Fresenius-Schriftzug vor der FMC-Zentrale in Bad Homburg

Gerichtsprozess Fresenius will Hinrichtung stoppen

Stand: 09.08.2018, 12:02 Uhr

Seit Jahrzehnten ist die Giftspritze in den USA die Hinrichtungsmethode erster Wahl. Viele Pharmahersteller wollen aber nicht mit dem Giftcocktail in Verbindung gebracht werden. Nun will Fresenius Kabi sogar eine im US-Bundesstaat Nebraska geplante Hinrichtung gerichtlich stoppen lassen.

Die Fresenius-Tochter reichte am Dienstagabend eine Zivilklage ein. Der Vorwurf: Nebraska habe sich auf illegale Weise zwei Substanzen beschafft, die für die geplante Hinrichtung per Giftspritze am kommenden Dienstag verwendet werden sollen. Wie Nebraska an die Mittel gelangt ist, dazu schweigt der Bundesstaat bislang.

Für die Hinrichtung werden vier Substanzen benötigt: Das Beruhigungsmittel Diazepam, das Betäubungsmittel Fentanylcitrat, das Mittel Cisatracurium zur Muskelentspannung sowie Kaliumchlorid, um den Herzschlag zu beenden. Fresenius Kabi geht davon aus, dass letztere zwei Substanzen aus seiner Herstellung stammen.

Zutaten für Giftspritze illegal beschafft?

Das Unternehmen beantragte nun bei einem Bundesrichter, die Nutzung der Mittel vorübergehend oder endgültig zu unterlassen. Für Carey Dean Moore könnte sich die Hinrichtung damit verzögern. 1974 war er wegen Mordes an zwei Taxifahrern zum Tode verurteilt worden. Findet die Hinrichtung wie geplant statt, wäre es die erste Vollstreckung einer Todesstrafe in Nebraska seit 21 Jahren - und die erste dortige Hinrichtung per Giftspritze.

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Fresenius Kabi befürchtet bei der Verwendung seiner Substanzen eine "erhebliche Rufschädigung" und begründet dies mit der in Europa vorherrschenden ablehnenden Haltung zur Todesstrafe. Das Unternehmen betonte, keine Position zum Thema Todesstrafe einzunehmen, lehne aber die Nutzung seiner Produkte zu diesem Zweck ab. Deshalb verkaufe der Konzern "bestimmte Medikamente auch nicht an Vollzugsanstalten". Laut Fresenius Kabi können die Substanzen folglich nur illegal beschafft worden sein.

Insgesamt ist die Zahl der Exekutionen in den USA rückläufig. Für Bundesstaaten ist es schwieriger geworden, an die Medikamente für den benötigten Giftcocktail zu gelangen – denn Pharmakonzerne wollen mit Hinrichtungen nicht in Verbindung gebracht werden. Europäische Medikamente sind in den Vereinigten Staaten für diesen Zweck jedenfalls kaum mehr zugelassen.

fh