Bremslichter von Auto die im Stau stehen
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Fahrverbote von alten Diesel-Fahrzeugen zulässig Gerichtsentscheid drückt Autoaktien

Stand: 27.02.2018, 14:23 Uhr

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Dienstag den Weg zu möglichen Fahrverboten freigemacht. Das Urteil belastet - ein bisschen - die Aktienkurse der deutschen Autobauer.

Die deutschen Autoaktien notieren am frühen Nachmittag auf der Verliererseite. Die Titel von VW bauen ihre Verluste aus und büßen 1,3 Prozent ein, die Papiere von BMW rutschen um 0,6 Prozent, die Aktien von Daimler um 0,3 Prozent ab. Insgesamt hielten sich die Verluste aber in Grenzen. "Das Urteil kommt zwar nicht mehr ganz so überraschend, löst aber Unsicherheit über die Zukunft der deutschen Autoindustrie aus", sagte ein Händler.

Er rechne nur mit partiellen Fahrverboten und halte auch eine kostspielige Umrüstung der Motoren für unwahrscheinlich, sagte ein Analyst. "Für eine umfassende Beurteilung sind noch zu viele Fragen offen." Für die Stimmung sei das Urteil aber nicht gerade hilfreich, sagte ein anderer Börsianer.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Baumot profitiert

Zu den wenigen Profiteuren an der Börse zählt die Aktie von Baumot. Sie steigt um über fünf Prozent auf 2,08 Euro. Auf Ein-Jahres-Sicht hat sich der Kurs vervierfacht. Baumot-Twintec bietet Hardware-Nachrüstverfahren an, mit denen sich die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Autos um bis zu 95 Prozent senken lassen. Der ADAC hatte einen Prototyp eines VW-Euro-5-Diesels mit dem Twintec-System getestet und eine Verringerung der Stickoxid-Belastung um mehr als 90 Prozent festgestellt. Auch Faurecia/Amminex arbeitet an einem Nachrüst-Verfahren.

Verbote nur als letztes Mittel

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ARD-Börse: Das Diesel-Urteil - Börsenreaktionen

Die Richter in Leipzig entschieden am Dienstagmittag, dass Städte generell Fahrverbote für Dieselautos zur Luftreinhaltung verhängen dürfen. Die Verbote seien nur als letztes Mittel zulässig, um die Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) einzuhalten. Sie müssten aber verhältnismäßig sein und nicht auf einen Schlag eingeführt werden. Voraussichtlich würden sie nur in wenigen Ballungsräumen eingeführt.

Das Bundesverwaltungsgericht wies damit die Revision der Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gegen die von örtlichen Verwaltungsgerichten geforderten Fahrverbote in Stuttgart und Düsseldorf zurück. Das Urteil könnte eine bundesweite Signalwirkung haben. Die Entscheidung, die zunächst einmal nur für Stuttgart und  Düsseldorf gilt, hat Auswirkungen auf nahezu alle deutsche Großstädte.

Autohersteller warnen vor "Diesel-Hysterie"

Vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu möglichen Fahrverboten hatte die Autoindustrie am Dienstag abermals für freie Fahrt in Städten geworben. "Die ambitionierten Vorgaben zur Luftqualität in den deutschen Städten können auch ohne Fahrverbote erreicht werden", sagte Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, am Dienstag bei einem Branchenkongress. Die Frage der Luftqualität werde sich mittelfristig lösen, wenn mehr Fahrzeuge mit neuen Abgasstandards in die Fuhrparks kommen.

Selbst ausländische Autohersteller warnen vor einer deutschen "Diesel-Hysterie". Die erlaubte Stickoxide-Konzentration in Büros sei um ein Vielfaches höher als auf der Straße, wundern sich die Manager. Ohne den Dieselmotor gäbe es keine Chance in Deutschland, die angestrebte CO2-Reduzierung zu erreichen, mahnte unlängst der Geschäftsführer von Kia Deutschland, Steffen Cost. In den letzten Jahren sei der Ausstoß von Stickoxid drastisch gesunken – von 1990 bis 2015 um 60 Prozent, bei den Autos allein sogar um fast 70 Prozent. Mit technischen Innovationen lasse sich der NOx-Wert weiter drücken. So werden in den nächsten zwölf Monaten alle Kia-Diesel beim Stickoxid-Ausstoß auf oder unter dem Level der Benziner liegen, kündigte Cost an.

Volvo und Fiat planen Zukunft ohne Diesel

Fiat Chrysler: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ein paar Autohersteller haben andere Konsequenzen aus der Diesel-Debatte gezogen und ihren Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor angekündigt. So will Volvo ab 2019 nur noch neue Modelle mit Elektromotor oder Hybridantrieb anbieten. Auch Fiat erwägt laut Presseberichten, den Diesel bis 2022 aus allen seiner Pkws zu verbannen. Anfang Juni wird FiatChrysler einen Vierjahresplan verkünden.

nb