Vereinzelte Passagiere am Frankfurter Flughafen

Langsame Erholung und Stellenabbau Fraport im Corona-Tief

Stand: 04.08.2020, 09:49 Uhr

Der Flughafen-Betreiber hat im ersten Halbjahr wegen der Corona-Pandemie herbe Verluste eingefahren. Durch den Beginn der Lockerungen hofft man nun, den Tiefpunkt durchschritten zu haben. Tausende Stellen fallen dennoch weg.

Die Corona-Pandemie hat das MDax-Unternehmen fest im Griff und wird es auch in den kommenden Jahren noch tun. Auch 2022/2023 dürften die Passagierzahlen am Heimatdrehkreuz Frankfurt laut Fraport-Chef Stefan Schulte 15 bis 20 Prozent unter den bisherigen Höchstwerten liegen, mit entsprechend weniger Arbeit für die Beschäftigten. Zwischen 3.000 und 4.000 der zurzeit rund 22.000 Stellen sollen abgebaut werden, kündigte Fraport am Dienstag erstmals schriftlich an.

Möglichst sozialverträglich

Neben der natürlichen Fluktuation wolle man verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen nutzen, über die mit den Arbeitnehmern verhandelt werde. Ob darüber hinaus betriebsbedingte Kündigungen erforderlich werden, hänge von der Umsetzung ab. Momentan nutzt der vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt mehrheitlich getragene MDax-Konzern intensiv die Möglichkeiten der Kurzarbeit.

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Die Pandemie mit ihren Reisebeschränkungen hat dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im ersten Halbjahr tiefrote Zahlen eingebrockt. Bei einem Umsatzeinbruch um knapp die Hälfte auf 910 Millionen Euro fiel netto ein Minus von 231,4 Millionen Euro an. Die Fraport-Aktie legte am Dienstag dennoch zu, Analysten zufolge war mit noch schwächeren Ergebnissen gerechnet worden.

Erholung nur langsam

Während des Lockdowns in Europa im zweiten Quartal erzielte der MDax-Konzern gerade noch 250 Millionen Euro Umsatz, ein Minus von fast 75 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. "Mit Beginn der Lockerung der Reiserestriktionen ab Mitte Juni haben wir den Tiefpunkt überschritten", so Schulte. "Allerdings erholen sich die Passagierzahlen nur langsam."

In den Monaten April bis Juni verringerte sich das Passagieraufkommen am größten deutschen Flughafen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 94,4 Prozent. Im ersten Halbjahr lag der Rückgang bei 63,8 Prozent. Auch an den Flughäfen im Ausland, an denen Fraport beteiligt ist, kam der Passagierflugverkehr fast zum Erliegen, sodass fast alle internationalen Beteiligungen Verlust machten.

Rote Zahlen auch im Gesamtjahr

Trotz einer Erholung der Passagierzahlen im zweiten Halbjahr erwartet Fraport deshalb für das Gesamtjahr einen hohen zweistelligen prozentualen Rückgang der Passagierzahlen 2020. Das Konzernergebnis werde daher trotz Kostensenkungen im Gesamtjahr deutlich negativ sein. Am Bau des dritten Terminals will Fraport aber festhalten, weil der Flugverkehr langfristig moderat wachsen werde.

Um die Durststrecke zu überstehen, hat sich Fraport im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Finanzmittel besorgt und mit einer neuen Anleihe im Juli weitere 800 Millionen Euro hereingeholt. Derzeit verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über knapp drei Milliarden Euro an liquiden Mitteln und zugesicherten Kreditlinien. Damit sei die Liquidität mindestens bis zum Ende des Jahres 2021 gesichert.

AB