Fresenius-Schriftzug vor der FMC-Zentrale in Bad Homburg

FMC besser als Kabi Die ungleichen Geschwister der Fresenius-Familie

Stand: 30.07.2020, 10:35 Uhr

Wie die Mutter, so die Tochter! Das war meist so in der Fresenius-Familie. In der Corona-Krise aber nicht. Die Tochter FMC schlägt sich aktuell deutlich besser als die Konzernmutter. Diese muss nun gar die Jahresprognose senken.

Was ist los bei Fresenius? Der Gesundheitskonzern kam bisher ganz gut durch die Corona-Krise. Nun aber warnt das Unternehmen aus Bad Homburg vor Belastungen im zweiten Halbjahr wegen der Pandemie. Dadurch werde der währungsbereinigte Umsatz 2020 nur um drei bis sechs Prozent steigen - statt wie bisher angepeilt um vier bis sieben Prozent. Das Konzernergebnis wird in einer Bandbreite von minus vier bis plus ein Prozent gesehen.

Weniger Operationen wegen Corona

Fresenius hat im zweiten Quartal negative Nebenwirkungen von Corona bei seinem Töchtern Kabi und Vamed zu spüren bekommen. Da der Klinikbetreiber viele Betten für Corona-Patienten frei hielt und weniger sonstige Operationen stattfanden, machte die auf Flüssigmedizin, Narkosemittel und klinische Ernährung spezialisierte Tochter Kabi weniger Geschäfte. Vorstandschef Stephan Sturm sprach von "teils erheblichen Einschränkungen, insbesondere im Krankenhausbetrieb". Zudem ließ die Nachfrage nach Medikamenten zur Behandlung von Corona-Patienten in Europa und den USA im Lauf des Sommers nach. Die Projekttochter Vamed musste Planungen aufschieben und schrieb Verluste.

Die Tochter Helios, die 86 Kliniken in Deutschland betreibt, hatte die Zahl der Intensivbetten für Corona-Patienten im Frühjahr kräftig aufgestockt. Ausgelastet wurden sie aber selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie bei weitem nicht. Zuwendungen des Bundes konnten den Effekt fehlender Einnahmen aus aufgeschobenen Operationen nur abmildern. Deutschlands größter privater Krankenhausbetreiber verzeichne nun aber eine "allmähliche Zunahme" von Behandlungen. In den Kliniken in Spanien indes kann Fresenius vorerst nicht mit einem finanziellen Ausgleich rechnen.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis des Fresenius-Konzerns brach im Zeitraum von April bis Ende Juni um 13 Prozent auf 410 Millionen Euro ein. Ohne Sondereffekte blieb das operative Ergebnis mit rund 1,12 Milliarden Euro relativ stabil. Der Umsatz stieg sogar um zwei Prozent auf 8,9 Milliarden Euro.

FMC setzt auf Heimdialyse

Die Dialysetochter Fresenius Medical Care, die wie ihre Mutter im Dax gelistet ist, leidet dagegen weniger unter der Krise. Sie konnte den Betrieb in den weltweit mehr als 4.000 Dialysezentren ohne nennenswerte Unterbrechungen aufrechterhalten. Dabei profitierte FMC auch vom Trend zur Heimdialyse, die Nierenpatienten eine komfortablere Blutwäsche zu Hause ermöglicht. Im zweiten Quartal stieg so die Zahl der Heimdialyse-Behandlungen in Nordamerika nach der Übernahme des US-Konzerns NxStage kräftig um 15 Prozent. FMC bestätigte ihre Jahresziele und erwartet weiterhin beim Umsatz und Ergebnis ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Die Tochter FMC erweist sich somit als robuste Stütze der Fresenius-Familie.

Die Aktien von FMC geben am Donnerstagvormittag nur um rund ein Prozent nach. Stärker nach unten geht es für die Titel von Fresenius. Sie büßen gut zwei Prozent ein. Seit Jahresbeginn haben sie rund 13 Prozent verloren. Die Papiere von Fresenius Medical Care haben dagegen um 17 Prozent zugelegt. Wie die Mutter, so eben nicht die Tochter!

nb