Frankfurter Flughafen
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Passagierrückgang im Dezember Fraport: Erste Spuren von Flugscham?

Stand: 15.01.2020, 09:43 Uhr

Erstmals hat Fraport in einem Jahr über 70 Millionen Fluggäste am Frankfurter Flughafen begrüßt. Allerdings wuchs das Passagieraufkommen nicht so stark wie geplant. Zum Jahresende sank es sogar. Ist das schon der "Greta-Effekt"?

Wenigstens eines blieb dem Frankfurter Flughafenbetreiber erspart: ein Flugchaos wie im Sommer 2018. Mehr Personal für die Abfertigung und die Sicherheitskontrollen wurden eingestellt, es gab mehr Reserveflugzeuge, die Ausfälle kompensierten, und in den Flugplänen wurden mehr zeitliche Puffer eingebaut.

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ARD-Börse: Flughafenbetreiber Fraport wächst weiter

Nach einem deutlichen Wachstum im ersten Halbjahr hat Fraport in den letzten Monaten an Schwung verloren. Im November und Dezember waren die Passagierzahlen erstmals seit drei Jahren sogar rückläufig. Im letzten Monat des Jahres wurden 1,2 Prozent weniger Passagiere gezählt.

Ausdünnung des Winterflugplans

Als Hauptgrund nannte Fraport, dass die Fluggesellschaften ihren Winterflugplan ausgedünnt hätten. Nach einer langen und außergewöhnlich starken Wachstumsphase sei nun zu spüren, dass sich die Luftfahrtbranche in einer Phase der Konsolidierung befinde, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte. "Die konjunkturellen sowie geopolitischen Unsicherheiten sind weiter gestiegen, und einseitige nationale Maßnahmen wie die Erhöhung der Luftverkehrssteuer belasten die deutsche Luftfahrtbranche im Jahr 2020 zusätzlich."

Die Boomphase scheint vorerst vorbei. Pleiten in der Reisebranche und die Konjunkturabkühlung bremsten das Wachstum von Fraport. Die Zahl der Passagiere stieg zwar um 1,5 Prozent auf ein neues Rekordniveau von 70,5 Millionen. Ursprünglich hatte Fraport ein Plus von zwei bis drei Prozent angepeilt, dies nach rückläufigen Zahlen im November aber zurückgeschraubt.

Nicht Klimadebatte, sondern Konjunkturschwäche bremst

Mit dem "Greta-Effekt" und der Flugscham hätten die Zahlen nichts zu tun, betonte zuletzt Fraport-Chef Stefan Schulte. Er sieht als Ursache des gebremsten Wachstums die Handelskonflikte und die schwächelnde Weltkonjunktur. Hinzu komme, dass die Terminal-Kapazitäten voll ausgelastet seien. "Wir werden erst wieder stärker wachsen, wenn das Terminal 3 Ende 2021 öffnet und 2023 ganz fertig ist."

Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in ganz Deutschland wuchs 2019 die Zahl der Fluggäste nur noch leicht - auf 244,7 Millionen. Die Prognose von 250 Millionen Passagieren wurde verfehlt. Für 2020 stellt sich der Airport-Verband ADV gar auf einen Passagierrückgang ein. Die Zahl der Fluggäste werde um 0,7 Prozent schrumpfen, kündigte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Verbands, jüngst in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an.

Negativ-Trend auch bei anderen Flughäfen

Auch er sieht in der Entwicklung "keinen Effekt der Flugscham-Debatte". Ursachen des Passagierrückgangs seien vielmehr der gestiegene Ölpreis, die Konjunkturschwäche und der fehlende Boeing 737-MAX-Flieger, die mit Flugverboten belegt wurden. Außerdem werde sich die geplante Erhöhung der Luftverkehrssteuer im Sommer auswirken. "Viele Direktverbindungen ab Deutschland sind nicht mehr wirtschaftlich. Die Folge sind Flugstreichungen an den Flughäfen."

Die deutschen Flughäfen sind sich ihrer Verantwortung in der Klima-Debatte durchaus bewusst. Künftig werden sie noch stärker in den Klimaschutz investieren. Die Fraport zum Beispiel will bis 2030 am Frankfurter Flughafen die CO2-Emissionen um rund 65 Prozent im Vergleich zu 2010 senken. "Fast 20 Prozent haben wir schon geschafft", erklärt Fraport-Chef Schulte. Eine effizientere Klimatechnik in den Gebäuden, die Umstellung auf LED-Beleuchtung, der Ausbau der Elektromobilität sowie der verstärkte Einsatz von Wind- und Solarenergie hätten dazu beigetragen. Bis 2050 möchte die Fraport vollständig CO2-neutral werden.

Metzler setzt Fraport-Aktie unter Druck

Die Passagier-Bilanz für Dezember und das Gesamtjahr 2019 ernüchtert die Anleger. Die Fraport-Aktie fällt am Mittwoch um fast drei Prozent und ist Schlusslicht im MDax. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Titel elf Prozent zugelegt.

Das Bankhaus Metzler hat Fraport von "Buy" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 80 auf 65 Euro gesenkt. Der Flughafenbetreiber dürfte ab dem Jahr 2021 in eine Phase der Stagnation oder gar rückläufiger Gewinne eintreten, schrieb Analyst Guido Hoymann in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Er verwies unter anderem auf Gewinnbelastungen etwa durch Konzessionsgebühren für die übernommenen Flughäfen in Griechenland. Angesichts dessen dürfte der Bewertungsrückstand der Aktie im Vergleich zu den Wettbewerberpapieren wieder größer werden.

nb