Vereinzelte Passagiere am Frankfurter Flughafen

Leichte Erholung in der Flugbranche Fraport: 91 Prozent weniger Passagiere im Juni

Stand: 13.07.2020, 08:45 Uhr

Trotz der Lockerungen bei den Reisebestimmungen hat die Corona-Krise den Flughafenbetreiber weiter fest im Griff. Zwar ist der Rückgang der Passagierzahlen geringer als zuletzt - im Vergleich zu 2019 sind es aber immer noch über 90 Prozent.

Von März bis Mai war der Flugbetrieb wegen der weltweiten Corona-Bestimmungen mit Reisewarnungen und Grenzschließungen zusammengebrochen. So rauschten die Umsätze von Reisebüros und -veranstaltern in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts im ersten Quartal um etwa 23 Prozent in die Tiefe.

Für die Airlines rechnet der internationale Branchendachverband der Fluggesellschaften IATA für 2020 trotz teilweise milliardenschwerer Rettungspakete mit einem Nettoverlust von etwa 75 Milliarden Euro. Eine schwierige Situation auch für die Flughäfen: 41 Prozent der Flugtickets werden laut IATA erst drei Tage vor Abflug gebucht.

Mittlerweile läuft der Verkehr wieder an. Viele Grenzen wurden geöffnet, Urlaube und Reisen sind teilweise möglich. Immer mehr Ziele werden angesteuert. Im Juli können Passagiere wieder 239 Ziele in 69 Ländern bereisen, berichtete der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Über 80 Prozent der Deutschen wollen vorerst nicht fliegen

Frankfurter Flughafen

Fraport. | Bildquelle: (c) dpa

Die Verkehrszahlen am Flughafen Frankfurt - in normalen Zeiten eher von mäßiger Bedeutung - legen ein beredtes Zeugnis der Luftfahrtkrise ab. Im April und Mai fiel die Passagierzahl um fast 97 Prozent beziehungsweise 96 Prozent. Auch im Juni ging die Zahl der Passagiere am größten Airport Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr um knapp 91 Prozent auf 599.314 zurück, wie Fraport am Montag in Frankfurt mitteilte.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinsituts Civey im Auftrag des "Spiegel" aus dem Juni planen lediglich 13,4 Prozent der Deutschen, in den kommenden drei Monaten beruflich oder privat zu fliegen. Mehr als 60 Prozent hätten Angst, sich an Bord mit dem Coronavirus anzustecken.

Mehr Fluggäste und Flugzeuge

Dennoch zeichnet sich nun eine langsame Erholung ab. In der Woche vom 29. Juni bis 5. Juli zählte Fraport rund 251.000 Fluggäste und damit gut 78.000 Fluggäste mehr als eine Woche zuvor. Zudem stiegen zuletzt auch die Flugbewegungen, sprich Starts und Landungen, wieder an.

Geparkte Lufthansamaschinen auf dem Rollfeld am Frankfurter Flughafen

Geparkte Lufthansamaschinen auf dem Rollfeld. | Bildquelle: imago images / Jörg Halisch

Die Airlines wollen darüber hinaus wieder mehr Maschinen einsetzen. In ihrem neuen Flugplan plant Lufthansa bis Ende Oktober mit 380 Flugzeugen. Das sind immerhin 50 Prozent der Flotte und 200 Maschinen mehr als noch im Juni.

Schwerer Schlag für die Aktie

Bei den monatlichen Zahlen veröffentlicht der im MDax notierte Flughafenbetreiber auch Angaben zu seinen Auslandsflughäfen. Hier sind die Rückgänge fast überall - vor allem in Brasilien, Bulgarien, Griechenland und der Türkei - weiter sehr hoch. Lediglich am Flughafen im chinesischen Xi'an, an dem Fraport 24,5 Prozent hält, gehen die Rückgangsraten deutlich zurück. Im Juni sank die Zahl der dort abgefertigten Passagiere um knapp 32 Prozent auf 2,62 Millionen.

Im ersten Halbjahr, das ab Mitte März von der Corona-Krise geprägt war, sank die Zahl der abgefertigten Passagiere in Frankfurt insgesamt um knapp 64 Prozent auf 12,2 Millionen. Ein schwerer Schlag auch für die Aktie. Das Fraport-Papier verlor von Anfang Januar bis Mitte März etwa 60 Prozent an Wert. Bis Anfang Juni erholte sich die Aktie bis auf 50 Euro, ehe sie dann wieder absackte.

Verlängerte Kurzarbeit?

Fraport-Chef Stefan Schulte

Fraport-Chef Stefan Schulte. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Wegen der anhaltenden Flaute will der Flughafen unterdessen die Möglichkeit der Kurzarbeit bis in den übernächsten Sommer nutzen. "Gemessen an den Passagierzahlen haben wir vereinfacht gesagt für die Hälfte der Belegschaft noch mindestens anderthalb Jahre keine Beschäftigung", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte der "Wirtschaftswoche" Anfang Juli. Darum fordere die Branche eine Verlängerung der Kurzarbeit von derzeit bis zum kommenden März zumindest bis in den Sommer 2022.

Fraport hatte zwischenzeitlich rund 18.000 der 22.000 Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt, teilweise auch nur anteilig. Vor allem für die Abfertigung von Passagiermaschinen wird am größten deutschen Flughafen derzeit deutlich weniger Personal benötigt als vor der Pandemie. In einzelnen Bereichen wie der Fracht gibt es aber auch mehr Arbeit als zuvor.

tb