Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Änderung der geldpolitischen Strategie Fed wird jetzt zum Job-Retter

Stand: 27.08.2020, 15:53 Uhr

Paukenschlag zum Auftakt der traditionellen Notenbanken-Konferenz: Fed-Präsident Jerome Powell kündigte einen Strategieschwenk an. Künftig konzentriere sich die Notenbank auf den Arbeitsmarkt. Eine höhere Inflation werde akzeptiert.

"Für einige Zeit" werde die Fed eine Inflationsrate von über zwei Prozent in Kauf nehmen, ohne einzugreifen und den Leitzins anzuheben, sagte Powell zum Auftakt der virtuellen Konferenz, die normalerweise in Jackson Hole stattfindet. Demnach könnte sie die Inflationsrate für einen längeren Zeitraum über dem angepeilten Idealwert halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben ist. Dieses Modell ist im Fachjargon als "Average Inflation Targeting" bekannt. Das Inflationsziel soll sich künftig an Durchschnittswerten orientieren. Bisher stellt das Preisziel der Fed ein Punktziel dar, das sie möglichst exakt erreichen will.

Fokus auf Arbeitsmarkt

Für die Fed gehe es nun in der Corona-Krise vor allem darum, den Unternehmen zu helfen, mehr Jobs zu schaffen. Dies solle allen Arbeitnehmern zugute kommen, vor allem aber Familien mit niedrigerem Einkommen. Der Chef der Zentralbank bekräftigte, dass die Fed bereit sei, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen, um die Wirtschaft zu stützen. Die Fed erkennt offenbar an, dass ein Arbeitsmarkt unter Druck nicht unbedingt zu Preiserhöhungen führe.

Die Entscheidung bietet der Fed zugleich mehr Spielraum beim Ansteuern ihres Inflationsziels von zwei Prozent. "Die US-Notenbank wird die Zinssätze auf absehbare Zeit, möglicherweise für mehr als fünf Jahre, fast bei Null halten, und sie wird der Inflation eher gelassen entgegensehen und sich sogar für einen bescheidenen Anstieg über ihr Ziel von zwei Prozent einsetzen", sagte Nigel Green, Chef des Vermögensverwalters deVere Group. "Das wird die Aktienrally weiter anheizen."

Ultralockere Geldpolitik geht noch lange weiter

Auch andere Experten interpretieren die Strategie-Änderung der Fed als Hinweis auf eine noch längere Zeit mit niedrigen Zinsen in den USA. Laut Chefökonom Uwe Burkert von der LBBW werde ein Ausstieg aus der derzeit ultralockeren Geldpolitik noch weiter auf die lange Bank geschoben: "Selbst wenn die US-Wirtschaft nach der Coronakrise in einen stabilen und anhaltenden Aufschwung einschwenkt." Ähnlich sieht das Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba: "Kurzfristig bestehen keine Zweifel an einer fortgesetzt ultralockeren Geldpolitik der Fed, und die heute eingeleitete Strategieänderung der Fed lässt dies mehr als bisher auch für die mittlere Frist erwarten."

Wall Street legt zu

Die Ankündigung der Fed heizte heute die Rekordjagd an den US-Börsen an. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq legten im frühen Handel jeweils 0,2 Prozent auf 3.487 und 11.691 Punkte zu und markierten damit neue Bestmarken. Der Dow gewann 0,4 Prozent auf 28.454 Punkte. Der Dax drehte kurz ins Plus, rutschte dann aber wieder ab.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.411,76
Differenz relativ
+0,86%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.767,39
Differenz relativ
+2,39%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.326,54
Differenz relativ
+0,84%

Dollar auf Achterbahnfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1628
Differenz relativ
+0,01%

Die US-Anleihen gerieten unter Druck. Auch der Dollar gab zunächst nach, erholte sich dann aber rasch wieder. Der Euro legte auf bis zu 1,1895 Dollar zu und fiel dann wieder auf unter 1,18 Dollar.

nb