Ducati Monster 1200

Motorradmarke VW: Ducati vor Verkauf?

Stand: 21.10.2020, 11:39 Uhr

Tabula rasa in Wolfsburg: Nach den jüngsten Gerüchten über einen Verkauf der Luxusmarke Bugatti und einen Börsengang von Lamborghini hält VW nun angeblich Ausschau nach einem Käufer für seine legendäre Motorradmarke.

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Auf der VW-Hauptversammlung im September 2020 hatte Herbert Diess Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Ducati noch zurückgewiesen. Doch nun könnte der VW-Chef seine Meinung geändert haben. Der Volkswagen-Konzern wolle vor seiner Fünf-Jahres-Planungsrunde im November ausloten, ob es Interesse an der Marke gebe, sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Dabei sei noch völlig unklar, ob tatsächlich ein Verkauf von Ducati beschlossen werde. Auch eine Technologiepartnerschaft, Restrukturierung und andere Optionen bis hin zu einem Börsengang seien im Gespräch.

Auch Lamborghini und Bugatti in der Gerüchteküche

Lamborghini Sian

Auch die Zukunft von Lamborghini ist offen. | Bildquelle: obs/Automobil Lamborghini S.p.A.

Es ist nicht das erste Verkaufsgerücht über eine VW-Marke, das am Markt die Runde macht. Auch über die Zukunft der Sportwagenmarken Lamborghini und Bugatti wurde am Markt zuletzt heftig spekuliert. Auch hier will VW bei der Planungssitzung im November seine Strategie nachbessern und über einen möglichen Verkauf, Börsengang oder Partnerschaften entscheiden.

Anfang Oktober hieß es dazu aus Insiderkreisen, eine erneute Prüfung der drei Marken Lamborghini, Bugatti und Ducati finde statt, da Volkswagen seine Ressourcen besser nutzen wolle: für die Massenproduktion von Elektrofahrzeugen – aber auch für die Entwicklung autonomer Fahrzeuge, vernetzter Autos und anderer Zukunftstechnologien.

Marken, die sich mit ihren großen Verbrennermotoren einen Namen gemacht haben und hochgezüchtete, PS-starke Motorräder scheinen da auf den ersten Blick nur wenig ins Bild zu passen, das VW gerne von sich zeichnen möchte.

So neu ist das alles nicht

Andererseits sind Spekulationen über einen Verkauf der drei Marken keineswegs neu, wie das Beispiel Ducati zeigt: Bereits 2018 und 2017 war ein Verkauf des Motorradherstellers ein großes Thema im VW-Konzern. 2017 sollen Unternehmen wie der Konkurrent Harley-Davidson, die Unternehmerfamilie Benetton, der frühere Ducati-Eigner und Baulöwe Andrea Bonomi sowie diverse Investmentfonds Interesse bekundet haben.

Ducati 996 im Film

Jagte mit ihrer Ducati 996 im Film "Matrix" die Bösewichte: Carrie-Anne Moss als Trinity. | Bildquelle: Warner Bros. GmbH

2018 dachte der damals neue VW-Chef Diess laut über einen Verkauf von Ducati nach. Der Mann kennt sich übrigens bestens mit Motorrädern aus, war Diess doch von 2003 bis 2007 Leiter der Motorradsparte von BMW.

Passiert ist bislang – nichts. Doch das muss nicht so bleiben, bedenkt man den großen konzerninternen Umstrukturierungsprozess, den Diess angestoßen hat.

Ducati & Co. – nur "Liebhaberei"?

Auch aus Sicht von Branchenkennern würde ein Abstoßen von Ducati, aber auch von Lamborghini und Bugatti durchaus Sinn machen: "Marken wie Bugatti sind eher Hobbys und passen wenig zu einem Konzern, der zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft. VW sollte sich auf 99,9 Prozent des Geschäfts konzentrieren und nicht mit 0,1 Prozent spielen", erklärte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut jüngst gegenüber "Börse Online". Er führte den Kauf dieser Marken auf die "Verliebtheit und Sammelfreude" des ehemaligen Konzernchefs Ferdinand Piëch zurück.

Bugatti Veyron 16.4. Grand Sport Vitesse

Was für "Liebhaber": der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse. | Bildquelle: Unternehmen

Entsprechend wurden Spekulationen über einen Verkauf oder Börsengang von Ducati, Lamborghini und Bugatti an der Börse in der Vergangenheit stets goutiert. Am Mittwoch notiert die VW-Aktie zwar im Minus, hält sich aber deutlich besser als der schwache Gesamtmarkt.

ag