Börsengang von Française des Jeux

Neue Volksaktie? Franzosen ziehen mit Lotto-Aktie das große Los

Stand: 21.11.2019, 12:01 Uhr

Börse ist kein Lotto! Umgekehrt schon eher. Die Française des Jeux beweist, dass man mit Lotto-Aktien Geld verdienen kann. Der Börsengang der einst staatlichen Lottogesellschaft sorgt heute für Euphorie.

Die Lotto-Aktien stießen am Donnerstag auf riesige Nachfrage. Zum Börsenstart schnellte der Kurs der Française des Jeux (FDJ) um mehr als 15 Prozent über den Ausgabepreis von 19,90 Euro. Zeitweise wurde die Aktie mit rund 23 Euro gehandelt – trotz des insgesamt schwachen Marktumfelds.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire freute sich über den starken Auftakt der Lottogesellschaft an der Börse. Dieser zeige, dass sich die Franzosen nach der Finanzkrise 2008 "mit der Wirtschaft und den Märkten wieder ausgesöhnt" hätten. Unter den rund 500.000 Zeichnern der Aktie waren nach seinen Angaben auch zahlreiche Kleinanleger.

Kleinanleger wurden bevorzugt

Diese wurden besonders geködert. Die Kleinanleger erhielten die Aktien mit einem Abschlag von zwei Prozent billiger als die institutionellen Investoren. Zudem gab's für zehn gekaufte Aktien eine gratis dazu. Allerdings war der Börsengang mehrfach überzeichnet.

Größter Profiteur des IPO ist der französische Staat. Er kann voraussichtlich mit Einnahmen von mehr als zwei Milliarden Euro durch die Privatisierung rechnen. Der Anteil des Staats an der Française des Jeux sinkt von 72 Prozent auf 20 Prozent. Zuvor war die FDJ fast 90 Jahre lang der staatliche Lottomonopolist – bei Lotterie- und Rubbelspielen sowie Sportwetten.

In Bars und Tabak-Shops allgegenwärtig

Francaise des Jeux

Francaise des Jeux. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

An über 30.000 Verkaufsstellen in ganz Frankreich, darunter vor allem in Bars und Tabak-Handlungen, können die Franzosen ihre Spiel- und Wetteinsätze machen. Im vergangenen Jahr sammelte die Française des Jeux fast 16 Milliarden Euro ein. Der Umsatz wächst kontinuierlich. 2019 werden Erlöse von 1,9 Milliarden Euro angepeilt. Das operative Ergebnis soll bei 325 Millionen Euro liegen.

Die Privatisierung der Française des Jeux sorgt in Frankreich nicht überall für Zustimmung. Kritiker befürchten eine Expansion der FDJ in den Kasino-Bereich. So könnte der Lottoanbieter künftig in Bars und Tabak-Handlungen auch Spielautomaten aufstellen, warnen die privaten Kasino-Betreiber. FDJ dementiert diese Expansionspläne.

Wird jetzt auch der Pariser Flughafen privatisiert?

Française des Jeux ist der erste Börsengang eines öffentlichen Unternehmens in Frankreich seit 2005, als 15 Prozent des Atomenergieerzeugers EdF an die Börse kamen. Nächster Kandidat für einen Börsengang könnten die Aéroports de Paris sein. Präsident Emmanuel Macron hat eine Privatisierung der Pariser Flughafengesellschaft auf den Weg gebracht, um Geld in die Staatskassen zu spülen. Diese ist allerdings massiv umstritten.

nb