Fiat-, Chrysler-, Tesla-Schriftzug

Wegen neuer Abgasvorschriften Fiat Chrysler: Ablasshandel mit Tesla

Stand: 08.04.2019, 10:54 Uhr

Die von der EU-Kommission geforderten neuen CO2-Grenzwerte für Pkw zwingen den Autohersteller Fiat Chrysler zu einem ungewöhnlichen Deal mit dem E-Autobauer Tesla. Dessen Aktionäre freut's.

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge will Fiat Chrysler offenbar hunderte Millionen Euro an Tesla zahlen. Mit dem Deal wolle der italienisch-amerikanische Konzern sicherstellen, dass er die Elektroautos des amerikanische Elektroauto-Pioniers rechnerisch zu seiner Fahrzeugflotte zählen kann.

Der neue Fiat Aegea

Der neue Fiat Aegea. | Bildquelle: Fiat

Fiat Chrysler will mit Hilfe dieses Konstrukts die verschärften Grenzwerte der EU bei den Kohlendioxidemissionen einhalten. Trotz massivster Kritik der gesamten Autoindustrie hat die EU-Kommission kurz vor Weihnachten letzten Jahres beschlossen, dass ab 2030 der CO2-Ausstoß aller in der EU neu zugelassenen Pkw um 37,5 Prozent geringer ausfallen muss als derzeit. Bereits ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw.

Ohne Hilfe von E-Autos nicht zu schaffen

Eine Vorgabe, die kein Autobauer aus der EU ohne Hilfe von E-Autos schaffen kann. Denn die neuen Grenzwerte müssen nicht von jedem einzelnen Fahrzeug, sondern nur im Durchschnitt aller Fahrzeuge eines Herstellers erfüllt werden. Der hohe CO2-Ausstoß spritdurstiger SUVs beispielsweise lässt sich damit mit den Null-Emissionen von Elektroautos gegenrechnen.

Der Fiat-Chrysler-Konzern hat Marken wie Alfa Romeo und Ferrari sowie Dodge und Jeep in seinem Programm. Der "FT" zufolge hat das Unternehmen bereits am 25. Februar einen sogenannten "offenen Pool" mit Tesla gebildet. Das gehe aus einer Erklärung an die Europäische Kommission hervor. Tesla und Fiat Chrysler waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Wenige E-Autos im Angebot

Die neuen Abgasvorschriften machen Fiat Chrysler besonders zu schaffen, denn im Gegensatz zu einigen Konkurrenten hat der italienisch-amerikanische Autobauer erst wenige Elektro- und Hybridautos im Angebot.

Die EU erlaubt es Autoherstellern, die Emissionen der Fahrzeuge verschiedener Marken gegeneinander aufzurechnen. Die "FT" gibt den VW-Konzern als Beispiel an, weil dieser die Emissionen von VW, Seat und Skoda mit jenen von Porsche und Audi verrechnen könne.

Aktie zieht wieder an

Zuletzt hatte Tesla die Erwartungen der Anleger enttäuscht, weil der Hersteller im ersten Quartal mit rund 63.000 Autos (minus 31 Prozent im Vergleich zum Vorquartal) deutlich weniger Fahrzeuge ausgeliefert hatte als erwartet worden war. Die Aktie war daraufhin kräftig eingebrochen. Inzwischen schöpfen die Aktionäre aber wieder Mut. Die Meldung der "FT" dürfte dem Papier weiteren Auftrieb verschaffen.

Fiat Chrysler hatte Anfang Februar mit einem schwachen Ausblick auf das laufende Jahr die Erwartungen von Analysten enttäuscht.

lg