DFV Deutsche Familienversicherung : Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages Himmelsstürmer Deutsche Familienversicherung

von Notker Blechner

Stand: 10.01.2020, 10:31 Uhr

Zu den heimlichen Überfliegern an der Börse zählt die Deutsche Familienversicherung. Der Kurs des Insurtechs hat sich in den letzten Wochen verdoppelt. Nach einem Deal mit der Chemiebranche überrascht das Unternehmen nun mit guten Jahreszahlen.

Der 62-jährige Stefan Knoll ist kein Mann der leisen Töne. "Wir wollen zu den Großen der Branche aufsteigen", betont er und macht eine Kampfansage an den Marktführer Allianz. Und: "Wir sind das einzig funktionierende Insurtech", sagt Knoll. "Komplexe Policen digital und über Sprachassistenten vertreiben - das können nur wir." Knoll, Oberst der Reserve und früherer Verkäufer bei der Allianz, hat die Deutsche Familienversicherung mit gegründet und Ende 2018 an die Börse gebracht.

Zahl der Policen fast verdoppelt

Stefan Knoll, Deutsche Familienversicherung

Stefan Knoll. | Bildquelle: picture alliance / Eventpress

Der digitale Versicherer aus Frankfurt wächst rasant. 2018 verkaufte die DFV rund 55.000 Policen, im abgelaufenen Jahr waren es schon gut doppelt so viel mit 100.034 Verträgen. Das gesamte neu generierte Prämienvolumen stieg um fast 70 Prozent auf 29,9 Millionen Euro. Das Bestandsprämienvolumen erhöhte sich um gut ein Drittel auf 101 Millionen Euro.

Allerdings muss die Deutsche Familienversicherung – kurz DFV – als Direktversicherer ohne eigene Vertreter viel Geld ausgeben für Werbung im Fernsehen und im Internet. Die hohen Werbekosten und auch die Aufwendungen für den Börsengang haben zu roten Zahlen geführt. Für 2019 meldete das Unternehmen am Freitag einen Verlust vor Steuern von rund 4,5 Millionen Euro. Das ist freilich deutlich weniger als ursprünglich geplant. Noch im Frühjahr 2019 stellte Knoll Vorsteuerverluste von neun bis elf Millionen Euro in Aussicht. 2018 hatte das Minus nach Steuern bei 3,3 Millionen Euro gelegen.

Aktie im rasanten Höhenflug

Die Anleger honorieren die Bilanz. Die Aktie der DFV zieht am Freitag um sechs Prozent auf 19,70 Euro an. Damit ist das Papier nun fast doppelt so teuer wie Ende November, als es knapp unter 10,00 Euro notierte. Für den Kurssprung sorgte damals ein Deal mit der R+V und Barmenia in der Chemiebranche. Für die rund 430.000 Tarifbeschäftigten in der Chemieindustrie übernehmen die Versicherer ab Juli 2021 die Pflegezusatzversicherung.

Das Konsortium der drei Versicherer zahlt bis zu 300 Euro im Monat bei ambulanter Versorgung und bis zu 1.000 Euro bei stationärer Pflege. Die Prämie zahlen die Arbeitgeber. Die DFV sieht den Deal mit der Chemiebranche als wegweisend für die betriebliche Kranken- und Pflegeversicherung.

Deal mit der Chemiebranche bringt kräftigen Kundenzuwachs

Für das operative Geschäft der DFV bedeutet der Vertrag einen Quantensprung. Mit einem Schlag gewinnt der kleine Direktversicherer im Konsortium mit der R+V und Barmenia Hunderttausende Kunden. Deshalb haben Analysten ihre Ziele für die Deutsche Familienversicherung angepasst.

Deutsche Familienversicherung

Deutsche Familienversicherung. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Die DFV konzentriert sich auf lukrative Versicherungen, die einfach zu digitalisieren sind. Die Frankfurter bieten vor allem Krankenzusatzversicherungen – unter anderem für Zähne, Krankenhausbehandlung und Pflege an. Auch Katzenversicherungen bietet die DFV an. Aus dem Bereich der Kfz-Versicherungen will sich der Insurtech dagegen raushalten.

Vorbild Friedrich der Große

Nach dem Deal mit der Chemiebranche will DFV-Chef Knoll den Versicherungsmarkt weiter aufmischen und kräftig expandieren. Konkrete Wachstumsziele nennt er nicht. Als Vorbild dient dem Oberst der Reserve Friedrich der Große, über den er ein 672 Seiten dickes Buch geschrieben hat - mit dem Titel "Preußen – ein Beispiel für Führung und Verantwortung". Ein Zitat von Friedrich der Große hängt in seinem Arbeitszimmer: "Nun leben Sie wohl, meine Herren, morgen um diese Zeit haben wir den Feind geschlagen…" Meint Knoll damit die Allianz?

Oder denkt der 62-Jährige da an die Politik? Der CDU-Mann wettert seit Wochen gegen Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). "Der Mann muss weg, Frankfurt braucht einen anderen Oberbürgermeister", fordert er nach der aufgedeckten Awo-Affäre. Nein, leise Töne sind nicht das Ding von Oberst Knoll…