Ein verzerrtes Deutsche Bank-Logo spiegelt sich in einer Hochhausfassade
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Fusion mit der Commerzbank als Ziel? Cerberus bei Deutscher Bank an Bord

Stand: 15.11.2017, 14:11 Uhr

Erst die Commerzbank, nun die Deutsche Bank. Der Finanzinvestor Cerberus hat sich nun einen Anteil an der Nummer eins der deutschen Bankenbranche gesichert. Auf dem Börsenparkett wabern Fusionsfantasien. Die Kurse beider Aktien klettern.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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+1,71%

Auf der Kurstafel machen beide Titel am Mittag deutlich Boden gut, bei der Aktie der Deutschen Bank hat sich ein Kursminus von drei Prozent sogar in ein Plus verwandelt, beide Finanzaktien laufen klar besser als der geschwächte Gesamtmarkt.

Investmentbank mit Kauf beauftragt

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Was bereits seit Dienstag vermutet wurde, ist nun eingetreten. Die Deutsche Bank hat inzwischen über eine Stimmrechtsmitteilung die Beteiligung von Cerberus durch dessen Chef, Stephen Feinberg, bestätigt, wonach eine Meldeschwelle von drei Prozent überschritten wurde. Am Vortag war bekannt geworden, dass die Investmentbank Morgan Stanley mit dem Kauf eines größeren Pakets beauftragt wurde, der Auftrag stammte also von dem Finanzinvestor.

"Wenn sich der Investor nun auch an der Deutschen Bank beteiligt, liegt es nahe, dass er auf eine Fusion der beiden Häuser drängen könnte", so ein Händler am Mittag. Hierüber sei am Markt immer wieder spekuliert worden. Vorteilhaft sei eine Fusion aller Voraussicht nach vor allem für die Commerzbank als das kleinere der beiden Institute.

Blühende Fusions-Fantasien

Bereits im vergangenen Jahr hatte es lose Gespräche über eine "Zusammenarbeit" der beiden Geldhäuser gegeben, die aber mit der Begründung beendet wurden, dass beide Institute erst einmal bei sich "aufräumen" müssten. Die Verschlankung einiger Sparten haben Commerzbank und Deutsche Bank samt erheblichem Stellenabbau inzwischen vorangetrieben.

Zwischenzeitlich wurde heftig über einen Kauf der Commerzbank durch die französische Großbank BNP Paribas spekuliert. Auch hier gab es aber neben wohlwollenden Aussagen aus der Politik keine konkreten Ergebnisse.

Cerberus "mag" Standort Deutschland

Cerberus dürfte zumindest ein längerfristiges Interesse an beiden Engagements haben. Mit Blick auf die Beteiligungs-Politik hatte Chief Operating Officer Mark Neporent vor wenigen Tagen zum "Manager-Magazin" gesagt: "Wir sind keine Heuschrecken, die rasch weiterziehen. Wir sind langfristige Investoren mit einer Historie." Banken-Beteiligungen am Standort Deutschland empfindet das Unternehmen derzeit als besonders attraktiv: "Wir mögen die Rechtssicherheit, das konstante Wirtschaftswachstum und die hohen Sparraten", so Neporent. Bereits 2006 hatte der Investor die österreichische Bank Bawag gekauft und anschließend saniert.

Die Deutsche Bank ließ am Nachmittag verlauten, man begrüße "jeden Investor, der an das Wertpotenzial der Aktie der Deutschen Bank glaubt". Ein Sprecher hatte auf die Cerberus-Beteiligung angesprochen gesagt: "Wir pflegen mit bestehenden und potenziellen Investoren einen regen Austausch."

AB