyst bei Morgan Stanley.

Im dritten Quartal sank der Umsatz im Netzwerkgeschäft um neun Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis brach um 23 Prozent auf 334 Millionen Euro ein. Konzernweit gingen die Erlöse um sieben Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro zurück.

Seinen Quartalsverlust weitete Nokia um 61 Prozent auf 192 Millionen Euro aus. Analysten hatten mit wesentlich besseren Zahlen gerechnet. Der Gesamtgewinn kletterte dank eines Sonderertrags aus der Einigung im Patentstreit mit LG Electronics um 20 Prozent auf 668 Millionen Euro.

Hohe Investitionen nötig

Nokia-Chef Rajeev Suri

Nokia-Chef Rajeev Suri. | Bildquelle: Unternehmen

Nokia habe in vielen Bereichen Fortschritte gemacht, sagte Konzernchef Rajeev Suri, doch die Probleme im mobilen Netzwerkgeschäft machten weitere Investitionen notwendig. So dürften die Kosten für den Tausch von Netzwerkausrüstung im laufenden Jahr mit 1,4 Milliarden Euro rund 500 Millionen Euro mehr ausmachen als gedacht. Für den Konzernumbau rechnet Nokia nun mit einer höheren Belastung von 2,15 Milliarden Euro.

Gleichwohl will Nokia an seinen Plänen festhalten, bis zum kommenden Jahr 1,2 Milliarden Euro einzusparen. Hierzu müsse nach anderen Stellschrauben bei den Herstellungskosten gesucht werden, sagte Suri.

Markt dürfte schrumpfen

Nokia: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Allerdings kommt dem Konzern das Marktumfeld nicht gerade zu Hilfe. Das Schlussquartal dürfte insbesondere durch den harten Wettbewerb in China belastet werden, räumte der Konzernchef ein. Besserung ist auch im kommenden Jahr nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Die Finnen gehen inzwischen davon aus, dass der für sie relevante Markt im Netzwerkgeschäft im laufenden Jahr um vier bis fünf Prozent schrumpfen wird. Dabei hatte Nokia noch zu Jahresbeginn lediglich ein kleines prozentuales Minus erwartet.

Die Branche befindet sich zwischen zwei Technologiezyklen - während die Nachfrage nach Ausrüstung für Telekomnetze der vierten Generation (4G) langsam ausläuft, lassen große Volumenaufträge für 5G-Netze noch auf sich warten. "Für eine Erholung des Netzwerkgeschäfts müssen wir auf 2019 schauen. Davor ist kein Wachstum in Sicht", resümierte Mikael Rautanen, Analyst bei Inderes Equity Research.

lg

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