Facebook-Entwicklerkonferenz in San Jose, Kalifornien

Juristischer Ärger Für Facebook wird die Luft dünner

Stand: 20.12.2018, 11:56 Uhr

Geht das Netzwerk Facebook zu lasch mit den Daten seiner Nutzer um? Geht es nach dem Generalstaatsanwalt der Hauptstadt Washington, besteht daran kein Zweifel. Anleger werfen die Aktie derweil massiv aus dem Depot.

Um 7,25 Prozent auf 133,24 Dollar ging es am Mittwoch mit dem Facebook-Papier an der Technologiebörse Nasdaq bergab. ein klares Votum der Anleger, nachdem bekannt geworden war, dass wegen des Datenskandals um die Analysefirma Cambridge Analytica der Regierungsbezirk Washington, D.C. Klage gegen das Netzwerk einreicht.

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Generalstaatsanwalt Karl Racine wirft dem Unternehmen schwere Versäumnisse beim Datenschutz vor. Dadurch könnten Informationen vieler Nutzer im Präsidentschaftswahlkampf 2016 zur politischen Manipulationen missbraucht worden sein.

"Facebook hat es versäumt, die Privatsphäre seiner User zu schützen und sie darüber getäuscht, wer Zugang zu ihren Daten hatte und wie diese genutzt wurden", erklärte Racine am Mittwoch. Er klagt, weil die Daten von 340.000 Bürgern aus Washington, D.C. betroffen waren. Das Unternehmen hat sich bisher nicht geäußert.

Der Cambridge-Skandal und anderes

Damit holt Facebook der Cambridge-Skandal vom März juristisch wieder ein. Besonders pikant dabei: Facebook hatte sich in den USA mit der Aufsichtsbehörde FTC verpflichtet, keine Daten von Nutzern ohne deren Einwilligung zu teilen.

Zur Erinnerung: Informationen von Facebook-Nutzern aus einer Umfrage-App waren unrechtmäßig an die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica gelangt. Eine Firma, die später auch für das Wahlkampfteam von Donald Trump arbeitete.

Der Skandal war perfekt, an ihm hat Facebook nicht nur juristisch zu kämpfen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg geriet unter Druck und musste sich sogar vor dem Kongress verantworten. In Großbritannien wurde Facebook mit einem Bußgeld von 500.000 Pfund belegt, Unterlagen wurden beschlagnahmt.

Mark Zuckerberg während der Anhörung des Handels- und Justizkomitees

Mark Zuckerberg während der Anhörung des Handels- und Justizkomitees. | Bildquelle: picture alliance / Andrew Harnik/AP/dpa

Neue Sicherheitslücken?

Als ob die Sünden der Vergangenheit nicht schon genug auf dem Netzwerk lasteten: Erst in dieser Woche kamen neue Vorwürfe auf, Facebook würde nicht vorsichtig genug mit den Nutzerdaten umgehen. Eine neue Sicherheitslücke gar? Dieses Mal geht es um Schnittstellen, die Nutzern den Kontakt zu anderen Facebook-Nutzern ermöglichen sollen - auf den Plattformen von Anbietern wie Netflix, Spotify oder Microsoft.

Die "New York Times" berichtete zuvor unter anderem, Microsofts Suchmaschine Bing habe Zugriff auf die Namen von Facebook-Freunden eines Nutzers gehabt und die Streamingdienste Netflix und Spotify auf die privaten Nachrichten.

Facebook-Aktie im Abwärtstrend

An der Börse scheinen die besten Zeiten der Facebook-Aktie vorbei zu sein. Viele Jahre lang gab es für die erfolgsverwöhnten Anleger nur den weg nach oben. Seit Juli, dem Zeitpunkt des Jahreshochs bei 217 Dollar, geht es in die andere Richtung. Nicht zuletzt die viele negativen Nachrichten zum Thema Datenschutz dürften ihren Anteil an der Verunsicherung der Anleger haben.

rm