Mund mit einer Pille mit Akorn-Logo
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Milliarden-Deal in Gefahr Verschluckt sich Fresenius an Akorn?

Stand: 27.02.2018, 09:05 Uhr

Die umstrittene Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn durch Fresenius könnte doch noch scheitern. Der Bad Homburger Konzern prüft, ob Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstoßen habe. Die Jahreszahlen rücken in den Hintergrund.

Seit Wochen steht das Fresenius-Management unter Druck wegen des geplanten Milliarden-Deals in den USA. Der Konzern könnte sich mit dem 4,4 Milliarden Euro teuren Zukauf verhoben haben, kritisieren Analysten. Akorn hat zuletzt einen ertragsverfall erlitten und ist in die roten Zahlen gerutscht.

Nun könnte die US-Generikafirma gar beim Zulassungsverfahren neuer Medikamente fehlerhafte Angaben gemacht haben. Fresenius teilte am Montagabend mit, dass der Konzern eine Untersuchung bei Akorn mit externen Sachverständigen durchführe – wegen angeblicher Verstöße von Akorn gegen die Vorgaben der amerikanischen Gesundheitsbehörde. Sollten Vollzugsbedingungen der Übernahmevereinbarung nicht erfüllt sein, könne dies Folgen für den Abschluss der Transaktion haben.

Akorn-Aktien brechen ein, Fresenius-Titel ziehen an

Akorn-Aktien brachen daraufhin im außerbörslichen US-Handel um mehr als 30 Prozent ein. Das US-Unternehmen teilte mit, der Deal mit Fresenius sollte nicht in Gefahr sein. Die Geschäfte von Akorn sollten nicht in größerem Maße beeinträchtigt werden. Fresenius teilte mit, während der laufenden Untersuchung keine Stellungnahmen abgeben zu wollen. Der Konzern strebe unverändert die Freigabe der US-Fusionskontrollbehörde FTC an.

Die Fresenius-Aktien ziehen dagegen kräftig um über drei Prozent an. Seit dem Sommer 2017 sind die Dax-Titel um rund 20 Prozent abgerutscht.

14. Rekordjahr von Fresenius in Folge

Das Dauerärgernis der Akorn-Übernahme überschattete die Jahreszahlen von Fresenius. Dank eines starken Geschäfts mit Privatkliniken schaffte Fresenius das 14. Rekordjahr in Folge. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf knapp 33,9 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte um 16 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Besonders die übernommene spanische Klinikkette Quironsalud gab Auftrieb. In der Krankenhaussparte schoss der Umsatz um 48 Prozent hoch, das Ergebnis verbesserte sich um über ein Drittel. Auch bei der Sparte Flüssigmedizin gab es kräftige Zuwächse.

FMC profitiert von US-Steuerreform

Zudem verbuchte die Tochter FMC mit Geschäften rund um Blutwäsche Rekordergebnisse. Dort stieg der Umsatz währungsbereinigt um sieben Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Den Gewinn konnte FMC auch dank positiver Effekte aus der US-Steuerreform um 12 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro steigern.  In einem laufenden Vergleichsverfahren mit der US-Börsenaufsicht und dem dortigen Justizministerium wegen fragwürdiger Geschäftsvorgänge hofft FMC auf eine Einigung. Das Unternehmen stellte dafür 200 Millionen Dollar zurück. Die Aktien von FMC verlieren am Dienstag über ein Prozent und sind Dax-Schlusslicht.

Fresenius-Anteilseigner winkt eine deutlich höhere Dividende. Sie sollen 0,75 Euro je Aktie bekommen. Das wäre ein Plus von 21 Prozent und die 25. Anhebung in Folge. An FMC-Aktionäre soll eine um zehn Cent auf 1,06 Euro gesteigerte Dividende ausgeschüttet werden.

Trüber Ausblick

In diesem Jahr will Fresenius seinen Gewinn um sechs bis neun Prozent währungsbereinigt steigern. FMC soll noch stärker um 13 bis 15 Prozent zulegen. Dabei sollen positive US-Steuereffekte von 140 bis 160 Millionen Euro 2018 helfen.

nb