Arbeiter demontieren den Schriftzug an einer Commerzbankfiliale.
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Abbau von 4.300 Stellen Commerzbank: (K)eine Strategie gegen die Krise

Stand: 27.09.2019, 10:57 Uhr

Für Commerzbank-Chef Martin Zielke gibt es nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit der Deutschen Bank keine Alternative zu einem drastischen Sparprogramm. Viele Mitarbeiter müssen gehen, für Kunden wird es teurer.

Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Bank, bleibt auch nach Jahren des Umbaus und der Neuausrichtung eine Baustelle. Nachdem die Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank im Frühjahr gescheitert waren, hat das Management nun einen neuen Sparplan verabschiedet. Dieses auf den Namen "Strategie 5.0" getaufte Programm sieht den Abbau von 4.300 Stellen vor, sowie die Schließung von einem Fünftel aller in Filialen. In Deutschland sind dies 200 von 1.000.

Markus Gürne
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Weniger Service, höhere Kosten

Zudem soll die einzige Ertragsperle des Konzerns, die polnische Tochter mBank, veräußert werden, um die Kosten des Umbaus stemmen zu können. Denn die finanziellen Reserven sind nach Jahren einer Nullzinspolitik seitens der EZB und aufgrund des anhaltend scharfen Wettbewerbs aufgebraucht.

Keine Hoffnung auf besseres Umfeld

Bankchef Martin Zielke sah deshalb keinen anderen Ausweg mehr, als den Gürtel noch enger zu schnallen und dem Konzern eine neue Schrumpfkur zu verordnen. "Die Herausforderungen für Banken sind groß", sagte er am Morgen bei der Präsentation der neuen Strategie.

Auf ein besseres Umfeld könne die Bank nicht hoffen. Bis 2023 will die Commerzbank daher ihre Kosten um 600 Millionen Euro verringern. "Der damit verbundene Stellenabbau ist leider notwendig", sagte Zielke.

Was das für Kunden bedeutet

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Imago

Auch die Kunden der Bank werden den Sparkurs zu spüren bekommen. Die Commerzbank will zwar am kostenlosen Girokonto festhalten, trotzdem müssen sich etliche Kunden auf höhere Preise einstellen. Grund dafür sei das andauernde Zinstief. Da die Europäische Zentralbank (EZB) Strafzinsen auf Geld erhebt, das die Banken bei ihr parken, entstehen der Branche Kosten in Milliardenhöhe, die sie nun zunehmend auch an ihre Kunden weitergeben.

Zugleich will die Bank eine Million inaktive Kunden loswerden. Die Klienten, die teils noch aus der Zeit vor der Dresdner-Bank-Übernahme stammten, kosteten die Commerzbank Geld, sagte Zielke. Hinzugewinnen will die Bank vor allem aktive Kunden. Unterm Strich sollen so bis Ende 2023 gut eine Million neue Kunden hinzukommen - deutlich weniger als ursprünglich geplant.

Rendite bleibt niedrig

Dass die Bank gestärkt aus dem Umbau hervorgeht, ist zunächst nicht ersichtlich. Im Gegenteil. Das Management rechnet für das laufende Jahr nur noch mit stagnierenden Einnahmen. Bisher war eine leichte Steigerung erwartet worden. Bereits in den letzten beiden Jahren stagnierten die Erlöse bei rund 8,6 Milliarden Euro.

Wie sich die gekappte Prognose auf die Rentabilität auswirkt, steht noch nicht fest. Doch verbessern dürfte sich die Rendite dadurch wohl nicht. Die Bank investiere in ihre Zukunft, "und indem wir dieses Geld in die Hand nehmen, stellen wir bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele", sagte Zielke.

Leidgeplagte Aktionäre

Überhaupt rechnet die Commerzbank bis 2023 nur mit einer schrittweisen Steigerung ihrer Rentabilität. Die entsprechende Kennzahl für die Rendite auf das Eigenkapital werde in den kommenden drei Jahren voraussichtlich bei zwei bis vier Prozent liegen, erläuterte der scheidende Finanzchef Stephan Engels. Er sei überzeugt, dass im Jahr 2023 eine Rendite von über vier Prozent erreichbar sei. "Im günstigsten Fall wäre eine Rendite von über fünf Prozent möglich."

An der Börse sorgen die Umbaupläne für gemischte Gefühle. Nachdem die Commerzbank-Aktie zunächst in die Knie ging, konnte sie sich im weiteren Verlauf erholen. Dies ändert nichts daran, dass sich der Kurs nach Jahren des Niedergangs auch in diesem Jahr deutlich schlechter entwickelt hat als der Gesamtindex, MDax.

Commerzbank versus MDax

Commerzbank versus MDax. | Bildquelle: boerse.ARD.de

lg