Freenet Verwaltungsgebäude in Büdelsdorf

Liberty Global will Sunrise übernehmen Freenet-Aktie schießt in die Höhe

Stand: 12.08.2020, 10:06 Uhr

Um mehr als 20 Prozent ging es für das Papier zeitweise am Mittwochmorgen nach oben. Auslöser war eine Offerte für die Schweizer Beteiligung Sunrise. Der Verkauf könnte Freenet mehr als eine Milliarde Euro einbringen.

Der US-Kabelnetzbetreiber Liberty bietet 6,3 Milliarden Euro - 110 Schweizer Franken je Aktie - für die Nummer 2 auf dem Schweizer Telekommarkt. An Sunrise ist Freenet als Großaktionär beteiligt. Pro Aktie entspricht die Offerte einem Aufschlag von 32 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs der vergangenen 60 Börsentage.

Freenet hat bereits zugesagt, sein Sunrise-Paket von etwa 24 Prozent zu verkaufen. Die Sunrise-Papiere hatten den Dienstagshandel bei 86,20 Franken beendet, sodass die Offerte einen 27,6-prozentigen Aufschlag bedeutet.

Bei 45,3 Millionen ausstehenden Aktien könnte Freenet für das Aktienpaket rund 1,2 Milliarden Franken (1,1 Milliarden Euro) einstreichen. Das Unternehmen war bei Sunrise für 70 Schweizer Franken je Aktie eingestiegen.

Aktie klettert um mehr als 20 Prozent

Die Anleger reagierten am Mittwoch begeistert. Die Freenet-Aktie kletterte im frühen Xetra-Handel zeitweise um mehr als 20 Prozent. Damit erholte sich der Titel seit dem Jahrestief von Ende Juni, als der Kurs noch bei etwa 13,90 Euro lag, mittlerweile um über 30 Prozent und steht wieder auf einem ähnlichen Stand wie Anfang März.

Auch der Kurs der Sunrise-Aktie stieg am Mittwoch an der Schweizer Börse um mehr als 26 Prozent. Der frühere Versuch von Sunrise, die Schweizer Liberty-Kabelnetztochter UPC für 6,3 Milliarden Franken zu übernehmen, war vor allem am Widerstand vom Großaktionär Freenet gescheitert.

"Ein guter Deal"

Freenet-Chef Christoph Vilanek

Freenet-Chef Christoph Vilanek. | Bildquelle: picture alliance/Horst Galuschka/dpa

"Ein guter Deal", sagte Freenet-Chef Christoph Vilanek am Mittwoch gegenüber Reuters. "Wir glauben, dass ein Zusammengehen zu vernünftigen Bedingungen Sinn macht", sagte Vilanek zu der geplanten Übernahme. Er sehe auch keinen Grund für kartellrechtliche Bedenken.

Freenet kündigte an, mit einem Großteil der frei werdenden Mittel die Schulden senken zu wollen. Von den Erlösen würden 800 Millionen in die Tilgung fließen. Laut Händlern verschafft sich das Telekom- und Internetunternehmen mit dem Verkauf der Beteiligung auch Freiräume für potenzielle Aktienrückkäufe.

Analyst Simon Bentlage von der Privatbank Hauck & Aufhäuser hält es derweil ebenfalls für möglich, dass die übrigen Mittel, die nicht der Schuldensenkung dienen, in eine Sonderdividende gesteckt werden.

Solide Zahlen im zweiten Quartal

Unterdessen hatte Freenet am Vorabend nach Börsenschluss auch Zahlen vorgelegt. Der Telekomkonzern konnte sein Betriebsergebnis im zweiten Quartal etwas steigern. Beim Ebitda fielen in den drei Monaten bis Juni 109,7 Millionen Euro an, teilte das MDax-Unternehmen am Dienstagabend mit. Das sind etwa zwei Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel leicht auf 622,1 Millionen Euro.

Laut Analyst Ulrich Rathe von Jefferies Research sind die Zahlen somit solide ausgefallen. Händlern zufolge hat das Unternehmen im zweiten Quartal mit einem stabilen Wachstum und einem leichten Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses eine hohe Widerstandskraft in Zeiten der Pandemie bewiesen.

Finanzlage verbessert

Das Unternehmen bestätigte erneut seine Jahresprognose von Ende Februar, auch wenn diese mit höheren Unsicherheiten behaftet sei. Freenet betonte, durch die Begebung eines Schuldscheins Ende Juli habe sich die Finanzlage des Unternehmens verbessert. Der Konzern hatte zuletzt die Dividende gekappt. Für die Zukunft wolle das Unternehmen wieder mindestens 80 Prozent des Free Cashflow ausschütten, hieß es weiter.

Freenet ist ein Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz, der freie Kapazitäten bei den Netzbetreibern anmietet und damit eigene Tarife anbietet. Zudem bietet das Unternehmen digitales Antennenfernsehen sowie als Streaming im Internet an und verkauft in eigenen Läden auch Zubehör rund um Smartphones und andere Lifestyle-Geräte.

tb