Finger in Nahaufnahme vor einer Computertastatur

35 Milliarden Dollar Fat-Finger-Problem bei Deutscher Bank?

Stand: 20.04.2018, 08:33 Uhr

Auch nach dem erneuten Chefwechsel bei Deutschlands größter Bank kommt das Geldhaus nicht zur Ruhe. Erneut deutet sich an, dass es bei dem Konzern alles andere als rund läuft.

Wie Bloomberg berichtet, ist eine routinemäßige Zahlung der Deutschen Bank gehörig schiefgegangen. Dabei ging es um einen Geldübertrag im Rahmen ihrer täglichen Geschäfte mit Derivaten. Fälschlicherweise landeten so 35 Milliarden Dollar bei der Verrechnungsstelle der Terminbörse Eurex, die zur Deutschen Börse gehört. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf einen Insider. Die fehlerhafte Übertragung sei etwa eine Woche vor Ostern erfolgt. Es sei kein Schaden entstanden. Laut dem Insider hätte der Fehler von einem internen System aufgefangen werden müssen, das im März 2014 eingerichtet worden sei.

"Dies war ein operativer Fehler bei der Bewegung von Sicherheiten zwischen den Hauptkonten der Deutschen Bank und dem Eurex-Konto der Deutschen Bank", zitiert Bloomberg aus einer E-Mail von Deutsche-Bank-Sprecher Charlie Olivier. "Der Fehler wurde innerhalb weniger Minuten erkannt und dann behoben. Wir haben die Gründe für diesen Fehler sorgfältig geprüft und Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung zu verhindern."

Versehentlich ausgelöste Aufträge von Händlern werden in der Branche auch "Fat Finger"-Problem genannt. Dabei unterstellt man, dass durch zu deutsch "fette Finger" unabsichtlich mehrere Tasten auf einer Tastatur getroffen werden.

Dieter Hein redet Klartext

Weiter zitiert Bloomberg den als besonders kritisch geltenden Analysten Dieter Hein von Fairesearch: "Eine Bank, die irrtümlich eine so große Überweisung vornimmt, zeigt, dass ihre Kontrollen nicht ausreichend funktionieren, und es ist peinlich", sagte Hein. "Diese Art von Vorfall zeigt, dass die Probleme der Bank so groß sind, dass man sie nicht sofort beheben kann."

Damit passt der Vorfall zu den Irritationen um die scheidende IT-Chefin der Deutschen Bank, Kim Hammonds, die die Deutsche Bank auf einer internen Tagung des Konzerns als das "dysfunktionalste Unternehmen" bezeichnet hatte, für das sie je gearbeitet habe.

ME

1/15

Fat Finger Trades – schlimme Finger an der Börse Teure Tippfehler

Silberner Finger drückt auf PC-Taste

Silberfinger (7. Juli 2017)
Von wegen sanftes Ruhekissen Silber: Kurz nach Mitternacht sackte der Silberpreis innerhalb von Sekunden um sieben Prozent auf ein 15-Monats-Tief von 14,86 Dollar ab, um sich danach wieder zu erholen. Experten gehen denn auch von einem "fetten Finger" eines Edelmetallhändlers aus, der sich in der Stückzahl vertan hat.