Adler am Gebäude der Federal Reserve in Washington
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Dritter und letzter Schritt in diesem Jahr? Fed senkt erneut den Leitzins

Stand: 30.10.2019, 20:45 Uhr

Sie hat es wieder getan: Die Fed hat zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins gekappt - auf nun 1,5 bis 1,75 Prozent. Zugleich signalisierte die US-Notenbank, nun eine Pause einlegen zu wollen. Die Reaktion an den Märkten war verhalten positiv.

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Die Wall Street kam zunächst kaum vom Fleck. Der Dow und der S&P 500 notierten nach dem Zinsentscheid nahezu unverändert. Im Laufe der Pressekonferenz von Fed-Präsident Jerome Powell drehten die Indizes dann aber klar ins Plus. Der Dow Jones stieg um 0,3 Prozent.

Der US-Dollar ging auf Achterbahnfahrt. Erst legte er leicht zu, dann sackte er wieder ab. Der Euro notierte am späten Abend bei 1,1145 Dollar, nachdem er zeitweise unter 1,11 Dollar gefallen war.

Entscheidung war schon eingepreist

Die US-Notenbank hat den Leitzins wie von den meisten Experten erwartet gesenkt. Das Zielband für den Leitzins "Fed Funds Rate" werde um 0,25 Prozentpunkte auf 1,50 bis 1,75 Prozent reduziert, gab die Fed am Mittwoch in Washington bekannt. Es ist die dritte Zinssenkung in diesem Jahr. Zuletzt hatte die Fed am Mitte September die Zinsen gesenkt.

Die Absenkung begründete Fed-Chef Powell damit, dass so der US-Wirtschaft geholfen werden solle, sich gegen "fortdauernde" globale Risiken abzusichern und ihre Stärke zu bewahren. Powell nannte die Handelskonflikte sowie den Brexit als Faktoren, welche die Investitionen und die Produktion geschwächt hätten.  Alles in allem habe sich die US-Wirtschaft aber als "resistent" gezeigt gegen "die Winde, die in diesem Jahr geblasen haben", sagte der Fed-Direktor bei einer Pressekonferenz. Auch sieht er positive Vorzeichen dafür, dass die Konjunkturrisiken aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie aus dem Brexit abnehmen. 

Powell signalisiert Zins(senkungs)pause

Der Fed-Chef deutete an, dass die Währungshüter vorerst die Füße still halten werden. Die Die geldpolitische Haltung werde "wahrscheinlich angemessen bleiben". Dies gelte, solange die Wirtschaft wie bislang maßvoll wachse, der Arbeitsmarkt robust sei und sich die Inflation weiter nahe dem Zielwert der Fed von zwei Prozent bewege. Powell machte deutlich, dass die Fed derzeit nicht an Zinserhöhungen denkt, zumal die Inflation nicht aus dem Ruder zu laufen drohe.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Fed vor Trump eingeknickt? - Reaktionen an den Märkten

Dazu passt, dass die Fed im Begleittext zu ihrem geldpolitischen Beschluss nun eine Passage änderte, mit der sie bislang Bereitschaft für weitere Senkungen angedeutet hatte. Darin hatte sie angekündigt, angemessen zu handeln, um das Wirtschaftswachstum zu stützen. Nun heißt es lediglich, sie werde die Konjunkturdaten beobachten und dann beurteilen, wie der "angemessene Pfad" für den Zins gestaltet werden solle. "Wohl zumindest für dieses Jahr ist also wohl kein weiterer Zinssenkungsschritt anvisiert."

US-Wirtschaft "recht widerstandsfähig"

Noch brummt die Wirtschaft in den USA: Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, das Wachstum ist noch robust, und Verbraucher geben fleißig Geld aus. Weil sich jedoch die Warnsignale mehren, hatte die Fed bereits im Juli nach einem Jahrzehnt stagnierender oder steigender Zinsen die Kehrtwende eingeleitet. Die Notenbanker um Zentralbankchef Jerome Powell sehen die Zinssenkungen als Versicherungspolice gegen einen Abschwung.

Das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts hat sich im Sommer nur minimal auf eine Rate von aufs Jahr hochgerechnet 1,9 Prozent verringert. Als Warnsignal gilt jedoch, dass die Investitionen so stark einbrachen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die US-Notenbank geht jedoch davon aus, dass die Wirtschaft auch künftig "maßvoll" wachsen wird. Powell: "Die Wirtschaft hat sich in diesem Jahr angesichts des Gegenwinds als widerstandsfähig erwiesen."

Verschießt die Fed ihr Pulver?

Kritiker befürchten, die Notenbank könnte mit ihrer vorauseilenden Konjunkturhilfe ihr Pulver verschießen, noch bevor es zu einer Rezession kommt. Sollte es dann tatsächlich zu einer Wirtschaftskrise geben, könnte die Fed nur noch begrenzt gegensteuern, sagen die Kritiker. US-Präsident Donald Trump wiederum geißelt die von der Regierung unabhängige Notenbank für unzureichendes Handeln. Er fordert, den Leitzins auf Null zu senken und die Konjunktur zudem über Anleihenkäufe anzukurbeln. Zwischenzeitlich hatte Trump Powell und die Fed auch als inkompetent und als Staatsfeinde bezeichnet.

nb