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Finanzmärkte nach der Katalonien-Wahl Spanien: Aufruhr und Unsicherheit

Stand: 22.12.2017, 11:04 Uhr

Die Wahl in Katalonien bedeutet: Die Krise schwelt weiter. Nicht besonders gut für den spanischen Finanzmarkt. Und auch nicht für den Euro.

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Die Wahl in Katalonien hat die Separatisten gestärkt und die spanische Regierung geschwächt. Hoffnungen auf ein Ende des Katalonien-Konflikts erfüllten sich nicht. Ein schwerer Rückschlag für den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Er hatte gehofft, dass die Separatisten aus der Neuwahl geschwächt hervorgehen und der Konflikt mit der wohlhabenden Region entschärft wird. Die Finanzmärkte werten das Wahlergebnis auch als Rückschlag für Europa, zu sehen am Kurs des Euro.

Er fiel in der Nacht zwischenzeitlich um einen halben Cent bis auf 1,1817 US-Dollar. Allerdings erholte er sich am Vormittag auch wieder etwas und notierte bei 1,1853 Dollar.

Am spanischen Aktienmarkt war die Stimmung gedrückt. Der Leitindex Ibex 35 gab zwischenzeitlich um 1,5 Prozent nach und blieb auch zuletzt noch rund ein Prozent im Minus. Unter Druck standen insbesondere Bank-Aktien, es traf vor allem die Banco Santander, deren Titel im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 notieren. Auch die BBVA musste Federn lassen.

Außerhalb des Index' ging es für die Titel von La Caixa - dem größten Geldgeber Kataloniens - und für Banco Sabadell bergab. Beide hatten sich entschieden, wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen ihren Hauptsitz aus Katalonien herauszuverlegen.

Anleihen unter Druck

Am Anleihemarkt war die Nervosität ebenfalls zu spüren. Spanische Staatsanleihen gerieten deutlich unter Druck. Die zehnjährige Rendite legte im Gegenzug zwischenzeitlich um 0,05 Prozentpunkte auf 1,50 Prozent zu; gefolgt von einer leichten Erholung. Auch die Renditen portugiesischer und italienischer Papiere wurden mit nach oben gezogen. Ansonsten blieben die Auswirkungen auf andere Euro-Länder aber gering.

Was die Finanzmärkte aus dem Takt bringt: Spanien bleibt ein gespaltenes Land, und niemand weiß, wie es jetzt weiter geht. Die Unsicherheit bleibt also hoch. "Spanien steht jetzt vor einer neuen Zerreißprobe, sagt Thomas Altmann von QC Partners. "Ein neues Referendum ist jetzt sehr wahrscheinlich. Und wie eine Abspaltung in der Praxis tatsächlich aussehen könnte, weiß heute noch niemand."

Kurzfristig Unruhe

Experten erwarten keine länger anhaltenden Auswirkungen an den Finanzmärkten. "An den Märkten dürfte das Wahlergebnis allenfalls kurzfristig für etwas Unruhe sorgen", kommentiert Ralph Solveen von der Commerzbank. Am Ende dürfte entscheidend sein, dass das Thema 'Unabhängigkeit Kataloniens' erst einmal nicht mehr akut ist. "Damit dürfte Katalonien mehr und mehr aus dem Blickfeld der Investoren geraten, so dass bei der Bewertung spanischer Anleihen eher wieder die guten wirtschaftlichen Perspektiven des Landes sowie der Einfluss der EZB-Politik im Fokus stehen werden", so der Experte.

Noch langfristiger gedacht könnten spanische Anleihen aber sehr wohl leiden. "Wenn die anhaltende politische Unsicherheit die katalanische Wirtschaft weiter schwächen und damit auch das Wachstum Spaniens bremsen würde", führt Solveen aus.

bs