Frankfurter Flughafen

Düstere Aussichten Fraport warnt vor Jobabbau

Stand: 06.05.2020, 09:41 Uhr

Wie erwartet ist der Frankfurter Flughafenbetreiber im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Und es wird noch schlimmer. Dabei geht es auch um mögliche Stellenstreichungen.

Fraport bewerte laufend neu, ob die derzeitigen Kosteneinsparungen ausreichten, sagte Vorstandschef Stefan Schulte. "Dazu gehört auch, dass unser Personalbedarf zum großen Teil vom Verkehrsaufkommen abhängt. Je nachdem, wie lange diese Krise noch andauert, wie tief die weltweite Wirtschaft in eine Rezession abrutscht und auf welchem reduzierten Niveau der Luftverkehrsmarkt nach der Corona-Krise wieder anläuft, werden auch wir unsere Materialausgaben und Personalkapazitäten entsprechend reduzieren müssen", warnte Schulte.

Im ersten Quartal ging der Konzernumsatz um 17,8 Prozent auf 661,1 Millionen Euro zurück. Bereinigt um Erlöse verringerte sich der Umsatz um 12,6 Prozent auf 593,2 Millionen Euro. Das Konzern-Ebitda lag mit 129,1 Millionen Euro um 35,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals.

Vor Steuern fiel ein Verlust von 47,6 Millionen Euro an, nach einem positiven Vorsteuerergebnis von 36,5 Millionen Euro im ersten Quartal des Vorjahres. Mit Ausnahme der Beteiligung in Lima lieferten auch alle internationalen Beteiligungen einen negativen Ergebnisbeitrag.

Erster Quartalsverlust seit Börsengang

Es ist das erste Mal seit dem Börsengang im Jahr 2001, dass Fraport im ersten Quartal ein negatives Ergebnis ausweist. Die Umsatzeinbußen aufgrund der im März eingebrochenen Passagierzahlen konnten durch Kostensenkungen nur teilweise ausgeglichen werden. Denn der Rückgang der Passagierzahlen hat sich in den letzten Wochen stetig vergrößert.

Zählte der Flughafen Frankfurt im März 62 Prozent weniger Passagiere als im Vorjahreszeitraum waren es in der letzten März-Woche schon 90 Prozent. Im April ging das Passagieraufkommen auf Wochenbasis um bis zu 97 Prozent zurück. Auch an allen internationalen Beteiligungsflughäfen war das Verkehrsaufkommen stark rückläufig.

"Größte Krise der weltweiten Luftfahrt"

Schulte erklärte, die derzeitige Lage sei die "größte Krise der weltweiten Luftfahrt". Trotz der frühzeitigen Kostensenkungen hinterlasse die aktuelle Situation so tiefe Spuren, dass eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr derzeit nicht möglich sei. "Wir wissen nicht, wie lange die Reiseeinschränkungen noch andauern, und wie stark die weltweite Wirtschaft einbrechen wird. Sicher ist: Die Luftfahrt wird danach eine andere sein. Hierauf bereiten wir unseren Flughafen und unser Unternehmen vor", so Schulte.

Mehr als 18.000 der rund 22.000 Fraport-Beschäftigten am Standort Frankfurt sind derzeit in Kurzarbeit. Durchschnittlich wurde die Arbeitszeit über die gesamte Belegschaft im April und Mai um rund 60 Prozent reduziert, erklärte das Unternehmen. Zudem wurden die Landebahn Nordwest sowie die Startbahn West temporär außer Betrieb genommen. Die Passagierabfertigung wurde auf Terminal 1 Halle A und B konzentriert, Terminal 2 wird bis auf weiteres nicht mehr für Passagierabfertigung genutzt.

Man werde aber ein sicheres Wiederhochfahren des Luftverkehrs gewährleisten, erklärte Schulte. "In einer globalisierten Welt wird die Luftfahrt weiterhin ein wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstandes sein. Deshalb gehen wir langfristig weiterhin von Wachstum aus – auch wenn es wohl viele Jahre dauern wird, bis wir die Passagierzahlen aus dem vergangenen Jahr wieder erreichen."

Die bereits arg gebeutelte Fraport-Aktie blieb am Morgen weiter unter Druck.

lg